Robert Luschan (12)
Das verrückte Geisterschloss
Der alte, graue Burgherr Mac Grav saß auf seinem Sessel und starrte aus dem Fenster. Er hatte soeben ein altes, staubiges Buch zur Seite gelegt, das er in seiner Burg im tiefsten Kerker gefunden hatte. Sein noch junger Butler Andrew hatte das staubige Buch hinter einem losen Stein entdeckt.
Beide saßen noch immer regungslos da und glotzten den Sternenhimmel an.
»Die werden kommen!« stöhnte er mit seiner tiefen und alten Stimme.
»Äh ... wer wird kommen, Sir!?« f ragte der junge Butler.
»Na ja, die!« Mac Grav hasste überflüssige Fragen.
»Die Geister, alle hundert Jahre kommen sie und treiben dann ihr Unwesen. Zu Lebzeiten bewohnten sie dieses Gemäuer. Dann wurden sie von meiner Familie vertrieben. Alle wurden erhängt oder geköpft. Noch bevor sie starben, sprachen sie alle diesen Fluch aus.« erklärte er schließlich doch noch.
»Und um genau 12 Uhr kommen sie!« krächzte der alte Mann und deutete auf eine morsche Pendeluhr aus Holz, die an der Wand hing und runterzufallen drohte.
Der Zeiger war kurz vor 12 Uhr. Es tickte, es schien ihnen, als ob es immer lauter wurde. »Tick, Tack, Tick, Tack, Tick, Tack, Dnggg!«
Es hörte sich so an, als ob der Gong unendlich wäre. Dann stieg es um in ein schallendes lautes Gelächter. Der alte Greis erhob sich von seinem Sessel, ging zum Fenster und blickte hinunter. Dort unten schwankten lauter lachende, betrunkene Geister mit roten, dicken Knollnasen. Einige jonglierten mit ihren Köpfen, andere spielten mit dem Galgenstrick Lasso, und wieder andere warfen mit ihren Schädeln und Rumflaschen die Fenster ein.
»Die machen ja mein Schloss kaputt, denen werde ich es zeigen. Andrew, mein Gewehr!« sprudelte es bei dem alten Kracher nur so heraus, und beide rannten wie verrückt die Wendeltreppe runter, blieben jedoch in der Tür stecken und flogen wie Superman die Treppe runter. Der alte Mac Grav hatte eine weiche Landung auf seinem jungen Butler, der brach sich jedoch einige Knochen und blieb regungslos mit den Füßen nach oben liegen.
Der alte Mac Grav richtete sich auf und rannte so schnell, wie ihn seine knöchrigen Beine trugen, zu einer alten Schrotflinte, die um der Wand hing. Doch als er sie von der Brüstung riss, wurde er von einem herumfliegenden Schädel getroffen, verlor das Gleichgewicht und stürzte die Treppe zum Weinkeller hinab. Dort auf einem ausrinnendem Weinfaß saß ein knallbesoffener Geist mit knallroter Nase und sang dabei.
»One, two, three, four, five, everybody in the ...!«
Weiter kam die untote Imitation von Lou Bega nicht, denn der alte Grav schoss wie wild einfach umher. Ein Geist hatte sogar die Nerven, die Hose runter zu lassen und Sir Grav den nackten Hintern zu zeigen. Der schoss natürlich sofort auf ihn.
Langsam drohte der alte Amokläufer durchzudrehen, und das war wahrscheinlich auch der Grund, warum er den herbei eilenden Andrew niederschoss.
Langsam füllte sich das alte Schloß mit lauter Geistern. In der Mitte der verrückte Sir Grav, der wie Rambo herumballerte. Dies machte den Geistern natürlich nichts aus, sie bemerkten den Alten gar nicht. Sie spielten nur Handball mit ihren Köpfen, Cowboy mit den Galgenstricken und wer am meisten saufen konnte. Mac Grav war inzwischen total verrückt geworden, als er schließlich zu einem Spiegel kam, sich selbst sah und: »Ein Monster!« schrie, auf den Spiegel und dann auf sich selbst schoss.