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Samstag, 12. April 2003
1. Teil: von 02.15 Uhr bis 12.00 Uhr
Meine
Mutter weckte mich. Es war viertel vor zwei, Samstag früh.
Supermüde und voller Erwartung stand ich auf und zog mich
an. Dann trank ich eine Tasse Tee.
Zehn vor drei setzten mein Vater und ich uns in das Auto und
fuhren Richtung Deutschland.
Nach einigen Schwierigkeiten lag Dänemark hinter uns, und
wir hatten den Hauptbahnhof in Flensburg gefunden! Schon kam
mein Regionalzug.
Etwas verloren setzte ich mich hinein und winkte meinem Vater
zu. Die Fahrt nach Nürnberg, ganz allein, machte mir schon
Angst. Dass ein sturzbetrunkener Penner im Zug saß, machte
es auch keineswegs besser. Naja, der war vermeintlich so besoffen,
dass er mir nichts antun könnte
Es war schrecklich finster, als ich in Neumünster ankam
und auf den Zug nach Hamburg Dammtor wartete, allerdings lachte
die frühe Morgensonne mich an, als ich dort einfuhr. Dann
frühstückte ich erst einmal richtig und schaute mir
den renovierten Bahnhof an.
Schon stand ich wieder bei den Gleisen und stieg in den ICE ein.
Endlich ein ICE!!! Und dann auch noch ein Einzelplatz! Ich hatte
mir schon ausgemalt, neben wem ich sizten sollte, und dann bekomme
ich einen Einzelplatz! Große Erleichterung!
Endlich wollte ich mich zurücklehnen, da setzte sich ein
älteres Ehepaar mir gegenüber, dass mich neugierig
(und ohne Hemmungen) ausfragte: Wo kommen Sie her, wie alt sind
Sie (auch als sie erfuhren, dass ich 13 bin, haben sie mich weiter
"gesiezt"), warum sprechen Sie denn so gut deutsch,
wenn Sie auch Dänemark sind???
Hätte ich bloß nie von der Deutschen Minderheit in
Dänemark erzählt, denn der Mann war pensionierter Geschichtslehrer
und berichtete mir ausführlich von Bismarcks Reichseinigungskriegen.
Dass ich in Geschichte ziemlich gut abschneiden werde, brauche
ich wohl nicht mehr zu erwähnen
Ich verabschiedete mich von dem Paar, als der Zug in Würzburg
war, und wünschte ihnen noch eine schöne Reise.
Von da an ging alles sehr schnell, denn schon nach einer knappen
Stunde war ich in Nürnberg.
Ich rief Katharina an, doch anscheinend war ihr Zug noch nicht
angekommen, denn ihr Handy war aus. Dann machte mich ein Herr
darauf aufmerksam, dass Handys in diesem Bereich unerwünscht
wären. Ich schaltete meins also aus.
Beim Infostand, den wir als Treffpunkt ausgemacht hatten, fand
ich Katharina nicht. Ich machte mein Handy wieder an und sah,
dass sie mich angerufen hatte. Ich rief (wahrscheinlich verbotenerweise)
zurück, doch plötzlich war das Handy unnötig,
denn sie stand praktisch schon neben mir.
Geschafft!!!
Christine M. Petersen
Der Flug
Wart ihr schon einmal in einer Literaturwerkstatt im Ausland?
Nein! Dann werde ich es erzählen. Los geht's.
Ich sollte alleine nach Graz fliegen, also musste ich bald von
meiner Mutter Abschied nehmen. Bald darauf war es soweit. Ich
wurde mit einem anderen Mädchen aufgerufen. Der Abschied
fiel mir schwer. Wir (das Mädchen, ich und ein Angesteller)
gingen durch einen Gang eine Treppe hinunter, und der Angestellte
brachte das Mädchen weg. Danach war ich dran. Er führte
mich zu einem Bus und wünschte mir einen guten Flug.
Der Bus war ganz leer und nur für mich allein. Er hielt
an einer winzigen Lufthansa-Maschine. Ich stieg ein, und eine
Stewardess führte mich zu meinem Platz. Und gab mir etwas
Süßes. Danach fragte mich die Stewardess, ob ich gerne
eine Zeitschrift hätte. Ich nahm die "Bravo Sport".
