Antwort von Andreas Wuttei

"…Wenn du möchtest, kannst du auch gerne auf unsere Kritik antworten…"

Bitte sehr:

Ich möchte mich bei den nächsten Zeilen auch nicht in Zurückhaltung üben.

"…da es auch nicht durchgehend gereimt wurde. Es hat auch teilweise keinen Rhythmus…"

Gut, Kritikpunkte, die teilweise meine Zustimmung finden.

"…das Reimen ist wirklich unnötig…"

Ich bin immer wieder erstaunt von solchen bis ins Letzte begründeten Aussagen, die gerade so von sinnvollen Argumentationen strotzen.

"…’Ein weiteres Schaf im gläubigen Glied’, klingt sehr seltsam…"

Wie stand es doch noch geschrieben, "Gott unser Hirte"? Könnten wir dann nicht auch Wollblöcker sein? Und ich weiß auch nicht, was die liebe Cordula unter Glied versteht, aber ich meinte doch die Gemeinschaft der Christen, aber wo kämen wir denn hin, wenn jeder noch so "seltsam klingende" Satz bis ins Tausende erklärt werden muss? Schade eigentlich, dass der Satz nicht so verstanden wurde, wie er ursprünglich gemeint war…

"…Er nimmt da ziemlich viel aufs Korn. Zuerst die christliche und dann die islamische Kirche, dann den Antisemitismus und die Menschheit als Ganzes. Wenn er das nicht so gereimt hätte, könnte man es als Anklageschrift an alle verschicken, die jemals irgendetwas verbrochen haben…."

…und ist es doch wieder eine Genugtuung, wenn auch nur eine oder einer es so verstand, wie ich es im Sinne hatte.

"…Die "vergorenen Menschen" haben mir auch nicht so gut gefallen, denn wir sind keine Marmelade…"

War es jetzt doch nur ein erzwungener Versuch, eine humoristische Bemerkungen zu machen, oder scheint da jetzt zum zweiten Mal heraus, dass das Wort "vergoren" nicht verstanden wurde und im Wortschatz von dem oder derjenigen leider nur mit Marmelade in Verbindung gebracht wird? Wunderschöne Lexika gibt es, wo das Wort "vergoren" auch nicht unbedingt mit Bier in Verbindung gebracht wird (wobei ich noch sagen muss, dass Marmelade nicht unbedingt "gegärt" ist, oder sind wir nur Schimmel? Eigentlich auch eine ganz interessante Sicht der Dinge)

"Es ist sehr holprig zu lesen. In einem hat er recht, wenn man ein Christ ist, ist es egal, was man tut, denn die Kirche steht hinter einem."

Und siehe da, die Naivität greift auch um sich.
Kennst du (wir duzen uns mal so) jemanden, der nach einem Doppelmord noch von der Kirche unterstützt wird? Nicht einmal der Papst höchstpersönlich, aber das lass ich jetzt einmal so im Raum stehen. Ich bezog mich lediglich auf Triebtat (nicht im extremen Sinne von Mord) und Sexualverbrechen (wie ich es bereits im Gedicht erwähnte!) und in diesem Sinne auch in Blickrichtung auf Geschehnisse aus der Vergangenheit österreichisch-katholischen Geschichte.

"Ich bin kein Freund von sich reimenden Gedichten. Der Rhythmus passt auch nicht. Ich habe dann lieber Gedichte, die sich nicht reimen, aber einen eigenen Rhythmus haben, und vor allem nicht immer diese Klischeephrasen haben."

Gut, liebe Susanne, aber wo waren denn die ach so tollen "Haus-Maus"-Klischeephrasen? Die finden sich doch in vielen weiteren, bereits besprochenen Gedichten, aber wo blieb dort die Kritik?

"Ich finde, es müsste im Ganzen ein wenig ironischer sein, dann könnte man auch leichter einen Zugang dazu finden." Ich hörte bei 4 Doppeldeutigkeiten und höhnischen Bemerkungen auf zu zählen…

"Eigentlich ist es schon ein philosophisches Gedicht, Philosophie beschäftigt sich ja mit Welt- und Lebensfragen, also mit sehr allgemeinen Dingen, ich mag dann jedoch nicht, dass man philosophische Fragen mit Allgemeinplätzen abhandeln muss."

Wie viele Leute aus deiner Gruppe musstest du töten, um es Gedicht, gar philosophisches Gedicht nennen zu dürfen? Bisher las ich doch nur von Ungereimtheiten und dergleichen, aber gut, man spuckte schon auf ein Blatt Papier und nannte es Kunst, warum jetzt auch nicht Gedicht sagen, zum "lästigen Papier, das endlich besprochen wurde" sagen? Gut, letzteres deiner Aussagen ist Ansichtssache, aber durchaus verständlich.

"Es sind sehr große Wörter, aber hinter denen erscheint kein Bild in meinem Kopf."

Schade, aber deine Kritik war bis jetzt die Konstruktivste.

"Diese Ironie mit dem "morgen Kinder wird’s was geben" hat mir irgendwo gefallen, aber das hat es eben nur an dieser Stelle gegeben…"

Schade eigentlich, dass dieser Satz nicht von mir war. James Pattersons "Morgen Kinder, wird’s was geben" erzählt von Sexualverbrechen an Jugendlichen und passt meiner Meinung nach ein wenig in die ersten paar Zeilen hinein.

"…Das hätte ich mir öfter gewünscht…"

Vielleicht sollte ich ein Gedicht schreiben, wo nur Buchtitel die Zeilen schmücken.

Hier möchte ich mich noch entschuldigen, dass ich die kostbare Zeit, der Literaturexperten, die den Top-Titel von Patterson noch nie sahen (eines der meistverkauften Bücher hier zu Lande) und der Philosophen, die der Meinung sind dass Marmelade gegärt wird, auf schändlichste Weise gestohlen habe.

Quid pro quo

A.w.