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Freitag, 6. Juni 2003 - Anreise
Treffpunkt für alle Wekstattteilnehmer aus Wien, denen
nicht der Luxus eines Chauffeurs zur Verfügung stand, war
der Westbahnhof. Nachdem wir uns mit Sack und Pack durch das
Bahnsteiggedränge gemüht, Zug und die für uns
reservierten Sitzplätze gefunden hatten, ließen wir
uns in eben diesen nieder.
Die 8-stündige Bahnfahrt nach Bregenz erwies sich als äußerst
zach. Auch intensive Diskussionen über Bücher und Filme,
dem tatsächlichen Geschmack von Knabbernossi und nostalgischen
Erlebnisberichten über vergangene Schreibzeiten ließen
die Stunden nicht schneller verstreichen.
Gegen fünf Uhr
nachmittags fuhr der Zug im Innsbrucker Hauptbahnhof ein, und
Tanja und Martin gesellten sich zu uns. Kurz darauf stieg Helena
zu. Schließlich in Bregenz angekommen, erwarteten wir Johannes
und Regina, beide aus Deutschland anreisend. Mit dem Bus ging
es weiter nach Hard und zur heimeligen Merry Ranch.
Den Abschluss des Tages krönte das Abendessen im Restaurant
Sternen.
Doch als die Nacht hereinbrach, dachte niemand der jungen Schreiberlinge
aus Österreich, Deutschland, der Schweiz und Südtirol
an das weiche (aber in der Länge zu kurze) Bett
Samstag, 7. Juni 2003
Ich (Elia), Kev (alias Kevin), Thomas und Markus standen so
gegen 8 Uhr früh auf; ich duschte mich, und kurze Zeit später
saßen wir mit dem Rest der Workshop-Crew im Gasthof Sauna,
frühstückten. Serviert wurden Semmeln, Butter, Orangensaft,
Tee, Kaffee und Konfitüre, dazu frisches Fleisch und Käsescheiben.
Nun ja, das Essen war wirklich schmackhaft, aber ich glaube,
dass kaum jemandem die "Ländlermusik" behagte.
Um 09.30 Uhr waren wir dann dabei, erste Texte der Netzwerkstatt
zu besprechen (ohne dass ich jetzt fies werden will, muss ich
dennoch leichtes Missfallen an der Art der Kritik bekunden).
Zur Besprechung standen ein Gedicht, welches das Thema "gewundene
Luft" behandelte, und eine ironische, sehr amüsante
Kurzgeschichte namens "Grabvisite".
Hernach fuhren Martin,
Johannes und andere Teilnehmer zum SPAR, damit auch wir nicht
Hunger zu leiden hatten während der folgenden Tage. Ich
und Kev verbrachten diese Zeit schreibend; beide saßen
mit frisch zermarterten Köpfen über ihren Texten des
Schweizer Mundart-HipHops. Nach und nach trudelten die Einkaufenden
wieder ein, während unsere "Lyrik" langsam Gestalt
anzunehmen begann.
12.30 Uhr Mittagessen im Sternen - war zwar viel, aber dennoch
sehr lecker. Ich lernte Maria ein bißchen kennen und nahm
sie sogleich in Dienst als "Ringerl-Azubi".
Danach war erstmals ein Treff in der Hütte der Leiter angesagt,
wo wir unseren Mitgliederbeitrag zu zahlen hatten. Und jetzt
begann eigentlich der "fette" (schweizerdeutsch für:
super, genial) Teil des Tages: Baden im Bodensee mit Kev, Anna,
Tanja, Sabrina, Maria, Regina, Klara und Thomas.
Gut, geschrieben wurde viel, und auch die Combo zwischen uns
war echt spitzenmässig - obwohl völlig sinnNlos! Regina,
Thomas und Maria verließen uns dann auch wieder relativ
rasch, wogegen der Rest so um 5 ebenfalls die Kurve kratzte,
um die allzu kurze Heimreise anzutreten (will sagen: 10 Minuten
Bodensee - Unterkunft).
Ich und Kev waren am Kicken, da wir einen Fußball aus dem
See geholt hatten. Klara war auch dabei, und später am Abend
Maria. Nun ja, ich verlor mit 8:3 schmählich gegen Kev und
Klara; mit Maria jedoch wurde es eine sehr gemütliche Jonglierrunde.
Ups, ich habe das gemeinsame Abendessen - welches vom Haus Irma
zubereitet wurde - völlig vergessen! Leckerster Thunfischsalat,
Brot, Käse und Fleisch.
Zwischen 8 und 9 Uhr am Abend fand die zweite Kritikrunde statt,
jedoch waren einige der Mädels in der Stadt, genauer in
Hard, unterwegs, während der anwesende Rest die Zeit mit
literarischen Spielen tot zu schlagen versuchte - oder man saß
in einer Hütte und werkelte an den eigenen Texten.
Elia
Dienstag, 10. Juni 2003
Gääääähhnnn
Der mehr oder weniger lange Schlaf wird vom Frühstück
unterbrochen.
Gasthof Sauna empfängt uns wieder einmal mit frischem (zum
Teil noch tiefgekühltem) Gebäck, Marmeladen, Schinken,
Käse und Musik, die durch Haut und Haar geht
Nach einem ausgiebigen Frühstück treffen sich alle
Jung-Autoren im Schatten der Bäume.
Wir besprechen den Tagesablauf und kehren schnell wieder in unsere
Bungalows zurück. Kein Wunder, denn Zimmerkontrolle steht
auf dem Programm.
Chips werden vom Boden aufgesaugt, Socken, Texte und Kugelschreiber
(oder Laptops) in die Kästen hineingepresst.
