| Werkstattwoche Grenzen los schreiben Brixen 2000 Tagebuch | |
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Trotzdem erreichten wir frohen Mutes Innsbruck, wo sich unser »Überzahlproblem« löste, indem wir weniger Teilnehmer als reservierte Plätze waren. Nachdem wir uns im Innsbrucker »Rosenkavalier« neuen Mut für die Weiterfahrt angetrunken hatten, traten wir diese aber unter den wachsamen Augen der italienischen Polizei an und schlossen mit der Pünktlichkeit und Genauigkeit, die allen üblen Gerüchten zum Trotz bei den italienischen Staatsbahnen herrscht, Bekanntschaft. Nach einer unterhaltsamen Fahrt (wir müssen verdammt vorsichtig sein!) kamen wir nun wieder vollzählig in Brixen an. Der längere Fußmarsch zum »Kassianeum« gestaltete sich dadurch für viele leichter, da das Abendessen nun in greifbare Nähe gerückt war.
Nachdem dieser aber zeigte, was in Zügen so alles passieren kann, verbrachten viele sicher eine von Alpträumen gebeutelte Nacht. Eva-Maria & Christof
Donnerstag, 31. August
Judith & Katharina
Freitag, 1. September aufstehen nein aufstehen wollte niemand an diesem freitag. heiter blickte düsteres regengrau zum fenster herein. nicht ein stückchen blau trübte den himmel. zärtliches baggerbrummen entriss uns die letzten süßen träume.
auch als fleischjunkies schweinshaxen verschmähend, nach den vegetarischem kartoffelpüree lechszten, ihre fettriefenden finger im gemüsestrudel festkrallten und ihre gierigen münder verzweifelt mit mozzarella und tomatensauce oder sowas zu verstopfen suchten, dachte niemand an tote. so wandelten wir durch grüne auen, ließen uns nieder am ufer des flusses, blickten uns fragend in die augen »wo kam der her?« verstört irren wir noch heute suchend nach der lösung, der lösung des problems. vielleicht liegt sie vor uns. monoton, ohne hohn, oft bodenlos, oder? jaaaaa! aber schlafen, nein schlafen wollte an diesem freitag niemand. dagmar & manuela
Samstag, 2. September Wie jeden Tag sprangen wir auch am besagten Morgen voller Enthusiasmus aus den Betten und stürzten uns mit viel »Hallo« in den Speisesaal, wo alle Frühstückswünsche, wie immer, restlos erfüllt wurden. Voller großer Erwartungen schlang jeder die letzten Bissen hinunter und hetzte zur üblichen »Morgenmesse« in die Kapelle, wo wir Jünger uns bis zum Mittagessen aufhalten sollten.
Da die kurvenreiche Busfahrt ohnehin schon so appetitanregend war, wurden zum Abendessen eine Art südtirolerische Interpretation von durch und durch italienischen Carpeletti als »Schlutzkrapfen« präsentiert. Danach trennten sich die Wege der tapferen Jünger, die sich bei der nächsten Schlacht um die frischesten Semmeln wieder vereinen sollten. Sarah & Clara
Montag, 4. September Am offiziell letzten gemeinsamen Morgen im Jugendhaus Kassianeum war beim Frühstück was ich in meinem Halbschlaf nur so nebenbei mitbekommen habe von einer als »Die mysteriöse Gruppe der nächtlichen Würfler« bekannten Runde die Rede, welche in- und außerhalb des Meditationsraumes bis spät nach zwei Uhr früh einen Höllenlärm verursacht haben soll, worauf ich und einige andere einzig den Blick betroffen wissend senken konnten. Der finale, zumal auch hektische Tagesverlauf, sozusagen der Endspurt, war dominiert von den allerletzten die Lesung betreffenden Vorbereitungen, was am frühen Nachmittag eine endgültige »Notfall-Kritikrunde« abhalten, nahezu vollendeten Texten den nötigen Feinschliff unter Verwendung der Computer geben, diese Texte ausdrucken, erneut korrigieren, nochmals ausdrucken etc. umfasste. Danach spazierten manche, vor der sogenannten »Stunde der Wahrheit«, in die Stadt und verteilten, spät aber doch, die Flugblätter, auf denen Ort und Zeit der Veranstaltung angegeben waren, welche eigentlich längst unters Brixener Volk hätten gebracht werden sollen.
Anschließend traten die ersten Südtiroler, nicht ohne sich noch am vorzüglichen und reichlichen Büffet bedient zu haben, die Heimreise an; und ebenfalls für mich war die wirklich sehr interessante und lehrreiche Werkstattwoche zu Ende, als ich mich nach einer sechs Stunden andauernden Autofahrt, gegen vier Uhr morgens, in Niederösterreich wiederfand. Markus
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(C) 2001, Jugend-Literatur-Werkstatt Graz, literaturwerkstatt@styria.com |
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