Ich hatte den Platz "F 4". Ein etwas älterer Mann
setzt sich neben mich. Er war nett zu mir. Dann gab es Sandwiches.
Ich nahm eins, aber dafür keine Sprite. Der Mann nahm gleich
zwei Käse-Sandwiches.
Als wir gelandet waren, ging ich nach vorne und musste bei der
Stewardess warten. Die Stewardess fragte, ob ich ins Cockpit
rein dürfe. Ich durfte und ging hinein. Wow! Da waren viele
Knöpfe und Hebel. Der Kapitän begrüßte mich.
Dann ging ich wieder hinaus und wurde von einer Frau abgeholt.
Sie lief mit mir zum Gepäckband, nahm einen Wagen und wir
warteten, bis meine Koffer kamen. Nun gingen wir zur Ankunft.
Als da keine Christine Enterpfarrer, die mich abholen sollte,
war, sollte ich mit zum Schalter kommen. Doch dann rannte uns
eine Frau hinterher und fragte, ob ich Jakob Mähler sei.
Es kam noch ein Mann dazu. Er stellte sich als "Karli"
vor.
Wir fuhren zu dem Haus, in dem die Literaturwerkstatt war. Ich
kam genau rechtzeitig, um die letzten fünf Minuten vom Abendessen
mitzuerleben. Ich ging in mein Zimmer und packte meine Sachen
aus. Gegen halb neun trafen wir uns in einem Raum und spielten
Interview, Telegramm verschicken und Apfel zuwerfen. Um neun
Uhr fünfundvierzig abends gingen wir ins Bett.
Jakob Mähler
Endlich! Wir haben es geschafft! Unsere
lange Anreise ist zu Ende. Um 19.20 Uhr rollt unser Zug im Bahnhof
von Graz ein.
Meine Mutter hatte Recht; es ist ein weiter Weg von Stuttgart
bis nach Graz.
Erschöpft, durchgeschwitzt, aber auch froh, nehmen wir uns
ein Taxi und fahren zum Anton-Afritsch-Kinderdorf am Steinberg.
Dort begrüßt uns Martin Ohrt ganz herzlich zur Schreibzeit.
Ich möchte unbedingt mit Christine aus Dänemark in
ein Zimmer! Martin ist gleich damit einverstanden. Klasse!
Christine, Lisa, Andrea und ich bewohnen ein tolles Zimmer. Es
geht über zwei Stockwerke, die mit einer Wendeltreppe verbunden
sind, und wir haben sogar ein eigenes Bad.
Nachdem wir unser Gepäck verstaut haben, bekommen wir noch
ein Extra-Abendessen.
Bald darauf sitzen wir mit allen anderen Kindern, Martin, Katharina
und Anna im Kreis und spielen Kennenlern-Spiele.
Martin hat uns Schreiben + Zeit für Spiel und Spaß
versprochen. Das kann ja nur schön werden! Um 21.30 Uhr
gehen wir zu Bett, und ich freue mich bereits auf den nächsten
Tag bei der Schreibzeit in Graz.
Sophia Merth
Sonntag, 13. April 2003
7.30
Uhr. Petras Wecker klingelte zum ersten Tag unserer Schreibzeit.
Jetzt hieß es anziehen, frisieren und auf zum Frühstück.
Alle waren gespannt, was es geben würde. Nur Marmeladebrot
oder auch den Luxus von Honig?
Als wir das Frühstück sahen, fielen uns fast die Augen
aus dem Kopf. Schinken, Käse, Butter, Marmelade, Honig,
Weißbrot, Schwarzbrot, Cornflakes,.....................
Zum Trinken gab es Apfelsaft, Orangensaft, Mineralwasser, Tee,
Kakao und warme oder kalte Milch.
Für Martin, Anna und Katharina war auch Kaffee da.
Nach dem Frühstück gingen wir wieder zurück zu
unseren Zimmern.
