Kritik zu "Schrei nach Horizonten" von Josefine Carius
Die Textbesprechung fand während der Werkstattwoche in Walding bei Linz am 3. September 2002 statt.
Susanne:
Ich habe es eigentlich recht gut gefunden. Nur teilweise habe ich nicht ganz verstanden, was du jetzt gemeint hast, wenn du von den Fronten und dann von den Bergen schreibst. Ich weiß zwar nicht ganz genau, was du meinst, aber ich glaube, ich habe größtenteils den Sinn deines Gedichtes verstanden. Ich habe es auch ganz gut gefunden.
Lisa:
Ich habe das Gedicht jetzt eigentlich nicht so richtig mitgekriegt. Ich fand es ein wenig seltsam.
Florian:
Das Thema haben wir gerade schon mal wieder gehabt. Es kommt irgendwie der Schrei nach der Helligkeit am Ende des Tunnels wieder heraus. Für dieses Thema ist es nicht einmal so schlecht.
Thomas:
Als erstes, es reimt sich. Was ich eigentlich jetzt noch nicht so oft gesehen habe ist, dass irgendwie die Überschrift scheinbar schon zum Text gehört, weil sich "Horizonten" schon mit "Fronten" reimt. Du hast den Reim dann jedoch nicht durchgehalten, vielleicht Absicht oder auch nicht. Die letzte Zeile passt nicht zu diesem Reim. Und ich verstehe es einfach nicht. Was hat der "Horizont" am Anfang mit den "Fronten" und unten dann mit "Tränen" zu tun, und warum will sie da Erlösung finden?
Gabór:
Ich gebe dem Thomas ziemlich recht. Also, mit den Reimen ist mir das auch aufgefallen. Mir scheint, dass die Reime da vordergründig sind und der Inhalt nicht so wichtig. Dadurch kommen da völlig sinnlose Dinge raus, wie "Bergen" "Scherben". Wo ich glaube, dass man das Wort "Scherben" nur gefunden hat, damit es sich zu "Bergen" reimt. Inhaltlich sagt es mir nicht viel.
Johanna:
Ich würde sagen, sich auf das Gebiet der Reime zu trauen, ist ziemlich mutig. Vor allem setzt das einen sehr großen Wortschatz voraus. Bei diesem Gedicht scheint vieles willkürlich, eben weil man keinen besseren Reim gefunden hat. Also, dass man das erstbeste Wort nimmt, das einem einfällt, oder das man kennt, was dann den Sinn ziemlich verschleiert. Ich finde überhaupt, vom Sinn her, "Schrei nach Horizonten" weckt in meinem Kopf ein anderes Bild, als welches dann wirklich dargestellt wird. Und so wie es zusammengestellt ist, gerade mit den Reimen, ist das Bild, das auch rüberkommt, ziemlich verwirrt. Die Suche nach einer Lösung, die nicht wirklich erklärt ist, oder nachvollziehbar ist und dementsprechend ist das Ganze größtenteils verwirrend.
Elisabeth:
Ja gut, es ist mutig, sich auf Reime einzulassen, aber das Problem ist eben, dass die meisten einfach noch an den Reimen festhängen, weil sie meinen, sie müssen es unbedingt tun, weil ein ungereimtes Gedicht ist kein Gedicht. Aber sie hindern einen öfter, als dass sie einem helfen. Vielleicht solltest du versuchen, dich von den Reimen wegzubewegen, und einfach in Gedichten auf die Bilder zu achten, und nicht mehr auf die Reime. Ja, ansonsten, es ist eben etwas verwirrend. Ein paar Bilder gefallen mir, aber es kommt eben nicht so wirklich raus, was du willst. Vor allem, du willst irgendeine Erlösung, aber die beschreibst du nicht, und was haben die "Horizonten" mit den "Fronten" zu tun und die "Scherben"? Die Scherben gefallen mir überhaupt nicht, weil es wieder so ein Reimwort ist. Vom Rhythmus her hast du es sehr schön gemacht, aber am Schluss dann eben der Bruch. Aber vielleicht solltest du dich von den Reimen wirklich wegbewegen.
Martin S.:
Ich finde den Reim mit den nicht ganz treffenden, zum Sinn passenden Wörtern ein bisschen überschätzt. Davon abgesehen, ist es ganz hübsch.
Thera:
Ich finde, für ein gereimtes Gedicht, ist es echt nicht schlecht. Gedichte sind immer so dramatisch, aber das liegt vielleicht daran, dass es viele Wörter gibt, die dramatisch werden, und das Normale viel schwieriger zu beschreiben ist. Bei den "Schrei nach Horizonten" geht es mir gleich wie die Johanna, der falsche Erwartungen weckt. Ich finde, es sind ganz gute Ideen drinnen, und ich finde, man muss nicht unbedingt aufhören zu reimen, es braucht nur viel Übung.
Constanze:
Also, das Thema, oder dein Schlüsselwort mit den Horizonten, das fand ich sehr reizvoll, und ich hätte mir gewünscht, dass dieses Bild oder dieses Reizwort ausgereizt wird und zu einem Bild entwickelt wird. Ehrlich gesagt, habe ich das Gefühl beim Lesen, dass die Reime dich mehr beschäftigt haben, also dass du dadurch ein bisschen von deinem Zentrum weggekommen bist.
Martin:
Da ist es mir eigentlich ähnlich gegangen. Ich glaube, dass sehr viel zugunsten des Reimes geopfert worden ist. Ich glaube, es wäre besser gewesen, sich mehr auf die Bilder zu konzentrieren und zu schauen, stimmen diese Bilder jetzt wirklich zusammen. Entwickelt sich da ein Bild aus dem anderen, weil ich habe da so das Gefühl, dass hier Bilder zusammengebracht worden sind, die irgendwie sehr weit weg voneinander liegen. Die "Horizonten" und die "Fronten" passen vielleicht noch irgendwo zusammen, aber dann kommen die großen Berge und die Scherben, und da wird es dann immer seltsamer für mich. Man sieht, es ist sehr knapp gehalten, das hat mir eigentlich schon gefallen, und auch vom Rhythmus, vom Klang her, es hat irgendwie ein bisschen etwas Musikalisches an sich. Das größte Problem sind also die Bilder, die nicht zusammenstimmen. Da würde ich noch daran arbeiten, das wäre es auch wert.