Anke Rauch (17)
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searching for the train ticket we lost
was fühlt man, wenn man den schienen einer bahnlinie folgt und an einer weggabelung ankommt.
Lisa mag es, den schienen zu folgen einfach so. Sie zwängt sich immer durch das geäst der büsche und bäume, über die steine zu den gleisen.
Bahnwärter tiele haben sie in der schule gelesen, in der 10ten klasse, und sie denkt an den tod des mädchens oder des sohnes. Die bahn selbst fährt über die schon längst rostigen schienen. Man sollte sie rostfarbig anstreichen, wie die golden gate bridge, damit man das alter nicht sieht, damit der glanz nicht am auge den schein verliert und die menschen sich, anstatt brücken-poster, schienen-poster an die wände hängen können. Wenn sie den boden erzittern spürt, dann duckt sie sich und hört der bahn beim näherkommen zu, wie sie vorbei zischt und den zugfahrtgästen eine momentaufnahme des lebens bietet.
Angefangen hat alles vor ihrer geburt, als sie noch in einer warmen schale schwamm und die maulwurfshaltung zur nacht sowie zum tage gehörte. Ihre mutter hatte einen autounfall in new york. Die erklärungen erschienen lächerlich, wie kann ein ungeborenes baby das augenlicht verlieren, wenn der airbag sich aufblässt.
Die worte wurden seltener, die sorgen kleiner. Sie war blind seit geburt an.
Manchmal wird in den schöne kindheit-geschichten von ihr als königin der tauben berichtet. Doch sie war nicht taub, nein, sie könnte nur nichts sehn. Ihre mutter hütete sie wie ihr augapfel itself. Und lehrte ihr das tasten, das riechen, das hören, das schmecken und das fühlen. Erbeerkuchen war und ist ihr lieblingsnachtisch.
Sie zog die luft scharf ein, lange ist es her, seitdem man die kohle abschaffte und die elektrizität kam. Sie genießt am meisten den wind, das windspiel auf ihrem ganzen körper vorwärtsgehn, nur nicht stehen bleiben und den träumen nachblicken, die doch nie wirklichkeit werden.
Sie entfernt sich von den gleisen und schlägt den weg zu einer waldlichtung ein. Sie kennt sich hier aus. Sie ging den weg schon bestimmt 27-mal. Ihr französischlehrer sagte ihr einmal, dass man eine vokabel 27-mal hören oder benutzen muss, bis man sie ins langzeitgedächtnis aufgenommen hat. Mit dem sehen ist das so ähnlich, sie sieht ihre welt durch den mund und die ohren.
Der boden ist feucht. Sie legt sich auf den rücken, nimmt ihren fotoapparat aus der tasche und macht ein foto von dem himmel. Überbelichtung kennt sie nicht, und auch der zitronenfalter vor der linse wird kein abwechslung bringen. In der dunkelkammer sieht alles gleich aus, in der dunkelkammer wird die vergangenheit entwickelt, mit neuen farben, mit einer neuen statur armen, ohren und gelben sonnenstrahlen.
Sie schmunzelt, ihr bruder wird sich über den film freuen. Der wird ihr als milchbubi den inhalt erklären. Lisa, das foto sieht aus wie milch, das foto ist weiß, schneeweiß. Und lisa wird endlich einmal schlauer sein können, nein, es ist schwarz, pechschwarz. Soweit ich den angaben meiner sehexperten trauen kann. Sie sagen mir, dass ich nur schwarz sehen kann. Das meine augen keine farben aufnehmen können, nicht verstehen können.
Every moment you steal from the present is a lost for ever. Theres only now.
Ein weiterer zug dröhnt vorbei, entfernter. Sie befindet sich ja im moment auf der lichtung, und die menschen werden trotzdem ihren streuselkuchen mit vanilleeis im speisewaggon zu sich nehmen. Vanille soll gelb sein, wie die sonne, das denken die sehenden menschen zumindest. In ihrer welt ist sie schwarz. Natürlich schwarz. Die dunkelkammer lässt keine farbe entschwinden.
The dark only lets you take one step at a time. Step and dark closes round your back.