Helena Köfler (17)

Nach Mittsommer

Ich weinte mich von Rechtfertigung zu Rechtfertigung, aber ich konnte nicht erklären, warum ein Herzrasen, das einmal so in mich hineingewachsen war, nun zu einem beängstigenden Szenario der Stille wurde.

Du neben mir, in einer Wiese neben Gleisen, über denen die Sonne spektralfarben aufgegangen war.

Das Rattern der Waggons stahl uns die Verlegenheit, die sich immer dann breit machte, wenn meine Tränen pausierten.

22.03 Uhr.

Der Malmö-Stockholm-Express ließ uns erzittern. Eine Irrationalität von Schmerz fraß sich durch meinen Körper, als ich dein Gesicht studierte, das immer noch durch die Leere blickte, als würdest du den Zug seines Weges begleiten.

Unsere Blicke blieben für sich, jeder Gedankenstrang war plötzlich nicht mehr für den anderen bestimmt. Und das nur, weil Wochen die Verzauberung erster Momente übertrumpften.

Das ABC deines Seins war mir mit einem Mal fremd geworden. Meine Worte wollten wiedergutmachen, was mutwillig und doch so unfreiwillig zerstört worden war. Ich wollte Flächenbrände löschen, in mir und dir.

Dreiundzwanzig Minuten später näherte sich von fern das Brausen der Göteborg-Bahn, die direkt in einen Erklärungsversuch platzte.

Eine Suche hatte mit der Erkenntnis geendet, dass es nichts mehr gab, was es noch zu erforschen galt.

23.06 Uhr.

Ein weiteres Heranpreschen war zu hören.

Als ich aufgestanden war, lag nur noch der Abdruck meines Körpers im Gras.