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Samstag, 8. Juli
Zum
ersten und letzten Mal waren alle pünktlich zur richtigen
Zeit am richtigen Ort. (Dies würde sich wohl nie mehr wiederholen.)
Während andere Reisende von umgehängten Koffern und
Taschen beinahe zu Boden gezogen wurden, entzogen wir uns ihren
neidvollen und zugleich strafenden Blicken und ließen uns
von den Shuttlebussen des Jugend- und Familiengästedorfs
zu unserer Logierung kutschieren.
Doch bald mußten auch wir uns der zarter Schreiberfinger
unwürdigen und gemeinen Tätigkeit unterziehen, unser
Gepäck eigenhändig auf unsere Zimmer zu bringen.
Alljenen, die im scheinbar auswegslosen Labyrinth der Gänge
schlußendlich doch bis zu den Zimmern vordringen konnten,
wurden überzeugend die Möglichkeiten der optimalen
Raumnutzung vor Augen geführt. Die Theorie "Außen
hui, innen pfui!" erwies sich in diesem Falle nicht als
richtig. Vielmehr trifft jene zu, die besagt: "Klein, aber
oho!".
Nachdem wir die Gelegenheit gehabt hatten, uns an die Mur'sche
Wetterlage zu akklimatisieren, wurden wir zum Abendmahl gebeten.
Zur großen
Freude des Küchenpersonals stellte sich heraus, daß
mehr als die Hälfte der Gruppe sich herbivore - sprich vegetarische
- Nahrungsmittel einzuverleiben gedachte.
Beim Abendessen taten sich uns neue Erkenntnisse auf, und wir
wurden durch einige neue Hypothesen bereichert. So kamen wir
überein, daß es "in" sei, "out"
zu sein und es stellte sich die Frage, wo die nächste Pizzeria
sei.
Am Abend setzten wir uns zu einer kleinen Vorstellungsrunde im
Gemeinschaftsraum zusammen. Jeder trug einen kurzen Text aus
seinem Repertoire vor. Die erste und gleichzeitig letzte Chance,
ohne Kritik davonzukommen.
Anschließend wurde unser Horizont Gemeinschaftsspiele betreffend
erweitert. Beim sogenannten Würfelspiel "Mäxchen"
wurde unser mathematisches Wissen beinahe überstrapaziert,
und es erwies sich, daß uns die Wahrscheinlichkeitsrechnung
so vertraut war, wie die innenpolitische Situation im Inselstaat
der Niederländischen Antillen.
Die Runde wurde immer kleiner, bis schließlich alle in
freudiger Erwartung des Sandmännchens in ihre Betten sanken.
Theresia Töglhofer
Gábor Fónyad-Joó
Sonntag, 9. Juli
"Oh
Gott, ist das mein Kopf der so dröhnt oder befindet
sich seit Neuestem eine Baustelle unter unserem Fenster?"
Ein schreckliches Geräusch riss uns in aller Herrgottsfrühe
aus den süssesten Träumen - Alex föhnt zu absolut
unchristlichen Zeiten seine Socken (kleiner Tipp: Ersatzpaare
sind immer nützlich!)
Kaum hatten wir diesen ersten Schock am frühen Morgen verdaut,
wurde von uns schon verlangt, die Texte wildfremder Leute aus
der Netzwerkstatt ernsthaft und produktiv zu kritisieren, wobei
vor allem Anselm sich das "ernsthaft" sehr zu Herzen
nahm ("Do is gor nix, und wos do is, is schlecht!").
Danach bekamen wir die ersten Tages(haha)themen, die jedoch nicht
wirklich großen Anklang fanden (ob das wohl an der Präsentation
liegen mag?), denn nur ein einziger von uns hochbegabten Genies
(...) konnte sich mit einem Thema einigermaßen anfreunden.
Dennnoch wurden von den meisten viele Texte geschrieben (natürlich
mit Ausnahmen "Geeeeeeeeh
mir foit nix ein,
i brauch an Geistesblitz, host net a Idee für mi?").
Ansonsten wurden die ersten Stadtbesichtigungen unternommen,
wobei man krampfhaft nach geöffneten Lokalen suchen musste
vergeblich.
Am Abend wurden wir mit Spielen wie Beruferaten (mit wirklich
aus dem Leben gegriffenen Beispielen: "Ich bin Friedhofsziergärtner!")
oder Was-wäre-die-Person-wenn ("Also, i sig mi eigentlich
net ols Skatershop
!") unterhalten.
Zum Verlauf der Nacht bleibt noch zu sagen, dass uns Attacken
von riiiiiiiesigen Killerinsekten (z.B. Gelsen und Spinnen in
Monstergröße - genauer ließ sich das nicht definieren)
nicht erspart blieben.