Danach war Schreibzeit. Drei Themen gab es zur Auswahl, nämlich;
"Unter dem Meer", "Um jeden Preis" und "Verspätung".
Natürlich konnten wir auch ein ganz anderes Thema wählen.
Kurz nachgedacht und los geht's.
Die vielen Schreiblustigen verteilten sich im ganzen Haus, um
zu schreiben. Manche machten es sich auch draußen bequem.
Ein bis eineinhalb Stunden später setzten wir uns in einem
Sesselkreis zusammen, um die Texte vorzulesen und zu besprechen.
Nachdem alle ihre Geschichten bzw. Gedichte vorgelesen hatten,
gab es Mittagessen. Voll Gier stürzten wir uns auf Grießsuppe,
Lasagne und Kompott.
Gesättigt erkundigten wir die nähere Umgebung. Wir
entdeckten einen Superspielplatz, eine Pferdekoppel mit zwei
Pferden, ein "Reifenkarussell" und leider auch eine
tote Amsel.
Nach unserer Freizeit spielten wir ein Geländespiel. Man
musste Zetteln mit Personen, Orten und Schicksalsschlägen
verstecken und Hinweise für das jeweils nächste Versteck
dazu legen.
Das Suchen war echt
lustig, auch wenn es manchmal Missverständnisse gab.
Danach mussten wir aus den gefundenen Zetteln Geschichten bilden.
Oft kamen da wirklich komische Sachen heraus, wie "Krankenschwester
Susi", " Hochzeit nach drei Wochen Liebe" und
"Öffentliches Klohäuschen". Und daraus sollte
man eine Geschichte bilden?!
Doch fast alle Texte waren sehr gut gelungen, wie sich bei der
Textbesprechung herausstellte.
Weil wir so in sie vertieft waren, kamen wir zu spät zum
Abendessen. Es gab kalte Platte. (Ei, Essiggurken, Schinken,
Käse, Brot, etc.)
Unser Kommentar: Köstlich!
Nachdem wir das Abendbrot verspeist hatten, spielten wir in der
großen Gruppe Spiele.
Als es Zeit zum Schlafengehen war, spielten wir noch heimlich
ein paar Runden Kuhhandel und Master Mind. Doch dann wurde uns
kalt, und wir zogen uns in unsere Betten zurück. Aber nicht
etwa zum Schlafen, nein, sondern zum Witze Erzählen. Schließlich
fielen uns keine mehr ein, und wir begannen, uns Geschichten
aus der Realität zu erzählen.
Irgendwann in der Nacht, schätzungsweise um 11.30 Uhr, wurden
wir doch müde und beendigten unsere Tätigkeit, um schlafen
zu gehen.
Der erste Tag unserer Schreibzeit war vorbei.
Lena Bodner und Judith Schulz
Montag, 14. April 2003
Vorsichtig öffnete
ich ein Auge. Das ganze Zimmer war von der warmen Morgensonne
erhellt. Bei diesem Anblick beschloss ich, auch das zweite Auge
zu öffnen. Sophia und Christine waren auch schon wach. Nach
der Morgenwäsche begaben wir uns zum Essenssaal.
Das heißt, wir machten gleichzeitig auch unsere Morgengymnastik,
denn der Weg zum Speisesaal besteht zu zwei Dritteln aus einer
steilen Steintreppe. Völlig außer Atem kamen wir nach
dem schwierigen Aufstieg, den nur Bergsteiger, die es gewohnt
sind, dünne Luft einzuatmen, beginnen sollten, endlich beim
Saal an.
Nach einem ausreichenden Frühstück war unser erster
Weg ,wie immer, zu dem Drehdings. Das Drehdings ist eine seltsame
Konstruktion zur Erheiterung aller. Es hat vier Plätze,
das heißt: vier alte Reifen zum Draufsetzen. Die, die gerade
nicht zu den glücklichen Vier auf den Autoreifen zählten,
durften das Drehdings dann mit aller Kraft anschieben. Wir drehten
uns gegenseitig so oft auf dem Ding, bis uns ganz schlecht wurde.
