Robert Luschan (11)
Die Straßenbahnkarte
Es war ein eiskalter Wintertag, und draußen
tobte ein schrecklicher Schneesturm. Er kam ganz überraschend,
deswegen wurden viele Leute auf der Straße regelrecht eingeschneit.
Da konnte ich von Glück reden, dass ich in einer gemütlichen
Straßenbahn saß.
"Nächste Haltestelle umsteigen zur Linie eins!"
ertönte es aus den Lautsprechern.
Da musste ich noch nicht aussteigen; ich wollte bis zum Hauptplatz
fahren und von dort aus ins Büro meiner Mutter gelangen.
Die Straßenbahn hielt an und öffnete die Türen,
es stürmten die Leute nur so herein und besetzten die noch
freien Plätze. Hinter der Menschenmenge kam ein großgewachsener
Kontrollor herein. Einige der Leute, die in der Straßenbahn
saßen, standen auf von ihren Plätzen und gingen weit
nach hinten. Nur ich griff ruhig in meine rechte Hosentasche und
wollte meinen Ausweis herausziehen, doch ... da war er nicht,
ich griff in die linke Seitentasche, aber außer ein paar
Papierstücken und Hülsen von Lutschbonbons fand ich
nichts, genausowenig fand ich in meiner Jackentasche.
Langsam wurde ich nervös, ich konnte spüren, wie mein
Herz schneller anfing zu schlagen, und wie mir der Angstschweiß
auf der Stirn stand. Da konnte ich sehen, wie der Schaffner sich
zu mir drehte. Als ich das sah, blieb mir die Luft weg. Er kam
immer näher auf mich zu, ich presste mich fest in den Sessel,
mir wurde wahnsinnig heiß, am liebsten wäre ich zu
diesem Zeitpunkt draußen in der eisigen Kälte gestanden.
Da öffnete der Schaffner plötzlich den Mund; wollte
er mich gleich auffressen? Da sprach er: "Ich glaube, dir
ist deine Fahrkarte hinuntergefallen!"
Er bückte sich und hob mir den Straßenbahnausweis auf,
drückte ihn mir lächelnd in die Hand und ging weiter.
Erst als er schon fort war, brachte ich ein leises "Danke"
heraus.