Julia Schönfelder (11)

Das schwarze Grab am Friedhof

Die Leute aus Lenf erzählten es herum. Dass das schwarze Grab, pechschwarzes Gestein, an Vollmonden aufging. Es kam heraus, ein Wesen, dass keiner je zu Gesicht bekommen hatte. Und jeder, der zu den Abenden im Gasthaus saß, verzog sich bei Vollmond nach Hause. Doch der Bürgermeister von Lenf stellte eines Tages ein Team aus vier Männern zusammen, das zu dem schwarzen Grab unterwegs war. Es war Punkt zwölf Uhr, Mitternacht! Ein Knacken ließ die Männer aufschrecken. Das Grabmal ging auf und heraus kam etwas, das haarig, mit gelb-grün leuchtenden Augen war und einem Maul voller Reißzähne hatte! Bedrohlich langsam kam es auf die Männer zu.

Ein Trommelfell zerfetzender Schrei riss die Bürger aus Lenf aus dem Schlaf. Er kam vom Friedhof. Männer mit Fackeln und Gewehren rannten durch die offene Tür in den Friedhof. Vor ihnen lag das schwarze Grab. Doch zu ihrem Schrecken auch die vier Männer. Von dem hässlichen Wesen jedoch fehlte jede Spur.

Die Männer, alle leichenblass, mit weit aufgerissenen Augen, lagen in einer Lache Blut. Ein paar mutige Leute nahmen die Leichen und trugen diese in das Dorf. Ein Arzt stellte fest, dass sie angegriffen worden waren. Bald darauf wurden die Männer begraben.

In den nächsten Tagen verlief alles ruhig. Die Leute im Dorf redeten nicht von dem Geschehenen. Eines Tages erschien der Friedhofwächter, der außerhalb des Dorfes wohnte. Sein Weg führte in ein Gasthaus. Dort erzählte er dem Wirt, dass der Deckel des schwarzen Grabes wieder offen stand. Der Wächter bat um ein Zimmer und gleich nachdem er gegessen hatte, ging er hinauf. Er bekam ein Zimmer mit Überblick auf den Friedhof. Der Wirt ging zum Bürgermeister und teilte ihm die Worte des Friedhofwächters mit.

Der Bürgermeister, Herr Hasler, stapfte zum Tor des Friedhofes und tatsächlich, das schwarze Grab stand offen. Herr Hasler schloss das Tor und ging auf sein Amt. Der Wirt aber ging zum Friedhofwächter. Der hatte alles beobachtet. Heute Nacht wollte er das Grab öffnen. Zehn Männer halfen ihm dabei. Es schlug zwölf Uhr.

Alle standen um das Grab herum und schaufelten und hackten. Nach einer beträchtlichen Zeit ließ sich der Steindeckel heben. In der Grube lag etwas Großes, Haariges. Es war… ein Werwolf! Mit einem Knurren öffnete er seine Augen. Den Männern war klar, dass dieses Knurren ihnen den sicheren Tod bedeuten würde. Die Männer wussten auch, dass sie die schlafende Bestie geweckt, und so ihr Dorf in Gefahr gebracht hatten. Und von diesem Tag an war Lenf von der Weltkarte verschwunden.