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Samstag, 10. 7. - Sonntag, 11. 7.




Montag, 12.7.1999

Morgens beim Frühstück waren nicht mehr viele wirklich
ausgeschlafen, die vormittägliche Kritikrunde verlief trotzdem
sehr produktiv - es gab so viele Texte, daß Johannes den
Vorschlag machte, auch eine Abendkritik einzuführen.
Nach dem Mittagessen machten wir uns alle auf den Weg nach Bruck,
wo wir uns die vielen Stufen zum Schloßberg hinauf quälten.
Die Aussicht und einige Schreibplätze im Grünen waren
uns diesen Aufstieg aber wert. Außerdem bildete der Schloßberg
den idealen Hintergrund für Gruppenfotos und Einzelfotos.
(Lästernde Stimme eines Neu-Berliners: "Wieso heißt
das eigentlich "Schloßberg"? Ist ja nur eine
billige Imitation!")
Außerdem bestand endlich die Möglichkeit, etwas einzukaufen,
die wir auch nutzten. Zudem verkosteten einige von uns neue Eiskreationen
mit dem verheißungsvollen Namen Super Shake - schmeckt
übrigens nur dann super, wenn man die richtigen Eissorten
mischt, und sieht etwas seltsam aus. Also Deckel drauf lassen!
Irgendwo verlor Christina dann ihre Tasche, was nicht mehr lustig
war, da sich darin ihr gesamtes Geld befand. Trotz groß
angelegter Suchaktionen blieb sie vorerst verschwunden und sollte
erst am letzten Abend wieder auftauchen.
Am Abend wurde es dann romantisch: ein Liebespaar hatte sich
gefunden. Wie es den beiden erging, lässt sich nicht sagen,
da es (noch) keine Liebesgedichte/-geschichten aus dieser Werkstattwoche
gibt. Aber wer weiß, welche Leidenschaften eines Tages
die Literaturwissenschaft noch zutage fördern wird ...
Nina Kossegg
13. Juli 1999
Der gefinkelte Dienstag.
Eine Verstrickung.
"Wäre ich
glücklicher, nachdem ich diese Dienstleistung in Anspruch
genommen habe?"
Die Antwort war ein klares Jein.
"Braucht man für diesen Beruf eine Ausbildung ?"
"Nein."
"Braucht man ein bestimmtes Talent?"
"Im weitesten Sinn..."
Mit solchen Fragen verbrachten wir die Nacht, bis wir uns nach
einer Witz- und Rätselrunde um etwa zwei Uhr in unsere Zimmer
zurückzogen, wo eigentlich Ruhe eintreten sollte. Dies aber
war noch lange nicht der Fall. Es waren nämlich alle viel
zu "crazy". Christof, Christine und Anselm wollten
unbedingt den tieferen Sinn dieses Buches ihres sechzehnjährigen
Dichterkollegen Lebert ergründen, was naturgemäß
zum Scheitern verurteilt war, dafür aber auch sehr amüsant.
[Ich trank noch einen Schluck Bier.]
Am nächsten Morgen waren wir alle dementsprechend müde,
schafften es aber trotzdem, uns mehr oder weniger pünktlich
zur Kritikrunde im Seminarraum einzufinden. Beim Mittagessen
versuchten wir, das gefinkelte Rätsel der sardischen Strauchdiebe
zu lösen, was uns allerdings erst am nächsten Tag mit
Hilfe der Zeitung gelang.
Am Nachmittag ging ein Teil von uns hinunter nach Bruck, wo Anselm
zum Arzt ging und wir anderen uns eine Weile gemütlich in
einem Kaffeehaus zusammensetzten. Dann ging's hinauf zum Schloßberg,
wo man leicht das Opfer von Johannes' photographischen Anwandlungen
werden konnte.
Ins Jugendgästedorf zurückgekehrt, finkelten einige
noch an ihren Texten herum, bevor wir uns nach dem Abendessen
nochmals zur Kritik trafen. Christofs Verstrickungen führten
zu einem kollektiven Lachkrampf, der sich erst am Ende der Kritikrunde
wieder legte. Als wunderbaren Abschluß dieses Tages durften
einige von uns Zeugen einer einmaligen Lesung werden: Johannes
Brodowski las Johannes Bobrowski. Wir waren alle ergriffen -
und noch lange vom Nachall dieser einzigartigen Stimmung erfüllt.
Christof Capellaro
Sarah Preyer
Lydia Scherenzel
Mittwoch, 14. Juli
Gewohnheitsgemäß
standen wir um halb neun in der Früh auf und frühstückten
erst mal.
Danach trafen wir uns im Seminarraum zur allmorgendlichen Kritik,
die allerdings ein wenig kurz ausfiel.
Jedenfalls lasen nicht viele von denen, die sich Dichter nennen,
in Wirklichkeit aber - laut Anselm - Kohlmeisen sind.
Danach war erst mal Pause angesagt.
Viele legten sich ins Gras und lasen nochmal ihre Texte durch,
die sie am Abend dann vortragen wollten.
Nach dem Mittagessen ging dann der Wirbel los. Wer wollte, konnte
sich zum "Lesen Üben" im Seminarraum anmelden.
Schließlich sollte man ja nicht unvorbereitet zur Lesung
gehen.
Was auf Johannes' schlauem Zeitplan so super organisiert ausgesehen
hatte, wurde dann aber in Wirklichkeit eine mittlere Katastrophe.
Aufgrund der vielen "Bewerber" wurde nämlich die
Zeit knapp, worauf man einige Vorleser schon etwas früher
als geplant "hinauswarf".
Irgendwie ging es sich dann aber doch noch aus, und beim traditionellen
Eisessen - das zur Beruhigung vor jeder Lesung stattfindet -
fanden sich dann auch wirklich alle ein.
Die Vorlesung selbst war nicht schlimm. Am Anfang gabs nur einige
Probleme mit dem Echo und der Saallänge.
Abhilfe wurde durch das Vorschieben der letzten Sesselreihe geschaffen.
Zu dritt oder zu viert gingen wir dann immer nach vorne und mussten
vorlesen.
Beim Rückfahren gabs auch noch einige Verwirrungen, da wir
mit zwei Autos zur Herberge gebracht wurden.
Die eine Gruppe, die schon früher heraufgekommen war, wartete
nämlich vor dem Haus auf die andere, die ziemlich lange
nicht auftauchte.
Einige glaubten schon, dass sich das Auto verirrt hätte,
da wurden die Vermissten im Gang vor den Zimmern "wiedergefunden".
Sie waren durch den hinteren Eingang ins Haus gekommen.
Nach dem riesigen Abendessen feierten wir noch bis tief in die
Nacht hinein.
Donnerstag, 15. Juli
Abfahrt.
Eigentlich war nicht mehr viel los.
Beim Frühstück unterhielten sich einige "gewisse"
Personen über sehr interessante Werke, sehr interessanter
Autoren aus der sehr interessanten Literatur.
Dann wurde gepackt und um halb 10 fuhren wir dann runter zum
Bahnhof. Dort gab es noch ein großes Abschiedszenario,
aber dann kam auch schon der Zug.
Christine Weber
Beate Schlöglhofer
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