Kritik zum Text "Grabvisite" von Katharina Brunner
Die Textbesprechung fand während der Schreibzeit Hard am 7. Juni 2003 statt.
Regina:
Ich finde die Geschichte recht lustig. Allerdings finde ich
den Schluss nicht sehr überraschend, dass er dann stirbt.
Das kann man sich am Anfang schon denken. Teilweise fehlen Kommas,
und Worte sind seltsam geschrieben. Manches ist seltsam konstruiert.
Ich würde es auch noch schön finden, wenn noch mehr
Sachen angedeutet werden, was denn da war. "Er" schreibt
nämlich vor 50 Jahren, und "er" ist 62. Also muss
"er" zwölf gewesen sein. Was kann er mit zwölf
verbrechen, dass sie ihn aus der Stadt jagen? Das kommt mir etwas
seltsam vor.
Kevin:
Mir gefiel der Text sehr gut. Ein, zwei Kommafehler, aber die kann man ja leicht verbessern. Die Satzstellung ist auch sehr gut. Der Text ist leicht verständlich. Er zeigt einen roten Faden, also vom dem her hat er viele Punkte erfüllt, die er sollte.
Elia:
Ich finde die Geschichte eigentlich sehr gut. Ich fand nur einige Kommafehler, und die Sätze wirken etwas abgehackt. Man sollte da vielleicht mit Konjunktion einige Sätze verbinden. Im zweiten Absatz würde ich nicht "Männer", sondern "Leute" oder "Personen" schreiben, sonst wird impliziert, dass die Frauen keine hohen Ämter haben, was meiner Meinung nicht so gut ist.
Irene:
Eigentlich finde ich die Geschichte sehr gut. Witzig geschrieben. Was mir aufgefallen ist: "Er war am Überlegen", das finde ich etwas unglücklich gewählt. Ich würde da eher "er überlegte", sonst wirkt das irgendwie etwas laienhaft für mich. Am Anfang fand ich die Geschichte seltsam, aber ich habe bald gemerkt, dass sie einen lustigen Aspekt hat, und dann ist auch der Anfang besser verständlich geworden. Das mit dem Menü fand ich auch eine lustige Idee. Sehr interessant. Es war auch für mich nicht überraschend, dass er am Schluss stirbt. Aber ich denke, man hat auch nicht viele Möglichkeiten für ein Ende.
Selina:
Ich fand sie auch witzig, und dann hat es mir auch nichts ausgemacht, diese Ungereimtheiten. Einfach diese kleinen Sachen haben mich nicht gestört. Man konnte darüber lachen. Sie ist gut geschrieben. Ich denke auch, die Person die das geschrieben hat, wollte auch, dass man darüber lacht, und dass kann man auch.
Marion:
Sehr lustig. Das einzige, die Frau, das ist noch zu wenig. "Sie wurde immer verrückt" ist ein guter Anfang, aber ich glaube, das ist ein bisschen zu wenig Entsetzen.
Maria:
Mir hat die Geschichte auch gefallen. Ich war mir am Anfang nicht ganz sicher, ob da einige Formulierungen unfreiwillig komisch sind. Oder ob die Autorin das komisch gemeint hat. Am Schluss wird erst klar, mit dieser Entscheidung, die er noch nicht getroffen hat, wegen dem Essen, dass sie es zuvor auch komisch gemeint hat. Die Idee finde ich schön. Vielleicht könnte man am Ende den Tod auch aus einer anderen Perspektive schildern. Vielleicht aus diesem Bauleiter, der ihn am Ende herumführt, oder etwas in der Art. Ein paar stilistische Überlegungen wären zu erwägen, wie die Frau die verrückt wird.
Markus:
Mir gefällt die Geschichte, und sie ist ausbaufähig. Also, insofern die Biographie des Mannes. Warum er unbedingt in seinem Dorf begraben werden will und was der Grund war, warum er vertrieben worden ist. Sprachliche Feinheiten, die schon genannt wurden, könnte man ausbessern. Wenn es der Autorin recht ist, dass man eigentlich schon sehr früh weiß, wie die Geschichte ausgehen wird, finde ich das okay. Ansonsten könnte sie sich da etwas überlegen, das umzuschreiben. Mir würde jetzt aber nichts einfallen, wie man das verändern könnte, dass es nicht so vorhersehbar wird.