Jetzt bleibt uns nicht mehr lange Zeit, um neue Texte zu schreiben
oder um die alten vor der letzten Kritikrunde zu korrigieren.
Die, die sich ihrer Sache (bzw. ihrer Texte) schon ganz sicher
sind, genießen die letzten Stunden, um im See schwimmen
zu gehen, oder einen Streifzug durch das Zentrum (falls man es
so bezeichnen kann) von Hard zu unternehmen.
Doch irgendwann versammeln sich auch die letzten knurrenden Mägen
beim gemeinsamen (und durchaus reichlichen) Mittagessen im Gasthof
Sternen.
Marion
Nun
geht's auf ins "Sternen", wo wir uns die Bäuche
mit Gemüse-Lasagne bzw. Schnitzel vollschlagen. Unter lustigem
Geplapper machen wir uns ca. eine Stunde später wieder auf
den Weg zurück zu den Bungalows, gönnen uns jedoch
noch einen Abstecher in einen Laden, um unseren Süssigkeiten-Vorrat
aufzufrischen.
Wieder "Zuhause", nehmen wir noch schnell die letzten
Änderungen an unseren Texten vor. Dann beginnt die letzte
Textbesprechung vor der Lesung. Im Schatten eines Baumes kritisieren
wir den ganzen Nachmittag lang, bis auch wirklich alle die verdiente
Kritik erhalten haben. Den Blick auf die Uhr geheftet, hasten
alle zurück in die Bungalows, um die Kritik auch wirklich
umsetzen zu können. Bis zur letzen Minute feilen wir an
unseren Texten, so dass wir Martin mit dem Ausdrucken noch stressen,
als wir eigentlich schon auf dem Weg ins "Sternen"
hätten sein müssen. Unsere Bemühungen werden vom
Geschrei einiger anderen begleitet. Diese Glücklichen haben
ihre Texte schon vor uns fertig gestellt und gönnen sich
nun eine Wasserschlacht.
Doch alles geht gut, und so sitzen wir schliesslich alle ein
bisschen nervös, jedoch zufrieden vor unseren Tellern.
Selina
Der letzte Weg ins Sternen führt zum Abendessen. Elia
nutzt ihn, um wieder einmal seine Ausdauer im "Mädchen-ins-Restaurant-Tragen"
zu testen. Noch vor dem Essen verlässt uns Barbara, viel
umarmt, deren Gedichte der Lesung hinterher fehlen werden
Bei Spätzle mit Käse und Eis mit Sahne erstellt Martin
die Reihenfolge der Autoren für die Lesung, während
Johannes die Mädels am Tisch quält J.
Hinterher führt
der Weg ins Rathaus. Das obligatorische Gruppenphoto entsteht,
wofür sich alle auf einer kleine Brücke drängen.
Der Raum, in dem gelesen wird, enthält leider viermal soviel
Autoren wie Zuhörer. Manche genießen es, schon bekannte
Texte noch einmal zu hören; bei anderen sinkt langsam, aber
sicher die Konzentration. Spannend ist, wieviel bzw. wie wenig
die einzelnen Autoren an Kritik angenommen und dementsprechend
in ihren Texten verändert bzw. nicht verändert haben.
An dieser Stelle ein kleines Extralob an Sabrina J für die
rubinrote Rose als Schluss.
Nach der "Arbeit" bringen uns Taxis ins "Vergnügen",
die sogenannte Spielhölle. Zwischen Hitmusic und Trashvideo
verziehen wir uns größtenteils auf die Bänke
vor dieser Örtlichkeit. Während ein gewisser Standard-Journalist
innerhalb der ersten fünf (okay, vielleicht sechs J) Minuten
einen Tequila, ein Bier und einen Vodka Orange konsumiert, gründet
sich auf der gleichen Bank das legendäre Dreierbündnis
R(egina)-H(anka)-M(aria).
Der Heimweg schließt eine unfreiwillige Besichtigung von
Hard-Downtown ein, weil niemand so recht den Weg weiß.
Aber so hat Kevin immerhin Gelegenheit, sich so tief in eine
Hecke zu stürzen, dass er es nur noch mit Elias Hilfe herausschafft.
Schließlich landen wir ohne nennenswerten Schwund wieder
in der Merry Ranch, wo auf den Terrassen die letzten nächtlichen
Worte der Werkstatt verklingen.
Maria
Und schon war es Mittwoch Morgen, Zeit, das letzte Mal aufzustehen,
Zeit, das letzte Mal zu spät zum Frühstück zu
kommen
Leichte Wehmut macht sich hier und da breit, da
es nun keine Möglichkeit mehr gibt, den baldigen Aufbruch
zu verdrängen. Ein letzter Blick auf Ralph - für manche
eine Wonne, für andere
Hmja - jedenfalls tauscht
noch Handynummern, Mail- und Wohnadressen aus, wer es nicht schon
getan hatte oder sich von früher kannte, und dann geht's
schon bald los, die Taschen in der Hand, den Abfall im Kühlschrank
zurückgelassen, ein letzter Blick zurück
Wiedereintritt
in die raue Wirklichkeit.
Der Grossteil macht sich geschlossen auf den Weg zum Bahnhof
(-höfchen), um nach Bregenz und von da aus weiter zu fahren,
und nur ein kleiner Teil wird abgeholt oder ist schon früher
gegangen, oder nimmt einen anderen Weg.
Und damit ist die Woche endgültig zu Ende, viel zu früh
natürlich, und während man den anderen noch winkt,
nimmt man sich natürlich schon vor, nächstes Jahr wiederzukehren
Irene
Lesetipp: Das Werkstatt-Tagebuch
zur Schreibzeit Hard 1999 |