Barbara Ritter (17)
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Der liebestraurige Brotkrümel
Es war einmal ein junger Brotkrümel, der sich zutiefst deprimiert in der dunkelsten Ecke des Brotkastens verkrochen hatte und jämmerlich weinte.
Da gesellte sich ein mitfühlender Kuchenkrümel zu ihm und versuchte, den armen Kerl zu trösten. "Aber Alfred, warum weinst du denn?"
Krümel Alfred seufzte und antwortete mit tränenerstickter Stimme: "Mathilda, meine einzig grosse Liebe, hat mich verlassen. Sie ist mit Rinde-Ringo durchgebrannt."
"Rinde-Ringo?" fragte der Kuchenkrümel ungläubig, "Der mit der Lederjacke und der Harley?"
Alfred nickte und schneuzte in sein Taschentuch.
"Das ist doch alles nur halb so wild", probierte es der Kuchenkrümel, "auch andere Brosamen haben schöne Töchter."
Da brach Alfred wiederum in Tränen aus und flüsterte mit schwacher Stimme: "Ich will aber keine andere, niemals!"
Und so geschah es. Alfred verbrachte sein Leben einsam in der düsteren Ecke des Brotkastens und trauerte um seine Mathilda, die sich inzwischen mit ihrem Freund nach Thailand abgesetzt hatte.
Eines Tages, als Alfred schon mit dem Gedanken spielte, sich von der Zopfkante zu stürzen, verirrte sich eine wohlgeformte Bröselin namens Eleonora in die finstere Ecke des traurigen Brotkrümels. Verzweifelt fragte sie den mittlerweile etwas altbackenen Alfred nach dem Weg.
"Sehen sie die Wölbung des Butterweckens? Gleich
links daneben befindet sich eine Kreuzung, an der sie sich orientieren
können", antwortete Alfred, und ehe er sich versah,
war er in ein tiefgründiges Gespräch verstrickt. Ohne
es zu wollen, verliebte er sich unsterblich in die schöne
Bröselin. Doch noch bevor er ihr seine Gefühle gestehen
und sein neues Glück geniessen konnte, wurde der Brotkasten
jäh aufgerissen und gründlich von allen Krümeln
gesäubert. Alfred, der arme Tropf, erstickte jämmerlich
im Kehrichtsack.
Moral: Das Leben ist zu kurz, um durchgebrannten Brotkrümelinnen nachzutrauern.