Als es Martin, Vincent Anton und mir zu blöd wurde, begaben
wir uns zu dem Spielplatz neben dem Planetarium. Dort fingen
die Buben aus unerfindlichen Gründen (leider Gottes) an,
mich "Mami" zu nennen. Die ganze Zeit riefen sie so
blöde Sachen wie "Mami, ich hab so Angst auf der Schaukel!",
oder "Mami, der Anton ist so gemein zu mir!".
Als es mich zu nerven begann, und ich gerade gehen wollte, kam
eine Frau mit einem klitzekleinen Pudel auf den Spielplatz. Martin
rief total laut: "Mami, ich hab Angst vor der wilden Katze!"
Ich sah, dass ich schnell wegkam, denn die Frau rümpfte
verächtlich ihre Nase.
Kurz vor dem Mittagessen
marschierten wir los zur Bushaltestelle, um nach Graz zu fahren.
Wir gingen ca. 20 Minuten, bis wir dort ankamen. Bis auf Elli,
die sich irrsinnig freute, dass sie ein paar Spinneneier gefunden
hatte, waren alle gelangweilt. Als sich der Bus endlich zur Haltestelle
bequemt hatte, bekam jeder einen Platz, aber den sicher undankbarsten
Sitz hatte Judith. Sie saß direkt neben einer Oma mit ihrem
Enkelsohn. Das wäre ja eigentlich nicht so schlimm gewesen,
doch die alte Frau erzählte Judith die gesamte Lebensbiographie
ihres kleinen Schatzes. "
und wie schlau unser Thomas
ist, der merkt sich nämlich alles, was er hört, weißt
du!?"
Nach einer Ewigkeit, wie es schien, kamen wir am Hauptbahnhof
Graz an. Judith war sichtlich froh, endlich von der Oma weggekommen
zu sein, und wir setzten unseren Weg mit der Straßenbahn
fort.
Ich war fasziniert von einem Schild, das in der Bahn angebracht
war: "Schwarzfahrerkarte jetzt 10% teurer!" Wir kamen
bei unzähligen Geschäften vorbei, wobei mir der "Gummineger"
ganz besonders ins Auge stach. Laut "Political Correctness"
hätte der doch schon längst zu "Gummischwarzafrikaner"
umbenannt werden müssen, oder?!
Unsere Straßenbahnfahrt endete am Grazer Hauptplatz, wo
alle Deutschen sofort den Erzherzog Johann-Brunnen fotografierten.
Unser Ziel war das Grazer Rathaus. Nach einem langen Aufstieg
in den 2. Stock (Wir waren alle enttäuscht, dass man keinen
roten Teppich aufgerollt hatte) empfing uns die Vertreterin des
Bürgermeisters. Obwohl es vor kurzem Wahlen gegeben hatte
und es auch einen neuen Bürgermeister gab, sahen wir von
dem, wie in den Jahren zuvor, keine Nasenspitze. Das störte
uns aber nicht wirklich, denn eigentlich freuten wir uns auf
das Essen, und das hatte der Bürgermeister uns ja spendiert.
Aber vor der Mahlzeit gab es noch eine, zum Glück kurze
Rede von der Vertretung. Sie zeigte uns den Sitzungssaal, wo
einige von uns Geschichten vorlasen, während ein paar andere
in den Aufbewahrungsladen der Politiker nach womöglich skandalösen
Sachen suchten.
Nach den Geschichten
durften wir uns auf den Rathausbalkon stellen. Die meisten machten
Fotos, und ich schrie laut: "Liebe Grazer und -rinnen!"
hinunter, sodass das Volk ergeben zu mir aufsah. Welch ergriffener
Moment! Nach dieser kleinen Anrede von mir ging es endlich zum
heiß ersehnten Essen. Brote - so richtig gute, belegte
Brote! Ich aß so viel, dass mir die letzten Bissen scheinbar
schon nicht mehr in den Bauch passen konnten. Mit dieser Jause
hatte der Bürgermeister sein Fernbleiben mehr als nur gutgemacht.
