Melanie Nowak

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Der Regen

Langsam öffne ich die Terassentür, warme, dampfige Luft strömt mir entgegen. Ich setze mich auf die aus Holz geflochtene Bank, ziehe die Beine an und atme tief ein. Es riecht nach Erde und vielem mehr, für Menschen undefinierbar.

Sanft fällt der Regen auf alles, was nicht geschützt ist. Unaufhörlich. Ich sitze sicher und trocken unter dem Dach. Das Geräusch der auf unzählige verschiedene Flächen fallenden Regentropfen fasziniert mich, macht mich unfähig, wieder ins Haus zu gehen, und hält mich für immer an diesem einsamen Ort fest.

Der Himmel hat diese bestimmte Art von Blau, die einen weinen macht. Ich bleibe hier, unfähig zu denken. Langsam tropft es von der Tischkante, ich kann meinen Blick nicht davon lassen. Nun streicht kühl der Wind über meine bloßen Füße. In diesem Moment kann mich nichts stören und niemand meine Gedanken aufhalten.

Der Himmel verfärbt sich, wird dunkler ... ist denn schon wieder Zeit vergangen?

Alles glitzert und funkelt, alles wurde reingewaschen, ob ich mich auch in den Regen stellen soll? Die Tropfen hängen an Blüten, Gräsern und Maschenzäunen. Ein Nachtfalter surrt an meinem Ohr vorbei, ich schrecke auf.

Der Regen lässt nach. Nein ... bitte ... ich will noch nicht erwachen, aus diesem wunderbaren tranceartigen Zustand, den der Regen in mir auslöst. Hört der Regen auf, so fange ich an zu denken, mich zu sorgen und auch mich zu freuen. Im Regen gibt es nichts dergleichen. Es ist der Augenblick des vollkommenen Nichts, wobei ich ihn nicht als weiß bezeichnen will. Es ist auch mir nichts daran gelegen, ihn als bloßes Wetter abzuwerten ...