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Freitag, 23. Juli
Der lange Weg ins Himmelreich
Es war 7.30 Uhr,
als sich die ersten noch verschlafenen Gesichter am Grazer Hauptbahnhof
einfanden. Nach einigen Moralpredigten der Eltern stiegen die
genervten Kinder in den Zug, der um 7.45 Uhr losfuhr. Die Neuen
wurden natürlich sofort freundlich aufgenommen, und schon
nach einigen Minuten wurden Freundschaften geschlossen.
In Stainach-Irdning stiegen alle dann in einen Bus um, der uns
wiederum zu einem Zug brachte, mit dem wir bis zum Münchner
Hauptbahnhof fuhren.
Um 13.30 kamen wir endlich in München an. Dort gingen wir
eine halbe Stunde Shoppen. Irgendwann nach 14 Uhr ging's dann
wieder los. Ich lernte in unserem Abteil neue "Freunde"
kennen, die mich umbringen wollten und schlussendlich einen Nervenzusammenbruch
erlitten (selber schuld, was mussten sie sich auch zu uns setzen!).
Nachdem wir in Naumburg wieder umgestiegen waren, kamen wir endlich
in Bad Kösen an. Von dort wurden wir, von der langen Reise
Gedemütigten, noch mit einem Kleinbus zur Jugendherberge
"Himmelreich" gebracht. Nach dem Abendessen gab es
noch Kennenlernspiele, bevor dann alle schlafen gingen.
Robert Luschan
Samstag, 24. Juli
8.00 Uhr, die Tür
unseres Zimmers geht auf! Was haben wir jetzt schon wieder angestellt.
Wir haben doch nicht etwa VERSCHLAFEN !?!
In Rekordzeit sind wir beim Frühstück, was bei uns
nicht gerade gut ankam. Doch über Geschmack lässt sich
streiten.
Etwas später: WER-WO-WAS-Geschichten, die sich aber allerdings
eher zu MORD-Geschichten entwickeln.
Um 12.00 Uhr stand das Mittagessen an. Über Geschmack, wie
schon vorher erwähnt, lässt sich wirklich streiten.
Eine "kleine" Pause von 1h 30min und schon ging's wieder
weiter.
Diesmal war eine Schreibwerkstatt mit Kurt Wünsch an der
Reihe: FORTSETZUNGSGESCHICHTEN. Manche witzig, manche weniger.
Auch diese wurden, wie immer, in der Runde vorgelesen und besprochen.
Der nächste interessante Punkt: das Abendessen. Aber über
Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten.
Und schließlich stand auf dem Programm: "Freises Spiel",
oder anders gesagt: Jeder konnte machen, was ihm gerade so einfiel.
Nur zuviel Lärm war nicht willkommen. Obwohl wir uns nicht
immer daran hielten.
Um ca. 22.30 Uhr sprangen wir in unsere nicht gerade stabil aussehenden
Betten, in unseren etwas eigensinnig eingerichtetem Zimmer. Aber
über Geschmack ...
Cordula Simon
Martina Gütl
Sonntag, 25. Juli
Piep-piep, piep-piep
... Der Wecker klingelte, alle waren begeistert.
Es ist 7.30 Uhr, da steht doch noch kein Mensch auf, also, Klatsch,
Wecker wieder aus und weiter schlafen.
Um acht. Christina kommt ins Zimmer: "Aufstehen!"
Was für ein Alptraum! Aber es half alles nichts, wir mussten
uns aufrappeln. Jetzt zog sich jeder unter seiner Bettdecke um
und versuchte, nicht gesehen zu werden. Als endlich unsere Klamotten
an unseren Körpern hingen, gingen wir zum Frühstück.
Heute früh gab es wieder einmal Brötchen und Cornflakes,
wie üblich. Alle mussten sich stärken.
Dann war Zeug zusammenpacken und Lunchpaket abholen angesagt.