Lisa Heidinger
Nachdem wir (fast) alle Brötchen
aufgegessen hatten, gingen wir gruppenweise in die Stadt. Vincent,
Martin, Torge, Jakob und ich (Anton) wandten uns als erstes zum
Kastner & Öhler. Vincent, Martin und ich wollten uns
die Spielsachen im obersten Stock ansehen, Torge und Jakob waren
dagegen. Wir beschlossen also, uns zu teilen und machten einen
Treffpunkt aus.
Das war ein Fehler, denn als wir in der Kosmetikabteilung standen,
waren die Beiden nicht da. Aber Martin hatte eine zündende
Idee: Wir beschlossen, Torge und Jakob ausrufen zu lassen. Verhalten
grinsend, gingen wir zu einer Dame mit Mikrophon. Vincent log
munter drauf los: "Entschuldigung, aber wir würden
gerne unsere kleinen Brüder ausrufen lassen!" Die Dame
verzog keine Miene: "Wie alt sind denn die?"
"Ähemm!!!" Wir hatten nämlich nicht die geringste
Ahnung, ob Torge und Jakob acht, neun oder zehn waren.
Ich versuchte, die peinliche Situation zu überbrücken.
"Quatsch, dass sind doch nicht unsere Brüder. Ich glaube,
die Beiden sind zwischen acht und zehn."
"Tut mir leid", meinte die Dame (Sah aber gar nicht
danach aus), "Ich darf nur Kinder bis sechs ausrufen lassen!"
Brummig sahen wir uns um. (Gefunden haben wir sie nicht.)
Wir erkundeten Graz
also zu dritt weiter. Zuerst gingen wir in den Schlossberg. Die
Liftkosten für die Fahrt zum Uhrturm sparten wir, weil uns
ein nettes Ehepaar mit Familienkarte kurzfristig adoptierte.
Nachdem wir den Uhrturm - und seinen Schatten - ausgiebig betrachtet
hatten, machten wir den zweiten katastrophalen Fehler des Tages:
Wir fuhren mit der Schlossberggrottenbahn. Leider hatten wir
keine Ahnung, was uns erwartete. Wir fuhren mit diesem Verbrechen
auf Rädern zwischen allerhand Märchengestalten herum.
Das lief zwanzig Minuten lang ungefähr so ab: "Aschenputtel!"
kreischte der Zugführer nach hinten und dann im Ton einer
Tante, die dem braven Neffen ein Geschenk überreicht: "So,
und jetzt geht's zurück zum Schneewittchen!"
Um die Sache zumindest etwas erträglicher zu gestalten,
riefen wir begeistert mit: "Feuerlöscher - und hier
ist ein Telefon
!"
Bekümmert über den Frevel, jedem von uns 2,50 EUR abzuknöpfen,
gingen wir wieder ins Sonnenlicht und zurück zum Rathaus.
Anton Maurer
Der Gewaltmarsch ging weiter.
Alle waren müde, als wir nach diesem langen Tag in Graz
auf den Bus warteten, der uns sicher und schnell zurück
ins Kinderdorf brachte. Dort schlugen wir Zeit und Moskitos tot
und "vergnügten" uns mit dem "Drehding",
obwohl dort eigentlich alles, was Spaß machte, verboten
war.
Um sechs Uhr gab es Abendessen; leider setzt mein Gehirn jedesmal
aus, wenn ich versuche, mich zu erinnern, was es genau gab.
Wir ließen
noch einige Geschichten vom Vormittag über uns ergehen und
kritisierten sie kräftig. Als das vorbei war, dachten wir,
wir wären nun frei und könnten unbehelligt zum "Drehding"
gehen, doch das waren allesamt Trugschlüsse. Schwindlig
ließen wir uns beschimpfen und gingen niedergeschlagen
zum Haus zurück, wo wir noch einige Gesellschaftsspiele
über uns ergehen lassen mussten.
Ungefähr um zehn Uhr legten wir uns ins Bett und taten so,
als schliefen wir, um die Betreuer abzuwimmeln. Kaum war die
Tür zu, erzählten wir uns kranke Witze bis nach Mitternacht.
Womit mein Aufgabenbereich beendet ist.
