Anna Katharina Wohlgenannt (17)
Gitte war ihr name
17 jahr, blondes haar
rosa war ihre haut, und weich
feste arme und beine, eine starke person
laute stimme, lautes lachen
blitzblaue äuglein, rote bäcklein
Gitte war ein mädel zum pferdestehlen
unkompliziert und humorvoll
mit beiden beinen fest am boden
sie stampfte durch die welt, daß es dröhnte
gröbere erschütterung hatte sie noch keine erspürt
in ihrem leben
man arrangiert sich halt
solange sie ihre tägliche ration an wildschein erhielt
war alles in ordnung
und ihr der himmel nicht auf den kopf fiel
doch heute sah es überhaupt nicht danach aus
die sonne schien, als Gitte in den wald ging
die kranke Großmutter besuchen
die lag darnieder in ihrem häuschen, an dem kleinen klaren
bächlein,
wo jetzt die schönsten gelben dotterblumen blühten.
Gitte machte eine pause beim großen hinkelstein,
der mit grünem moos bewachsen war
durch das dichte blätterdach stahlen sich ein paar sonnenstrahlen
auf Gittes besommersprosste nase
und sie wurde angenehm müde und faul
vergiß deine alte Großmutter nicht, mahnte
der stein,
der niemandem außer sich selbst ruhe gönnte
und so half alles nichts, Gitte mußte weiter
auf ihrem weiteren weg kam Gitte beim lebkuchenhäuschen vorbei
bei dessen resten.
daneben saß die hexe und weinte so bitterlich,
daß ihre warze hilflose sprünge machte
ja, hänschen und gretchen hatten sie nicht verschont
auf ihrem letzten spaziergang im wald!
schnell ging Gitte weiter.
sie konnte es nicht ausstehen, wenn jemand weinte.
da stand sie dem wolf gegenüber.
ihrem wolf.
er lächelte siegessicher.
ich bin der böse wolf, sagte er, du gehörst mir.
ja, sagte Gitte und starrte ihn an,
nichts lag mehr hinter ihr, vor ihr, neben ihr, unter ihr, über
ihr.
du bist der böse wolf, ich gehöre dir.
damit hatte der wolf nicht gerechnet.
was fällt dir ein, schrie er, du machst ja das ganze spiel
kaputt.
wo bleibt die angst, das entsetzen?
das ist langweilig und macht keinen spaß!
ich geh jetzt nach haus zu meiner mama!
und so ging er