Rafael Fritsch (16)

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Mein Vater

"Mein Gott. Er konnte nichts dafür, dass er Jude war. Auf dem Weg in die Synagoge wurde er rücklings mit einem Messer erstochen. Haha! Aber selbst wenn sie tot sind, sind sie noch lästig. Nicht einmal ein toter Jude ist ein guter Jude. Er wußte, dass er der letzte Abschaum, der größte Unmensch, der, der es ganz einfach nicht verdient hatte zu leben, war. Selbst für das Judentum war er eine Schande. Er verhielt sich wie ein Mensch, was nur darauf zurück zu folgen war, dass er bewußtseinsverändernde Drogen zu sich nahm, denn wie kommt ein Jude sonst auf die Idee, sich wie ein Mensch zu fühlen? Warum glaubt ein dreckiger Jude, er sei ein Mensch? Das war gar nicht koscher von ihm! Diese Krankheit, die sich Judentum nennt. Der Herrgott wird schon…"

Ich muss das Tagebuch schleunigst schließen und zurück in die Lade schieben, bevor er die Treppe hochkommt. Ich schleich mich hinaus aus seinem Zimmer, welches er mir immer strikt verboten hatte zu betreten. Er würde mich schlagen. Er würde mich prügeln, bis ich ohnmächtig werde. Nicht wieder zu erkennen wäre ich danach.

Seine Schritte waren schon von weit her zu erkennen. Dieser marschierende Gang, den er nie verlernt hatte, konnte nur ein Erznationalsozialist haben. Ich verstecke mich im Flur hinter einem Schrank, denn auf keinen Fall darf er mich jetzt sehen. Meine Vorfreude steigt bei jedem seiner Schritte mehr und mehr an. Am liebstem würde ich schon laut auflachen, doch ich muss mich zurückhalten. Mein Vater betritt erwähntes Zimmer und bleibt vor seinem Schreibtisch stehen, soweit ich es erkenne.

Ich halte es nicht länger aus! Ich muss es tun. Ich freue mich auf nichts mehr! Seit über zehn Jahren warte ich auf diesen Moment. Ich hole meinen Knüppel aus meinem Zimmer und gehe andächtig auf ihn zu. Vorerst scheint er mich nicht zu bemerken, doch kurz bevor ich ihm gegenüberstehe, dreht er sich völlig gelassen zu mir um. Ich stehe da, den Knüppel hochgehalten und bereit, zuzuschlagen, während er mich stolz anblickt und zu mir sagt: "Ich habe geschafft, was ich all die Jahre erreichen wollte."

Und mit einem leichten Nicken bewilligt er meine Tat, ihm mit meinem Knüppel seinen Schädel zu zertrümmern und so lange auf ihn einzuprügeln, bis er zur Unkenntlichkeit verstümmelt ist.