Martin Bangratz
Dienstag, 15. April 2003
An einem wunder schönen guten Morgen klingelte der Wecker
wie jeden Tag um 7.30 Uhr. Trotzdem wachten nicht alle davon
auf, da manche ihre Träume noch fertig träumen wollten.
Letztlich saßen doch noch alle gestriegelt und gebügelt
im Speisesaal.
Nachdem wir gesättigt waren, bekamen wir die Aufgabe "Elfchen"
zu schreiben. Das sind kurze Gedichte, die sich nicht reimen.
Danach gingen wir wie gewohnt auf den Spielplatz und schaukelten
uns schwindlig.
Zum Mittagessen gab es Hendl, "Hühnchen", wie
die Deutschen sagen. Dann gingen wir zu einem "Drehding"
wo wir uns mit den Buben mächtig stritten. (Ein Wunder,
dass alle überlebten!) Allerdings gingen wir bald heim,
da uns angekündigt wurde, dass der Österreichischer
Rundfunk kommen würde. Wir zogen uns um, und frisierten
uns noch einmal.
Dann sollten wir
uns eine Schlagzeile (aus der Zeitung ausgeschnitten) aussuchen,
um darüber eine Geschichte zu schreiben. All das wurde gefilmt.
Die Fernsehleute interviewten danach noch einige Kinder.
Als wir mit den Geschichten fertig waren, versammelten wir uns.
Es gab eine bunte Mischung von Geschichten: lustige, traurige
und spannende. Doch in den meisten Geschichten gab es mindestens
ein Todesopfer.
Nach dem Abendessen, (es gab Marillenknödel) wurden die
restlichen Geschichten vorgelesen. Denn zuvor wurde uns die Zeit
knapp, weil wir pünktlich zum Essen erscheinen wollten.
Nach einem gemütlichen Abend voller Witze und Gruselgeschichten
gingen wir schlafen.
Steffi Maurer, Petra Erdely, Torge Mecker
Mittwoch, 16. April 2003
Heute standen wir früh auf. Es wurde noch geredet, und
dann war Frühstück. Nach dem Frühstück gingen
manche von uns noch zur Reifenschaukel. Das Vergnügen war
nur ziemlich kurz. Denn danach wurde wieder geschrieben und die
Texte in den PC eingegeben.
Heute Abend findet die Abschlusslesung statt. Viele von uns sind
schon aufgeregt, doch ich freue mich schon darau. Die Geschichten,
die wir heute vorlesen werden, haben wir selbst ausgewählt.
Also wie schon gesagt, wurde fleißig geschrieben, und die
Texte überarbeitet. Viele übten, betont vorzulesen.
Ich hatte meinen Text schon ausgesucht, und Katharina betont
vorgelesen. Jetzt konnte ich eine andere, besser gesagt, eine
neue Geschichte beginnen.
Die Zeit verging
rasch, und schon war Mittagessen. Viele aßen so viel, dass
sie gleich platzen würden. Nach dem Mittagessen war noch
die Leseprobe, das Tippen am PC und die Vorbereitung für
die Abschlusslesung angesagt. Einige von uns spielten draußen
auch "Dritter Schlag". Elisabeth kletterte auf einen
Hügel. Da hatte jeder Angst, dass sie herunterfallen würde.
Danach wurde Abendmahl gegessen.
Am späten Nachmittag fuhren wir alle in die Stadt zur Vorlesung.
Sie war in der Buchhandlung Leykam. Es waren viele Leute da.
Bei jeder Geschichte wurde kräftig Applaus gespendet. Die
Rückreise erfolgte mit einem Großtaxi. Zu Hause angekommen,
wurden noch Spiele gespielt, Kekse gegessen und Saft getrunken.
Doch nach dieser kleinen Party waren schon alle sehr müde
und schliefen rasch ein. Es war ein sehr schöner, aber aufregender
Tag. Und die Vorlesung war sehr gut gelungen.
Lisa-Maria Schantl
Schon am frühen Morgen stand ich
auf, es war Mittwoch, der 16. 4., und somit der wohl schrecklichste
Tag in der Werkstattwoche. Die Lesung stand vor der Tür,
ich begann zu zittern, wenn ich nur daran dachte. Mit meiner
Meinung stand ich ziemlich allein, viele freuten sich auf das
Vorlesen.
