Juliane Liebert, 11 Jahre, Halle/Saale
1. April, oder was?
"Guten Morgen, Juliane, aufstehen!" Schon will ich mich
aus den Federn bewegen, als mir einfällt, was für ein
Tag heute ist. Am 1. April sollte man erst einmal auf die Uhr
gucken, sonst wird man noch 5.30 Uhr statt 6.30 Uhr geweckt, und
alle lachen sich kaputt. Also schiele ich auf die Uhr und sehe,
dass es wirklich 6.30 ist, und ich erst einmal kein "April,
April" zu hören bekommen werde.
Ich stehe auf, und mache mich fertig. Seltsamerweise schmeckt
die Marmelade nicht nach Pfeffer, der Tee nicht nach Salz und
meine Schnürsenkel sind nicht verknotet.
Ich düse in die Schule. Bevor ich mich auf meinen Platz setze,
gucke ich, ob nicht etwa ein Furzkissen daliegt. Aber der Stuhl
ist O.K. Da scheppert die Schulglocke und die Lehrerin kommt herein.
"Hallo," meint sie, "nehmt die Diktathefte heraus!"
Alle fangen an zu wühlen. Forschend blicke ich die Lehrerin
an, aber ihr Gesicht bleibt ruhig. Ich hole mein Heft heraus und
schreibe den Quatsch, den sie diktiert. Auch später in Mathe,
Musik, Kunst und Sport passiert nichts Ungewöhnliches. Und
so läuft es den ganzen Tag. Mittagessen ist ein bisschen
scharf, sonst nichts, und auch der Nachmittag verläuft ruhig.
Beim Abendessen sind Mutti und ich ein bisschen müde, wie
immer. Ja, alles ist wie immer, stelle ich wütend und ein
bisschen enttäuscht fest. Vorwurfsvoll blicke ich zum Kalender.
Und darauf steht:
Montag, 31. März.