Kritik zum Text "Sei gegrüßt Buch!" von Stefan Schuh

(Auszug)

Die Textbesprechung fand während des Werkstatt-Treffens in Graz am 8. 10. 1999 statt.

 

Anselm:

Es ist weder gut noch schlecht. Ich bin enttäuscht. (Gelächter) Die Pointe ist die mit Abstand größte Enttäuschung. Ich glaube nicht, daß eine Frau so eine Schlußfolgerung zieht. Und ich glaube schon gar nicht, daß sie noch so eine schallende Ohrfeige gibt und sich wieder verzieht. Das kommt mir alles ein bißchen komisch vor. Ich glaube aber sehr wohl, daß der Dichter was draufhat, das ist wirklich zu erkennen. Diesen ironischen Tonfall, den hat er wirklich drauf.

Elisabeth:

Für sein Alter ist es wirklich gut. Streckenweise sind wirklich gute Sachen dabei. Das mit den Weihnachtsmännern hab ich richtig gut gefunden. Ich glaube, er muß teilweise noch ziemlich kürzen, mehr darauf schauen, daß es wesentlicher wird. Und mit dem Schluß hab ich ein Problem, weil Frauen relativ selten Männer ohrfeigen, wenn sie ein Parfum geschenkt kriegen. Wahrscheinlich hat er das nur geschrieben, damit er irgendeine Pointe hat. Auch das "100 Prozent tierfrei" hab ich auch recht gut gefunden. Ich glaube, da kann schon noch sehr viel kommen.

Christine E.:

Der Inhalt ist für mich "Beschenkungszeit im Advent". Irgendwie fehlt das gewisse Etwas, sagt mir der Text nicht viel. Es ist ein Unterhaltungstext, aber nicht mehr dahinter. Anscheinend ist ja nur ein Ausschnitt aus einem Tagebuch, zu dem noch mehr dazukommt. Dann wird’s vielleicht auch interessanter.

Anselm:

Das ganze ist noch zuwenig böse.

Martin:

Vielleicht traut er sich nicht. In dem Dorf, in dem er wohnt, funktioniert vielleicht noch die soziale Kontrolle.

Elisabeth:

Ja, wer weiß.

Anselm:

Ein bisserl Zynismus würde ihm, glaube ich, guttun.

Elisabeth:

Ja, aber das kannst du doch nicht verlangen, mit dreizehn ist man noch nicht so zynisch.

Martin:

Ich denke mir, für sein Alter hat er allerhand drauf, und er sollte auf alle Fälle weitermachen. Was er vielleicht probieren müßte, ist, konzentrierter an den Texten zu arbeiten, zu schauen, wo sind wirklich die Pointen, die Gags, und wo zieht es sich ein bißchen in die Länge.

Anselm:

Aus dem könnte was werden.

Christine J.:

Ich könnte mir auch vorstellen, von seinem Schreibstil her, daß er einmal etwas wirklich Gutes schreiben könnte.