Kritik zum Text "Perdono" von Martin Stefanov

Die Textbesprechung fand während der Schreibzeit Hard am 7. Juni 2003 statt.

Irene:

Von der Idee her ist es sicher ganz gut. Ein schönes Gedicht. Vielleicht ein bisschen übertrieben, sehr blumig ausgedrückt. "Öde" auf "Tode" zu reimen ist auch etwas ungewohnt. "Mein Herz ist lau": Damit kann ich nichts anfangen.

Selina:

Es ist teilweise ziemlich kitschig, die Sprache auch. Es reimt sich nicht immer. Es ist einfach eine lustige Sprache.

Marion:

Die letzten paar Zeilen sind eher gezwungen, und sie reimen sich auch nicht. Ich finde das eigentlich nur eine Ansammlung von Klischees: Glück, Traurigkeit, Leere, Liebesrausch, Schicksal, Herz und die echten Gefühle nicht zu vergessen usw. Ich glaube, dass er die Geschichte gerade selber erlebt hat, und wenn er später einmal darüber nachdenken wird, dass er dann selber herzlich über das Gedicht lachen wird. Ich möchte nicht über den Inhalt lachen, aber, na ja, nicht so mein Fall.

Elia:

Ich finde, das Gedicht ist von der Idee her ganz gut, aber gewisse Worte sind etwas seltsam in den Raum gesetzt, z.B. "Öde" und "Tode" oder "Leere" und "Seele". Das reimt sich nicht sehr gut, aber ich bin ein Mensch, der solche Unkonventionalitäten mag, und ich denke, dass Gedicht wird gerade deswegen ein bisschen hervorgehoben. Es sinkt aber auch wieder ab, da es an gewissen Punkten hängt. Z.B. an den letzten zwei Zeilen, oder an der dritten Zeile am Anfang. Ich habe da das Gefühl, dass da etwas fehlt oder etwas zuviel geschrieben wurde.

Kevin:

Zu diesem Gedicht fällt mir eigentlich nur eines ein: Nice try! Ich finde den Titel ganz passend, so als Entschuldigung für das Gedicht. Ich meine das nicht böse, aber wer "Öde" auf "Tode" reimt, ist ein bisschen schief gewickelt. Wenn er ein bisschen übt, könnte er schon besser werden.

Thomas:

Es ist schon sehr viel gesagt worden. Bitte versuche, von solchen Reimen wie "lau" und "Tau" wegzukommen, weil es ziemlich unliterarisch ist. Wenn dich das Thema wirklich so interessiert, dann versuch das nicht mit den ersten Worten, die dir in den Sinn kommen, zu verdeutlichen. Die sind oft verwendet im täglichen Sprachgebrauch.

Martin:

Was in diesem Gedicht noch nicht entschieden ist, ist, ob es sich reimen soll oder nicht. Wenn es ein gereimtes Gedicht sein soll, wäre ein Rhythmus nicht schlecht, der durchgezogen würde. Ein Gedicht lebt vor allem durch Bilder und zwar von ungewöhnlichen Bildern. Es ist oft besser, wenn man etwas länger überlegt und nicht das erstbeste nimmt, was einem einfällt.

Johannes:

Es wäre ganz sinnvoll, erstmal nicht zu reimen, um passende Wörter und Bilder zu finden, und meistens missglücken die Dinge am Ende, weil sie sich reimen sollen. Manchmal gibt ein Reim auch eine Struktur vor. Reimen ist nicht grundsätzlich etwas Schlechtes, aber es macht es so schwierig. Es wäre schade, wenn es um das Reimen Willen, das Gedicht, an anderen Stellen leidet. Es entsteht gerade, während der ersten Strophe, sehr, sehr wenig. Erst bei den ersten Sommernächten, so abgedroschen die sind, fängt eigentlich erst an, etwas zu entstehen. In der dritten Strophe wird dann schon wieder gesagt, "ja ein Liebesrausch war unsere Romanze". Ich komme einfach nicht dazu, was es wirklich war. Es sind nur Wörter, die es mir benennen, aber nicht, die es mir vor Augen führen. Gerade für ein Gedicht ist das sehr tragisch. Gerade für die Zuhörer oder die Leser bleibt dann eigentlich gar nichts übrig. Es klingt ein bisschen so, als würde er einem guten Freund erzählen, wie es gewesen ist.