Und dann ging es los zur Burg Saaleck. Christina wollte uns zwar
erst zur Burg Goseck schicken, aber das war uns dann doch zu
weit. Also machten wir uns auf den (Wander-)Weg. Er war ziemlich
steinig und huckelig. Endlich sind wir oben angekommen! Anstatt
uns auszuruhen, erkundeten wir erst mal den Turm. Später
schrieben wir Hexen-, Räuber- und Rittergeschichten. Gegen
Mittag lasen wir unsere Werke vor. Und dann ging's ab zur Rudelsburg.
Dort haben wir was getrunken oder Eis gegessen.
Danach suchten wir verzweifelt den richtigen Weg zum Bootssteg.
Der Abstieg war ziemlich gefährlich, denn es lag so viel
Geröll herum. Aber zum Glück sind wir heil unten angekommen.
Weil unsere Füße so weh taten und wir es nicht mehr
bis zur Jugendherberge geschafft hätten, fuhren wir noch
ein Stück mit dem Dampfer.
Nach diesem schönen, aber auch anstrengenden Ausflug mussten
wir uns erst mal stärken. Zum Glück gab es zu dieser
Zeit Abendbrot, sonst wären wir vielleicht noch verhungert.
Die Abendwanderung zum Himmelreich war ein Reinfall, denn die
Gaststätte schloß schon um 18 Uhr.
Schließlich gingen wir auf unsere Zimmer. Manche flipperten
noch, spielten Tischfußball oder Billard. Einige machten
sich auch schon fertig, nein, wir schlugen uns nicht, wir wuschen
uns und so. Und was danach passierte, ist top secret!
Laura Jantz
Beatrice Garske
Kathleen Schmidt
Montag, 26. Juli
Piep, piep, piep!
Der Wecker klingelt bei uns meistens um 8 Uhr. Alle stehen noch
etwas verschlafen auf. Wir ziehen uns an, waschen uns und gehen
zum Frühstück.
Dann geht's erst richtig los!
9 Uhr mussten wir am Bahnhof sein, denn unser Zug zum Schwimmbad
ging ein paar Minuten später.
Fünf Minuten Fahrt, bis wir in Bad Sulza ankamen. Dann liefen
wir und liefen, und schon waren wir da.
Das Wasser war 18 Grad kalt, es war, deutlich ausgedrückt,
schweinekalt. Einige waren trotzdem drinnen. Wir schrieben Geschichten
mit Wasser und einem roten Tuch. Dann holten sich viele ein Eis
oder Pommes oder Süßigkeiten. Zwischen ein und zwei
Uhr fiel oder wurde Laura ins Wasser geschuppt, von zwei doofen
Typen. Um dreiviertel drei gingen wir zum Bahnhof, stiegen in
den Zug und fuhren zurück nach Bad Kösen.
Dort mussten wir noch ein Stück Weg zurücklegen. Als
wir vom Bahnhof zur Herberge zurück kamen, waren wir total
niedergeschlagen und wollten nicht mehr runter gehen, um mit
Jürgen Jankofsky Geschichten zu schreiben, weil wir so müde
waren. Er kam mit etwas Verspätung, denn er musste noch
eine Umleitung fahren. Er hatte kurze schwarze Haare, die sich
bis zu einem Bart hinunter zogen und am Hinterkopf wieder länger
wurden. Er las uns Ausschnitte aus einem Buch vor, es war sein
erstes, "Ein Montag im Oktober". Und er las uns auch
aus "Novembertau" etwas vor. Wir hörten ihm zu,
und dann sang er noch ein ganz ulkiges Lied. Und dazu noch selbstgedichtet.
Als er endlich fertig war, durften wir Billard, Tischtennis und
Tischfußball spielen. Und flippern konnte man auch noch.
Am Abend gingen alle zufrieden ins Bett!
Katja Schubert
Rebecca Krusche
Christiane Scherch
Mittwoch, 28. 7.
Der große Tag der Rückkehr
(Wir werden immer wieder kommen!!)