Verena Gramm
Michaela Plagg
Karoline Leitl
Montag, 10. Juli
Der
Tag begann, wie immer, mit dem obligatorischen Semmelfrühstück,
doch da wir bedauerlicherweise mit den Herbergsleuten nicht auf
der selben mentalen Basis kommunizieren konnten, gab es nur ein
Glas Orangensaft für alle. Auch die allmorgendlichen Phoenixen
(Rätsel im Standard) wurden uns auf Grund von Transportproblemen
vorenthalten. Also konnten wir unser mentales Training erst in
der morgendlichen Kritikrunde beginnen.
Da das Wetter endlich doch einmal sommerlich warm war (Alex hat
doch Recht!), wagten wir uns am Nachmittag hinunter in die Stadt,
um unserer Kaffeesucht nachzugeben und die Segafredo-Gutscheine
einzulösen. Und natürlich ging es auch diesmal zum
Schlossberg, damit wir unsere Schreibwut ausleben und die Brucker
ihr Bedürfnis nach Heimatfotos befriedigen konnten. Anschließend
machten wir noch einen Stadtbummel durch Billa, Dritte(oder welche?)-Welt-Laden
und Tiefpreis-Shops, wo wir uns endlich eine preiswerte einheitliche
Werkstatt-Uniform besorgten: gemusterte Boxershorts.
Und auf dem Heimweg tauchten sogar die Phoenixen wieder auf,
und da wir schon ausgehungert waren, hatten wir ihr Rätsel
- mit Hilfe von Johannes - in kürzester Zeit gelöst.
Nach dem Abendessen schieden sich dann die Geister; die einen
bevorzugten den des Weines, der der anderen stand in den Sternen.
Zum runden Abschluss des Abends spielten wir dann noch eine Runde
Uno (selbstverständlich mit Körperkontakt), und unsere
mentale Basis war endlich gefunden.
Susanne Müller
Lydia Scherenzel
Alexander Prantner
Dienstag, 11. Juli
Ringe
unter den Augen fallen in der Früh auf, besonders, wenn
man die Nacht zum Tag gemacht hatte. Und außerdem gab es
schon wieder kein Schwarzbrot. Dafür aber Cornflakes, die
nicht genug Energie zur nachherigen Kritikrunde lieferten. Der
Kaffee allerdings war so wirkungsvoll wie eine Blase am großen
Zeh. Nur Angi war schon direkt high, als sie an ihm roch
(Das erklärt auch, wie unsere stolze Vielschläferin
geschafft hatte, mit nur zwei Cappuchinos 36 Stunden wach zu
bleiben.)
Plötzlich tauchte ein Photoapparat mit einem uns namentlich
Unbekannten ("Etwas nach rechts, die Hand senken, lächeln
aber sonst ganz natürlich
") auf. Der ihn begleitende
Journalist schien uns nicht glauben zu wollen, dass wir erstens
keine Aussenseiter, zweitens zu keinen bestimmten Themen schreiben,
und drittens keine Journalisten werden wollen
Das Mittagessen war wie immer undefinierbar (gut?).
Zur
zweiten Kritikrunde - vielleicht nicht amüsanter als die
Erste, aber auch nicht schlechter - kamen weniger Leute.
Nachher schieden sich unsere Geister zur Schreibzeit, die mehr
oder eher weniger gut genützt wurde.
Wir gingen in die Stadt und kauften beim Billa Kekse um ganze
12 Schilling. Okay. Sie kosteten 12.90
Eigentlich hätte ich noch sehr gerne erwähnt, dass
das Gratis-zwei-Kugel Eis kalt war, aber das wäre mir etwas
zu egoistisch vorgekommen, da dies sicher keinen Interessiert.
Zum Abendessen kam ich zu spät - als "Strafe"
gab es Fisch.
Die Nacht war nicht ganz so lang wie die vorige - aber kälter
und gesprächiger. Für manche auch schöner (wir
wollen keine Namen nennen). Die Klospülung streikte, wie
immer (besonders hasste sie Lissi und Karo, die darauf hin beschlossen,
eine Selbsthilfegruppe für verzweifelte Klogeher zu gründen).
Als es endlich fest stand, wer wo schlief und das Licht mysteriöser
Weise doch abzudrehen ging, schlief ich weg. Und Angi auch. Der
Dienstag war gelaufen.
Antonia Fürbaß
Elisabeth Kropf
Mittwoch, 12. Juli

>>Fotoindex
(für Nachbestellungen)
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