Thomas:
Ich finde es ganz okay. "Grabvisite" find ich ziemlich gut, dass habe ich noch nie gesehen als Überschrift. Für mich gab es ein paar Ungereimtheiten, die sind aber schon gesagt worden, z.B. dass seine Frau die totale Nebenperson ist. Ich weiß nicht, was das soll.
Anna:
Ich finde, es ist ganz lustig und gut geschrieben. Das Grundkonzept ist da, aber man sollte noch ausbauen, was vorher war. Was mit der Frau ist, und was sie sich denkt.
Sabrina:
Die Geschichte finde ich recht originell. Dass man sich mit 15 Jahren schon so Gedanken macht über den Tod, in so einer ironischen Weise. Der letzte Satz gefällt mir gut. Aber mir geht es ein bisschen schnell, dass er da hinunterfällt. Er ist da, sieht auf die Uhr, steigt auf die Leiter und fällt. Das könnte man noch ein bisschen ausbauen. Seine Gedanken könnte man noch schildern. Es ist auch fraglich, ob er den Leuten wirklich eins auswischt. Schließlich kommt er tot ins Dorf zurück. Ich weiß nicht, ob das den Leuten wirklich etwas ausmacht, wie er es gerne hätte.
Hanka:
Ich finde die Geschichte, die in diesem Text erzählt wird, in Ordnung. Aber ich finde, es würde dem Text gut tun, wenn man zeigen würde, was passiert, anstatt zu sagen, dass es passiert. Diesen Mann einfach handeln lassen würde. Z.B. "er ist endlich angekommen", da könnte man lieber sagen, wie er ankommt, statt "endlich". Es ist auch nicht motiviert, dieses "endlich", wenn er doch immer dorthin fährt. Dann ist er doch nicht wirklich dort angekommen. Man könnte aus dem Text eine prima Satire machen, indem man einfach die Dinge noch etwas überspitzt und überzieht. Die Satzkonstruktion noch etwas eigenwilliger gestalten würde. Solche Sachen: "wurde immer verrückt" lassen würde. Z.B. auch "eiserner Wille", das ist eine Verbindung, die so häufig ist, dass sie nicht wirklich originell ist. Es wirkt auch nicht gut. Rolex-Uhr auch, wenn man weiß, was eine Rolex ist, dann ist es auch klar, dass es eine Uhr ist. Und wenn man nicht weiß, was eine Rolex ist, dann ist es auch okay, wenn man sagt, er sieht auf seine Uhr und dabei ausdrückt, dass es eine teure Uhr ist. Der Text ist originell, da ist es überraschend, dass der Tod am Schluss nicht sehr originell verläuft. Das ist sehr entzaubernd. Es läuft auf jeden Fall nicht nach Plan, aber so, wie es ist, ist es ein bisschen zu bedrückt.
Helena:
Das Ende wurde ein bisschen abgewürgt. In zwei Sätzen alles abtun, was während der Geschichte aufgebaut wird das könnte sie schon noch ausbauen.
Barbara:
Die Geschichte ist witzig. Das mit der Speisekarte gefällt mir sehr gut. Was mir nicht gefällt, ist einmal, dass sie schreibt, er fährt mit 100 km/h. Das ist nicht von Bewandtnis. Es ist egal, wie schnell er fährt. Die Geschwindigkeit stört mich, vor allem, dass sie in Zahlen dasteht. Das bewirkt eine Sachtextwirkung eine Physikwirkung. Ich frage mich auch, wie seine Frau reagiert. Wenn mein Ehemann da seine Gruft bauen lässt und seine Beerdigung plant, dann sitze ich da nicht daneben und denke: ja, mach mal. Ich würde auf jeden Fall nicht so reagieren wie seine Frau. Deshalb finde ich, dass man die Frau aus der Geschichte einfach streichen sollte, oder sie anders schildern. Mich wundert auch, wieso er mit zwölf aus der Stadt gejagt worden ist. Und wieso sein Tod von solcher Bewandtnis für die Bewohner sein soll. Das kratzt mich ja nicht, wenn einer seine Gruft baut und dann tot ist.