Mittwoch, so ziemlich
der einzige Tag, an dem wir nicht verschlafen haben. Dabei hatten
wir uns vorgenommen, durchzumachen. Wie verschieden aber doch
der Begriff "durchmachen" verstanden werden kann, das
glaubt man gar nicht. Eher war wohl gemeint, dass man Lieder
und Klassiker, die von uns gesungen wurden, durchstehen bzw.
mitmachen musste. Schrecklich!! "I wüll wieda ham"
gehörte zu den oft gesungenen Liedern. Naja, immerhin hielten
wir das bis ca. 1 Uhr aus, dann war der "Akku" leer.
"Waaaas?? Nicht mal Lunchpakete kriegen wir mit?? Frechheit,
sowas!", war mal der erste Ausruf am Frühstückstisch,
als wir erfuhren, dass wir ohne Futter auskommen mussten. Die
Herbergsmutter war wohl drauf und dran, zu sparen, wie? Aber
ohne dieses besagte Paket war es dann wohl doch besser, da das
sowieso noch nie geschmeckt hatte. Und wofür gab es den
Aufenthalt in München?
Nachdem wir unsere sieben Zwetschken gesammelt unten aufgestellt
hatten, blieb uns nichts weiter, als uns von den Deutschen zu
verabschieden, die wir liebevoll "Piefkes" nannten,
Küsschen links, Küsschen rechts, wie üblich.
Leicht sauer waren wir aber, als das Taxi vergessen hatte, uns
abzuholen, und Martin extra nochmal anrufen musste. Taxi Marno,
da sagt der Namen schon mehr als alles andere, "Marno".
Bahnhof Bad Kösen: Dieser lässt mehr als zu wünschen
übrig; eigentlich dürfte er den Namen Bahnhof gar nicht
verdienen, denn der ist seeeeehr heruntergekommen.
Zugfahren ist eigentlich total lustig, da kann man so schön
herumblödeln. Einmal umsteigen in Naumburg (der Bahnhof
sieht schon besser aus!!), MAD (Heft) und Getränke kaufen
und wieder einsteigen, fünf Stunden nach München, mit
ein paar Minuten Verspätung, da Leute auf der Fahrbahn waren.
Also, wirklich, wenn schon umbringen, denn gibt's aber bessere
Methoden. (Kleiner Scherz am Rande)
München: Erst mal sind Sushi, Jakob und ich zum Burger King
gestürmt, haben was gekauft (eigentlich nur Sushi und Jakob,
ich hab mitschmarotzt), und sofort vertilgt. Dann sind wir noch
ein bisschen herumgschlendert.
Während der Fahrt mit der ÖBB ist aber einiges passiert.
Fünfmal (oder so) gings erstmal zu Fuß durch den Zug.
Auf und ab. So dumm waren allerdings nur zwei, ich und (Trommelwirbel)
Sushi (keine Sorge, ich ess nicht dauernd, Sushi alias Robert,
klar?). Draußen in den Gängen gibt es ja so aufklappbare
Sitze, jedenfalls nahmen wir fast auf jedem Platz und beäugten
die Leute in den Abteilen. Halb totlachen mussten wir uns!! Da
saßen doch wirkliche Monster drin, eine alte Schachtel,
die wir auf ca. 100 und mehr schätzten, eine Geschäftsfrau,
die schrieb usw. ... (Ich will nicht zu ausführlich werden!)
Wieder auf unseren eigentlichen Plätzen angelangt, wurde
uns aber mit der Zeit wieder fad, und wir überlegten, was
wir noch tun könnten. Martin machte den Vorschlag, dass
wir doch Leute interviewen könnten. Prima Idee! Als Thema
dachten wir uns, dass es doch eine herrliche Verarsche wäre,
wenn wir "Was möchten sie einmal worden?" fragen
würden.
Auf ans Werk. Diesmal war Lisa mit von der Partie (wohlgemerkt,
nicht Party, sondern Partie!!). "Ich bin doch schon was!",
Graphitkünstlerin.", "Alt und gesund.", ."Sorry,
could you speak English?", "Häääähh??"
und ähnliches waren die Antworten.
Natürlich, so wie sich das für Interviewer gehört,
hatten wir Block und Stift gezückt, um alles zu notieren.