Ich frühstückte, das Essen war gut. Aber ich musste
immer daran denken, dass viele Leute meine Geschichte hören.
Was wäre, wenn ich mich verlese. Bei diesen Gedanken hatte
ich keinen Hunger mehr und konnte nur schwer mein Brot verzehren.
Die letzte Schreibzeit nutzte ich, um dieses Tagebuch zu schreiben,
und sollten einige Stellen in meinen Geschichten nicht in Ordnung
sein, ist dieses Tagebuch schuld.
Die Zeit verging sehr langsam, und als es endlich Mittagessen
gab, wünschte ich mir, es wäre Nacht. Wir trafen nach
dem Essen noch die letzten Vorbereitungen für die Lesung.
Einige standen noch beim PC und tippten ihre Texte ein, viele
übten auch Lesen. Da ich das schon am vorigen Tag erledigt
hatte, saß ich auf meinem Bett und gähnte.
Alle waren sehr gelassen, außer mir. Meine Bettnachbarin
erzählte mir noch, wie sehr sie sich auf die Lesung freute.
Während dem Abendessen bekam ich Bauchschmerzen, diese Schmerzen
steigerten sich.
Mit
großem Bauchschmerzen las ich meine Geschichte, nur schwer
brachte ich meine Stimme heraus. Als ich die Geschichte endlich
fertig vorgelesen hatte, war ich beruhigt.
Urplötzlich verschwanden meine Bauchschmerzen. Der Rest
des Tages war nicht so schlimm. Wir spielten noch ein Spiel und
feierten eine Party. Nachdem jeder eine Urkunde überreicht
bekam, begaben wir uns ins Zimmer. Ich dachte noch einmal nach,
eigentlich war die Lesung nicht so schlimm. Naja irgendwie schon,
aber keiner schrie "Puh", das ist ja was, die Leute
klatschten sogar.
Mit diesen beruhigenden Gedanken schlief ich ein.
Alexandra Weinberger
Donnerstag, 17. April 2003
Ungefähr um 7 Uhr hat mich meine Freundin Lisa-Maria
mit ihrem Handy aufgeweckt. Nicht nur, dass die Tastentöne
so laut waren, sondern sie hat auch noch so laut gesprochen.
Als ich vom Geräusch endgültig aufgeweckt wurde, rappelte
ich mich hoch und zog mich an. Als alle angezogen waren, sahen
wir, wie Jakob mit seiner Mutter und vollen Taschen draußen
die Treppen hoch ging. Meine Freundin Susi sagte mir grinsend:
"Tiana, Christine und Sofia verabschieden sich."
Natürlich glaubte ich es nicht. Aber Susi hackte so lange
auf mir rum, bis ich gelangweilt in den Flur ging. Auf einer
Magnettafel im Flur war ein neuer Brief erschienen. Auf dem stand,
dass Sofia und Christine in der Dunkelheit und im Nebel gegangen
waren, weil der Zug schon bei Nacht losfuhr. Susi sagte: "Siehst
du?" Ich gab ihr lächelnd recht.
Lisa-Maria,
Alexandra, Susi und ich zogen uns die Schuhe an und wollten raus,
zur Reifenschaukel, gehen. Als wir schon fast da waren, bemerkten
wir, dass Torge hinter uns lief, also rannten wir doppelt so
schnell. Von weitem konnte ich erkennen, dass die Schaukel sich
drehte. Deshalb musste jemand ja drauf sein. So rannte ich näher
und konnte sehen, dass es Jakob war. Susi und ich sprangen drauf.
Alexandra und Lisa-Maria gingen irgendwo anders hin, denn es
wäre eh nur ein Platz frei geblieben. Torge flitzte zur
Schaukel und sprang mit Mühe auf den leeren Reifen. Nach
einer Weile schaute ich auf die Uhr und bemerkte, dass wir nur
noch zehn Minuten hätten. Torge, Susi und ich sprangen ab.
Torge fragte: "Jakob, warum kommst du nicht auch mit?"