Klara:
Ich fand die Geschichte ganz nett und lustig. Nur damit sie wirklich lustig ist, hätte ich diesen Wortwitz einfach durchgezogen. Teilweise ist sie nämlich eine normale Geschichte, dann ist wieder etwas Lustiges, und ich würde das vereinheitlichen. Ich würde auch aufbauen, indem man beschreibt, was vor 50 Jahren passiert ist. In die Länge ziehen und dann am Schluss auf den Höhepunkt hinarbeiten. Das Ende ist viel zu plötzlich. Das müsste man ausbauen, eben auch mit Gedankenschilderung.
Martin:
Es ist eine lustige Geschichte. Am Ende hat mir gefallen, dass es so lapidar ist. Natürlich, man hätte da doch noch ein wenig einbauen können, wie es auch schon gesagt worden ist. An manchen Stellen fehlt es an Information, z.B. hätte ich auch gerne gewusst, was das für ein markantes Ereignis war, dass ihn vor 50 Jahren aus dem Dorf getrieben hat. Ich frage mich auch, da 50 Jahre eine sehr lange Zeit sind, ob man da wirklich eine Jahresangabe nehmen muss. Ich hätte gern ein bisschen mehr Hintergründe von dieser Geschichte gewusst. Das hat mir am meisten gefehlt.
Johannes:
Mir hat es auch ganz gut gefallen. Auf die Weise bekommt der Titel im Nachhinein auch noch eine ironische Bedeutung. Das am Ende klar wird, dass es sich doch um eine lustige Geschichte gehandelt hat, und da ist für mich das größte Problem. Ich denke, man hätte sich schon entscheiden sollen, dass es eine Satire ist, und diese Sachen schon vorher in den Text einbauen können. Ansonsten, das ist auch schon gesagt, die Zahlenangaben, solche Dinge wie "alles sollte perfekt" sein, das stört mich immer wieder. Das ist nicht nur bei diesem Text. Mir hat das eigentlich nicht gestört, dass man nicht weiß, welche Tatsache ihn vor 50 Jahren aus dem Dorf getrieben hat. Ich glaube, es geht gar nicht darum, das psychologisch so auszuleuchten, sondern die Konstruktion, dass es am Ende auf dieses Ziel hinausläuft. Es stört auch nicht, dass man schon ungefähr weiß, worauf es hinausläuft. Der Schlusssatz ist gelungen, so lapidar, wie der ist. Auch die Frau muss nicht genauer dargestellt werden, so weit geht die Geschichte nicht, dass da eine Person so genau dargestellt werden muss. Ich weiß ja nicht mal von ihm, was er mag oder nicht. Ich weiß nur, dass er sich mit seinem Tod an diesem, seinem Dorf rächen will, und das ist das Einzige, was ich von ihm weiß. Mehr steht nicht in der Geschichte und ist auch nicht unbedingt notwendig. Nur wenn man das in eine Richtung entwickeln will, dann könnte man das psychologisieren. Aber das ist dann auch eine völlig andere Geschichte. Ich glaube, man sollte es dabei belassen und vielleicht die Komik ein bisschen steigern.
Hanka:
Mir fiel noch etwas ein zu dem, was der Johannes gesagt hat. Wenn man da eine Groteske daraus macht, dann würde ich da empfehlen ein bisschen Gogol zu lesen. Da könnte man nämlich die Frau als einen witzigen Aspekt einbauen, indem man sie einfach komisch charakterisiert, sodass sie einen Kontrast zu dem Mann bildet. Das würde dem Text vielleicht ganz gut tun.
Irene:
Einige Stellen sind nicht so genau beschrieben, z.B. warum er vor 50 Jahren davongejagt wurde oder wer seine Frau ist, oder dass der Tod nur in einem Satz beschrieben wird. Ich finde das nicht schlimm, eher, dass das der Geschichte einen eigenen Charakter gibt. Man denkt selber darüber nach, was es ein könnte. Es beschäftigt einen mehr, als wenn hier beschrieben würde, wie das genau ablief.