Wie ihr das jetzt allerdings schon von uns gewohnt sein müsstet,
dürftet ihr wissen, dass wir natürlich nicht diese
Antworten aufschrieben, sondern das, was wir uns dachten.
Auf diese Weise kamen total lustige Strichmännchen heraus.
Nach dem Alter wurde ebenfalls gefragt: "36", "24",
"50" ... Einer wollte sein Alter nicht sagen, und so
gab ich ihm Block und Stift, um es aufzuschreiben "60"
stand in wackligen Zahlen darauf.
Die Männchen bekamen auch nette Überschriften wie "Milosevic",
"Sandmännchen" und "Gummifrosch". Leute,
die misstrauisch waren (das auch zurecht!!) und fragten, wieso
wir das machten, bekamen zur Antwort, dass wir von der Literaturwerkstatt
Graz sind, und Leute zu dem Thema "Menschen wie du und ich,
die im Zug reisen" interviewen sollten. Natürlich würde
das auch später in einem Buch zusammengefasst werden.
Das wirft sicher ein gutes Licht auf die Werkstatt. Mit der Zeit
wurde auch das wieder fad, und wir begannen, wieder "nur
so" durch den Zug zu wandern. Ein freies Abteil fanden wir,
in dem wir auch gleich verschwanden. Sushi musste seine musikalischen
Fähigkeiten wieder unter Beweis stellen, und trommelte wie
wild auf den Armlehnen drauflos. "Entschuldigung, ich bin
von der ÖBB, soll ich Sie wegen Beschädigung öffentlichen
Eigentums und wegen Lärm verklagen?" Das kam von einer
Frau, Mitte 40.
"Neiin!" erschrocken blickten wir zu ihr hoch. "Tschuldigung!"
Das hatte ja vielleicht gesessen!! Verklagen. wegen ein bisschen
Spaß, gemein, sowas! Das hieß Kehrtwendung und zurück
zum Platz.
Lange blieb ich sitzen und las mein MAD, niiiiiieeee wieder würde
ich von meinem Platz aufstehen und mich bewegen, außer
es wäre Zeit auszusteigen, sonst nieee wieder!!! Doch leider
hatte meine Blase was dagegen. Die wollte nämlich nicht
sitzenbleiben. "Abmarsch aufs Klo!" befahl sie mir.
Dann wollte ich wieder zu dem vorherigen Abteil, Sushi im Schlepptau.
Was sich die anderen dabei gedacht haben, wieso wir immer weg
waren, weiß ich nicht, auf jeden Fall war das total lustig,
die volle Hetz' hatten wir.
Gesungen wurde auch aus vollem Halse. "Didi gibt von links
hinein, auf Professor Bolz, eine kurze Körpertäuschung,
und schon kracht das Holz, wieder einmal an den Pfosten und von
dort zu Paul, dieser wird gleich umgerupft, Elfmeter wegen Foul.
Volltreffer, Volltreffer, wieder mal ein Tor, jeder Schuss ein
Treffer, jeder Schuss geht rein, Volltreffer, Volltreffer, alle
singen mit, dieser Bundesligaschlager ist ein Super-Spiel ..."
(ein Lied von den Doofen).
Naja, und bald darauf war es dann eh zum Aussteigen. Mit einem
Piefke wurde noch Bekanntschaft geschlossen, der machte Urlaub
bei seiner Oma in Graz.
"Haaaallo, Evi!" Typisch meine Mama, muss immer gleich
losrufen, obwohl sie mich noch gar nicht entdeckt hat.
Die Heimfahrt war wie immer. Nach 11 Stunden Zugfahrt konnte
mir gar nicht so schlecht worden, wie nach 11 Minuten bei Papas
Fahrstil. Schrecklich, sowas! Als ich daheim ankam, schmiss ich
erst mal die Sachen hin, und sagte dem Bett "Hallo!"
Gleichzeitig auch "Gute Nacht!" Und schon war ich eingeschlafen.
Am nächstes Tag musste ich Mama alles erzählen, aber
diesen Tag hab ich nicht mehr zum Tagebuch-Schreiben von Martin
aufbekommen ...
Evelyn Weinfurter
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