Helena Köfler (15)
Sonnenschauspiel
Als sie den Sand unter den Füßen spürte, schlug ihr Herz schneller. Der Sommerwind blies ihre Haare sacht nach hinten, nicht wirklich kräftig, aber so stark, dass sie durcheinandergeweht wurden. Sie nahm den Geruch wahr; den Geruch des Meeres: salzig, erfrischend.
Ihr Körper wurde von einer Gänsehaut überzogen, als sie weiterging. Sie hörte die Möwen hinter sich, sie hörte ihre Flügelschläge. Und sie roch ihr Haar, ihren Körper.
Sie war barfuß, ihre Sandalen hatte sie irgendwann abgeworfen. Durch ihr Kleid drang die Abendluft. Sie schloss die Augen, und als sie die Lider wieder öffnete, konnte sie die Sonne sehen, diesen großen leuchtenden Kreis, der sich über den Wellen emporhob.
Dieser Anblick raubte ihr für einen kurzem Moment dem Atem, sie versuchte, alles in sich aufzunehmen. Sie sah das Flimmern, das das Gelb einschloss.
Der Sand wurde feucht, sie war fast schon im Wasser. Sie blieb kurz stehen, genoss das Gefühl, und als sie weiterging, tauchten ihre Füße In die Wellen. Das Wasser war angenehm warm, von der Sonne erwärmt. Sie fror nicht, so wie sie es eigentlich erwartet hatte.
Noch einen Schritt weiter, und auch ihr Kleid würde nass werden. Sie hob den Blick. Als sie die Sonne nur verschleiert sah, wusste sie, dass sie weinte. Die Träne schmeckte salzig und hinterließ ein Prickeln auf der Haut.
Eine Welle kam, riss sie fast weg, sodass sie Angst hatte, weggeschwenunt zu werden. Der Sonnenballen war jetzt fast im Meer versunken. Die goldenen Strahlen wurden reflektiert und auf die Wasseroberfläche projiziert. Sie wusste, noch eine Welle, vielleicht zwei und sie würde den Halt verlieren. Sie blieb stehen.
Sie konnte nicht sagen, was für ein Gefühl sie beschlich in den letzten Sekunden ihres Lebens aber vielleicht war es Glück?
Und dann kam die Welle, groß und gewaltig.