Juliane Liebert (13)

Kleine Strandgeschichte

Ein dünner Wasserfilm benetzte meine Zehen, fühlte sich angenehm kühl an auf meiner von der Sonne erhitzten Haut. Ausdruckslos blickte ich auf das Meer, das zum Horizont hin immer dunkler und blauer wurde, bis es schließlich fast mit dem Himmel zu verschmelzen schien. Feine Rinnsale zogen sich wie Adern über den Sand, von dem sich meine Füße eigentümlich hell abhoben. Eine nach Salz riechende Brise fuhr durch meine kurzen Haare, und eine fragile, nur durch das Rauschen der Wellen unterbrochene Stille hatte sich über den Strand gelegt.

Plötzlich spürte ich, wie sich jemand neben mir im Sand hinkniete und begann, gedankenverloren mit einem Stock im Sand herumzustochern.

»Sag mal…« meinte das rothaarige Mädchen, und ihre Stimme schallte weit über das öde Meer, während sie den Ast in die schäumenden Wellen warf, »…findest du das nicht fürch-ter-lich laaangweilig?«

Wie ein altes kunstvolles Tongefäß schien die bisher gehegte Stille zu zerbrechen und machte dem üblichen Strandlärm Platz. Scheltende Mütter, das Schreien der Möwen und der spielenden Kinder – schade, dabei war mein selbst kreiertes Schweigen doch so schön gewesen. Wirklich schade…

»Was ist denn, Aya?« fragte ich die Rothaarige in leicht genervten Ton.

»Ach…« lachte diese »dort hinten gibt es Eis, und ich bin sicher, du spendierst mir eins, stimmt’s nicht?" Damit packte sie mich am Arm und schleifte mich in Richtung Eisstand.

»Also ich hätte gerne Malaga und Himbeer und… was willst du?«

Einige Minuten später lagen wir eisschleckend auf unseren Liegen und blinzelten ins grelle Licht.

»Ist das nicht schön?« seufzte Aya und streckte sich.

»Ich finde es ja eher fürch-ter-lich laaaangweilig«, grinste ich mit halb geschlossenen Augen.

»Duuu…!« rief sie und warf eine Handvoll Sand nach mir.

Ich wich aus, so gut man das eben auf einer Liege konnte, und schrie: »Hey, pass auf das Eis auf!«

»Ich kenne keine Gnade!« Sprach’s und verschlang mit einem Biss das restliche Eis. Ich tat es ihr gleich und ließ mich dann unter den resingnierten Blicken einiger älterer Strandbesucher lachend über den heißen Strand jagen.