Antwort von Matthias Böhm

Ich mußte mir gleich die Kritik durchlesen und muß sagen, daß ich einige meiner Ideen vermittelt gesehen habe, aber die Geschichte doch nicht bei allen gleich aufgenommen wurde.

Die Worte Ironie und Kitsch sind oft gefallen, diese beschreiben meine Idee am besten. Ich wollte die Ironie des Schicksals aufzeigen, anhand des "krassen" Gegensatzpaares Liebe und Tod.

Anfänglich habe ich versucht, eine klassische Situation zu schaffen: Das Wetter ist schön, und ein Junge trifft überraschender Weise das Mädchen seiner Träume, doch ehe er einen klaren Gedanken fassen kann und sich seiner Gefühle bewußt wird (Grund für die oberflächliche Beschreibung seiner Gefühle – er ist sich derer noch gar nicht richtig bewußt), wendet sich das Schicksal vom "kitschig", schönen ins "eklig", grausame. Dieser harte Schnitt zwischen den beiden Ebenen – ich habe dabei bewußt auf Andeutungen bzw. Überleitungen verzichtet, damit die Ironie unterstrichen wird – zeigt die Zweischneidigkeit des Schicksals: Einerseits kann einem Gutes wiederfahren, doch kann sich dieses jederzeit und ohne Vorankündigung ins Schlechte wenden.

Der "Schwarz-weiß"-Charakter, der dem Protagonisten unterstellt wird, fügt sich damit nahtlos in die unerwartete Schicksalswendung ein. Mit anderen Worten: Es gibt nichts dazwischen, entweder man erlebt etwas Gutes (weiß) oder Schlechtes (schwarz). Grautöne hätten die Aussage nur verwischt und die Krassheit und Drastigkeit, in der das Schicksal zuschlägt, abgeschwächt.

Die Überschrift "Liebe ist nicht mehr" und der letzte Satz "Peter ist nicht mehr" sind "parallel" anzusehen, d.h. Peter, als ein Mensch unter vielen, erfährt die Liebe. Das Schicksal negiert diese Erfahrung. Dies soll zum Ausdruck bringen, das es ein persönliches Schicksal ist, was einer Einzelperson geschehen kann, doch wiederum durch die Oberflächlichkeit auf jede Person anwendbar ist. Außerdem verknüpfen diese beiden Sätze die Tatsache, das Liebe etwas mit dem Menschen zu tun hat und diese letztendlich ohne den Menschen nicht existent ist (idealistisch gesehen).

Der mir vorgeworfene einfache Satzbau hat zweierlei Vorteile: Der Leser kann flüssig und ohne großen Gedankenaufwand die Geschichte verstehen und sich somit mehr auf das Wesentliche, nämlich die Ironie an der ganzen Sache, konzentrieren. Außerdem handelt es sich um einen Schüler, der seine Gedanken in kürzester Zeit fasst, denn man muß bedenken, daß es sich bei der Begegnung mit dem Mädchen um nur max. 10 Sekunden seines Lebens handelt. Er hat also keine Zeit, sich in ausschweifenden Satzkonstruktionen zu erklären, was der Geschichte meiner Meinung nach die Dynamik genommen hätte.

Phrasen wie, "sie massierte den Stahl" sollen zusätzliche, bizzare Erotik vermitteln. Der Protagonist erlebt hier ein Meer von Gefühlen, die er in simpelste Handlungen hineininterpretiert. Wenn er also ein Mädchen sieht, die auf ihr Fahrrad steigt, sieht er alles durch eine erotische Brille.

Die Schule und das ganze Ambiente habe ich gewählt, damit der Identifikationgrad steigt, da ich diese Geschichte bei unserer Schülerzeitung eingereicht habe.

Mit dieser Kurzinterpretation meinerseits wollte ich bloß die von mir verwendeten stilistischen Mittel rechtfertigen. Sie ist keineswegs vollständig, soll aber eine "Verstehenshilfe" darstellen. Trotzdem Danke für die intensive Besprechung (3 Seiten).