Kritik zum Text "Klassentreffen" von Charlotte Sophie Meyn
Die Textbesprechung fand während der Schreibzeit Hard am 7. Juni 2003 statt.
Elia:
Ich finde, der Text ist sehr gut beschrieben. Er hat gute Ausdrücke. Der rote Faden, der Handlungsfaden ist äußerst klar und gut gespannt. Das einzige, was ich kritisieren kann und will, man müsste bei solchen Texten die Sätze ein bisschen mehr miteinander verbinden. Hier ist es allerdings schon recht gut gemacht worden.
Kevin:
Mir gefiel dieser Text sehr gut. Am Schluss ist er ein bisschen abstrakt. Ich konnte mir die Bilder sehr gut vorstellen.
Thomas:
Der Anfang hat mir gut gefallen. Die Sätze sind kurz und knapp. Der Schluss war ziemlich witzig.
Irene:
Ich weiß jetzt nicht, wie das mit dem Schweizermesser gemeint ist. Ich glaube, die sind nicht groß genug, um jemanden zu erstechen. Es ist irgendwie zu wenig beschrieben. Wenn es ein Mafia-Treffen gewesen wäre, dann würde ich es verstehen. Ich habe keine Ahnung, warum die sie umgebracht haben.
Selina:
Den Anfang fand ich gut beschrieben, kann man sich gut vorstellen, aber gegen den Schluss hatte ich so meine Probleme, z.B. als sie ihre Taschentücher austauschen, um ihre Hände zu säubern. Die hatten doch nicht alle Blut auf den Händen, oder haben sie sie zusammen erstochen? Warum sie erstochen wurde, habe ich auch nicht ganz begriffen. Ich weiß schon, irgendetwas hat sie aufgeschrieben, vielleicht soll da der Reiz in der Geschichte liegen, aber ich hätte da gerne mehr gewusst. Der Schluss hat mir dann auch gefallen, mit dem VW, der stehen bleibt.
Irene:
Ich frage mich noch, warum sie die blutigen Überreste des Notizbuches liegenlassen und nicht ganz verschwinden lassen?
Barbara:
Mir hat der Text gut gefallen. Die Wendungen, z.B. "vor allem weiß sie, wo sie nach Informationen suchen muss" über die bin ich ein wenig gestolpert.
Maria:
Mir hat der Text richtig gut gefallen. Vom stilistischen her, dieses Kurze und Knappe fand ich schön. Leider kann man nicht sehen, wo die Zeilenumbrüche absichtlich und wo sie durch den Ausdruck bedingt sind. Ich fände es schön, wenn viele davon absichtlich wären. Denn wenn der Text so kurz ist, ist es schön, wenn man viele Absätze macht und dabei Zeit lässt. Vom Inhaltlichen fand ich es auch gut. Ich habe es am Anfang als Methaper gesehen, also dass sie nicht wirklich umgebracht wird.
Von den Bildern her fand ichs sehr schön und präzise. Die gepflegten Damenfinger, das mit dem ungeschminkten Kindergesicht, usw. Das Ende passt eigentlich. Wenn es solche Leute sind, die so rücksichtslos miteinander umgehen, andererseits so einen Status haben, dann passt es auch, dass sie ihre Spuren nicht ganz beseitigen. Da sie es nicht nötig haben, wenn sie so viel Geld haben. Auch die Papiertaschentücher passen, nicht, dass alle auf sie eingestochen haben müssen, aber das, was sie aufgeschrieben hat, hat alle betroffen.
Martin:
Die Geschichte hat einen gewissen Charme. Es ist eine klassische Situation, eine Runde, wo sich alle irgendwo auf einer gewissen Ebene begegnen und verstehen. Und dann gibt es diese eine, die abseits ist. Für mich hat es immer einen gewissen Reiz, dass die dann in der Besenkammer landet. Der Zusammenhang, warum sie dann auf einmal in der Besenkammer tot ist, der fehlt mir. Es ist gut, dass es überraschend kommt, aber man fragt sich dann schon, warum eigentlich? Am Anfang hat sie auch alles genauer beschrieben. Es schwankt für mich zwischen etwas nur anreißen und anderes dann doch etwas mehr zu beschreiben, als eben in der Kürze der Geschichte passend wäre. Da müsste man sich zwischen den beiden Formen entscheiden. Möchte ich es lieber kurz und griffig machen. Dann müssten mehr Details gestrichen werden etwas mehr im Dunkeln bleiben. Oder man deutet ein bisschen des Rätsels Lösung an, es muss ja nicht gleich rauskommen, wer es war, sondern einfach, dass der Zusammenhang besser wird.
Johannes:
Ich fand es schön, dass es knapp und präzise war. Obwohl ich kurze Sätze mag, waren die dann doch etwas abgehackt. Wenn immer gleiche Syntax verwendet wird, erhöht das nicht die Spannung. Man muss kurze Sätze nehmen, es kommt auf die Handlung darauf an, wenn etwas ganz schnell oder atemlos geschieht, dann sind sie ganz angebracht. Am Anfang wird alles so präzise beschrieben, das Parfum, die Finger, und dann sitzt die Frau in der Ecke und schreibt mit. Da dachte ich, es ist ein bisschen aus ihrer Perspektive. Dann kippt die Geschichte um. Aus der Frau wird das Opfer, und es geht dann um eine viel groteskere Situation. Da würde ich dann auch denken, ob man da am Anfang wie die sich in diesem Raum bewegen, so intensiv beschreiben muss. Weil ich einfach an der Stelle, wo sie dann zurückkommt und umgebracht wird, da kippt für mich die Geschichte. Ich bin da nicht hingeführt worden. Es kommt also nicht nur überraschend, weil man nicht damit rechnet, sondern weil die Geschichte eigentlich auf etwas anderes hinzuführen scheint. Ich weiß nicht, ob das beabsichtigt ist.
Eigentlich ist die Perspektive der Geschichte klar, bis jemand fragt: "Wie viel weiß sie"? Und das erinnert mich an einen Erzähler oder jemanden, der plötzlich da ist. Ich frage mich, wer fragt das? Fragen das die Leute? Es gibt niemanden, der diese Frage stellt. Es genügt eigentlich, zu schreiben, und sie weiß viel. Ich habe mich nicht gefragt, wie viel sie weiß.
Das Schlussbild hat mir gefallen. Viele Bilder. Ich würde die Bilder aber auch noch einmal durchgehen, die die Leute charakterisieren. Manche sind da vielleicht schon abgenutzt.