Marion Brugger (13)
Der Weg zur Freiheit
Der kühle Wind strich ihr die Haare aus dem Gesicht. Sie musste niesen. Der Wind roch nach Unbekanntem, würzig und frisch. Jetzt spürte sie ihn den Ruf der Freiheit. Den Ruf des Neuartigem, den Ruf einer anderen Welt.
Sie scharrte mit ihren Zehen im heißen Sand. Etwas, das von ganz tief in ihr kam, ließ sie spüren, dass sie nicht dazugehörte, dass dies nicht ihre Welt war. Doch wo war sie dann, IHRE Welt?! Eine Welt, in der Hass und Streit unbekannte Worte waren, eine ganz kleine Welt und doch von unendlicher Weite. Langsam drehte sie sich im Kreis und breitete dabei ihre Arme aus, als wären sie Flügel. Immer schneller begann sie sich zu drehen, schneller und schneller! Plötzlich blieb sie abrupt stehen. In ihrem Kopf begann sich alles zu drehen. Sie ließ ihre Arme sinken, fühlte sich klein und unbedeutend. Sie starrte auf das weite Meer hinaus und plötzlich war ihr, als höre sie tausend Stimmen rufen: Flieh!
Fliehen? Wohin? Weg von den Sorgen, weg von allen Problemen, einfach fliehen in eine andere Welt!
Der heiße Sand ließ sie ihre Kraft spüren, der Wind ihren Mut. Aus einem zierlichen jungem Mädchen wurde eine starke, selbstbewußte Frau.
Sie rannte los, rannte den tosenden Wellen des aufschäumenden Meeres entgegen. Nichts hören, nichts sehen, nichts fühlen einfach frei zu sein, das war ihr Ziel!
Ihre Hände ballten sich zu Fäusten. Angespannt fixierte sie einen Punkt am Meer, vielleicht war dies ein kleines Boot in der Nähe oder ein Luxusdampfer weit entfernt, sie konnte es nicht erkennen. Ihre Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen, krampfhaft starrte sie auf den Punkt am Meer. Sie vergaß alles um sie herum, nur den Punkt behielt sie im Auge, diesen lächerlichen kleinen Punkt am Meer.
Aber vielleicht war es gerade dieser Punkt, der ihr die Kraft gab weiterzulaufen.
Und vielleicht war es auch gerade dieser Punkt, der ihr die Kraft gab, nicht aufzugeben.
Immer schneller begann sie zu rennen, schneller und schneller. Fast flog sie über den Strand hinweg. Je näher sie dem Punkt am Meer kam, desto näher kam sie ihrem Ziel.
Der Sand wurde kühler und immer feuchter. Das Atmen tat ihr weh und ihr Herz klopfte immer stärker. Jetzt war sie nur noch wenige Schritte vom Meer entfernt
Die Wellen bremsten ihre unglaubliche Geschwindigkeit. Ihre Kleider wurden nass und unangenehm. Sie warf sich flach ins Wasser und schwamm, mit großen kreisenden Armbewegungen, einige Meter vom Ufer weg. Dann ließ sie sich von den Wellen treiben, weit, weit weg.
Das war Freiheit, das war ihre Welt!