Leon Hofmeister (10)

Der Werwolf

Es war ein ganz normaler Tag in der Paris-Allee 19. Der Chemiker Karl Maier testete gerade sein Belebungsmittel an einer Ameise, da kam die Post. Sie brachte den »Paris-Sun« Anzeiger.

Auf der Titelseite stand: »Neue Attraktion im Wolfsmuseum! Das Wolfsfell soll angeblich von einem Werwolf sein!«

Das Hobby des Chemikers kam ihm in den Sinn: Wölfe.

Karl Maier nahm das Belebungsmittel und ging ins Wolfsmuseum. Da hing das Fell. Wie es ihn anfunkelte. Er rutschte aus, sein Belebungsmittel fiel auf den Boden und bespritzte das Wolfsfell. Nichts passierte.

»Ein Glück!« dachte Karl Maier.

Aber er hatte sich geirrt!

In einer Vollmondnacht begann der Alptraum.

2. Kapitel

Ab dieser Nacht geschah Unmögliches in Paris. Es gab Morde in Discos, Läden, Cafés und sogar im Parlament.

Niemand konnte sich erklären, wie das passierte.

An einem Sommermorgen stieg Karl in die U-Bahn.

Er fuhr schon eine Weile, da gab es einen Ruck, die Bahn hielt und das Licht ging aus. Karl hörte einen Schrei. Er tastete sich dort hin, wo der Schrei herkam und sah ein Paar rote Augen funkeln.

Ihm huschten viele Gedanken durch den Kopf: »Was ist passiert?«, »Was ist das?«, »Hat es etwas mit meiner Chemikalie zu tun?«

Er wurde durch einen Schrei in die Wirklichkeit zurück gerissen.

Karl spürte etwas Warmes über den Boden fließen.

»Blut«, dachte er und rannte los. Wohin er rannte, wusste er nicht, er rannte einfach.

Karl sah die Lichter des Bahnhofs und viele Leute. Endlich war er im Bahnhof angekommen, Karl war erleichtert. Schon kamen die ersten Journalisten, sie fragten ihn viel.

Am Abend stürzte er todmüde ins Bett.

Da hörte er Schritte.

3. Kapitel

Karl schlich sich auf den Gang. Da sah er sie, die roten Augen.

Der Chemiker hörte den Wolf knurren, dann war Stille.

Der Werwolf konnte ihn riechen, dachte Karl Maier.

Plötzlich hörte er Sirenen heulen, und Leute drangen ins Haus ein.

Der Werwolf war weg, stellte Karl nach Sekunden fest. Die Leute waren Polizisten. Die Polizisten, so wurde ihm erklärt, hatten ihm das Leben gerettet, weil ein Mann den Wolf gesehen und die Polizei verständigt hatte.

Er, der Mann, der die Polizei benachrichtigt hatte, würde des Werwolfs nächstes Opfer sein.

4. Kapitel

So war es, der Mann der die Polizei verständigt hatte, starb am nächsten Tag.

Es verging ein halbes Jahr, bis der Werwolf sich wieder blicken ließ, diesmal in einer Disco. Es gab fünf Tote. Alle sahen so aus wie Karl. Er wäre sicher auch unter den Toten gewesen, wenn er nicht gerade auf Toilette gewesen wäre.

Der Chemiker konnte das einfach nicht mit ansehen. Karl Maier mischte ein Gegenmittel. Er dachte, dass es noch einen Toten geben würde.

In der Nacht, als Karls Freund bei ihm war, das wusste Karl nicht, kam der Werwolf wieder.

5. Kapitel

Karl und sein Freund tranken gerade Rum, als die Tür eingetreten wurde.

Sie schreckten auf, als der Werwolf im Türrahmen stand. Der Chemiker rannte los. Er wusste zwar wohin, aber er hatte seinem Körper gar keinen Befehl gegeben. Er war gerade in der Küche, als er einen Schrei hörte.

Es war sein Freund. Er war tot. Trotzdem wollte Karl umdrehen und zurück laufen.

Aber sein Körper gehorchte ihm nicht. Er hörte das Hecheln des Wolfes hinter sich. Da stieß Karl gegen ein Regal. Die Gläser klirrten, und der Werwolf hielt inne.

Der Chemiker nutzte die Gelegenheit, um weiter zu rennen.

Karl war im Labor und griff nach der Chemikalie, als die Zähne des Wolfs in sein Fleisch eindrangen. Die Chemikalie spritzte durch den Raum.

Der Werwolf fing an zu brennen. Dann löste er sich auf, und Karl fiel in Ohnmacht.

Ihm ging es bald wieder besser. Und der Wolf wurde nie wieder gesehen.

Ende