Darauf antwortete seine Mutter: "Weil das Taxi schon in
einer halben Stunde kommt. Außerdem hat er schon."
Dann gingen wir quatschend alleine zum Essensraum. Als wir da
waren, waren auch Alexandra und Lisa-Maria da. Wir aßen
Cornflakes. Eine Frau stürzte herein und fragte, ob sie
mit Martin sprechen kann, und sagte, dass sie ein Video aufgenommen
hat, wo wir alle im Fernsehen waren. Nun stürzte sie in
Hektik aus dem Haus. Gleichzeitig, als sie raus ging, kam Lisa
rein. Weil Jakob nicht da war und deshalb noch ein Platz frei
blieb, fragte ich, ob sie zu uns kommen wolle. Sie nahm das Angebot
an und setzte sich. Als alle fertig waren, rannten wir zur Schaukel.
Naja, Lisa-Maria und Alexandra rannten vorbei. Jakob war nicht
mehr da. Und Lisa sagte: "Ich gehe runter, meine Mutter
wartet vielleicht schon, und wenn ich nicht da bin, wartet sie
umsonst. Susi sagte sofort, dass sie sie begleitet. Ich wollte
nicht, weil ich das aufgenommene Video angucken wollte. Aber
ich sagte ja. Torge ging auch mit.
Lisas Mutter war noch nicht da. Ich packte meine restlichen Sachen
ein. Und brachte meine Taschen raus. Da überraschte mich
meine Mutter. Sie begrüßte mich mit einem Kuss. Ich
verabschiedete mich von den anderen und wir, also meine Mutter,
ihre Freundin und ich, gingen die Treppe hinauf. Zwischendurch
begegneten wir Anna und Martin. Als wir oben ankamen, war mir
so heiß, dass ich meine Jacke ausziehen musste, und meine
Mutter staunte über das neue "Jugend schreibt"
T-Shirt. Als wir schon losfuhren, setzten wir nach ungefähr
zehn Minuten Trude, die Freundin meiner Mutter, ab; deswegen
war ich auch ziemlich froh, denn sie fluchte im Auto dauernd
rum.
Ich war traurig, dass wir weg fuhren, aber ich konnte mich trösten,
"denn in Berlin bei meinem Vater ist es auch schön",
beruhigte ich mich. "Außerdem komme ich vielleicht
auch im Sommer." Ich bestaunte die großen, schönen
Berge, wo auf der Spitze noch ein bisschen Schnee lag. Mit der
Zeit schlief ich ein
Tiana Toth
Es ist Donnerstag. Wir standen wie immer pünktlich
auf, zogen uns an und fragten uns, was wir machen sollten. Tiana
schlug vor, wir sollten "armer schwarzer Kater" spielen
(Spielregeln bitte woanders nachlesen). Auf jeden Fall vertrieben
wir uns ungefähr zwanzig Minuten lang die Zeit, indem wir
armer schwarzer Kater spielten.
Dann schlug ich vor, hoch zur Schaukel zu gehen und zu schaukeln.
Tiana und die anderen beiden, Alexandra und Lisa-Maria, waren
einverstanden. Wir zogen uns die Schuhe an und rannten aus dem
Haus. Die Treppen hoch und auf die Schaukel. Dann kamen noch
andere und schupsten an. Danach gingen wir weiter zum Essen.
Es gab wie immer Cornflakes und Brot. Als wir fertig waren, rannten
wir in unser Zimmer und holten unsere tonnenweise großen
Koffer.
Danach wussten wir, dass es Zeit wird, sich zu verabschieden.
Wir tauschten Adressen miteinander aus und redeten noch etwas.
Die ersten wurden abgeholt und die Kinder rannten zu ihren Eltern
und Geschwistern, Omas und Opas. Auch ich wurde dann bald abgeholt.
Dann noch einmal das letzte mal tschüss sagen und wir saßen
im Auto. Unser Gepäck gut verstaut. Und weg waren wir. Ich
sagte noch leise: "Tschüss Schreibwerkstadt Graz"
und machte mein Fenster zu.
Susanne Hartmann |