Kritik zu "Tag und Nacht" von Marie
Die Textbesprechung fand während der Werkstattwoche in Walding bei Linz am 3. September 2002 statt.
Gabór:
Mir gefällt das Gedicht "Das Kind" von ihr besser als dieses. Bei diesem Gedicht finde ich die Sprache sehr schön, sehr schöne, klare Bilder. Es gibt immer einen Kontrast, hell dunkel, Erde Sonne, Kinder Mond. Wobei es nicht ganz klar ist, wer jetzt wirklich gewinnt. Zuerst "Lieder" aber dann singt der Mond die Lieder des Todes.
Thomas:
Für eine 13-Jährige finde ich es ziemlich gut, muss ich ehrlich zugeben. Ich habe eigentlich nicht viel zu sagen. Der Schluss gefällt mir nicht, weil ich damit nichts anfangen kann. Sonst sehr schön.
Florian:
Ich kann mich dem Gabór und dem Thomas nur anschließen. Mir persönlich gefällt der Surrealismus sehr an dem Gedicht, die Kontraste eben zwischen hell dunkel. Ich finde es extrem gut für 13 Jahre.
Lisa:
Ich finde das Gedicht ganz okay. Nur die "Träne", die fast überall vorkam, fand ich ein bisschen seltsam.
Susanne:
Mir hat das Gedicht nur halb gefallen. Der Anfang war nicht schlecht, aber wie du dann plötzlich auf die Sonne gekommen bist, einfach so, und dann wieder über die Nacht geredet hast, das hat mir dann nicht mehr so gefallen. Das war irgendwie zu plötzlich und unverständlich.
Thera:
Ich finde es sehr konventionell. Der Tag ist immer gut, und die Nacht ist immer böse, ich glaube, das haben wir schon tausendmal gehabt. Aber für eine 13-Jährige ist es echt super. Was mich ein bisschen stört, dass sind so die Adjektive, die sind ein bisschen vorprogrammiert, z.B. "Die flammende Schönheit der Sonne" oder die "kalten Schatten des Mondes". Und der Mond ist immer irgendwie der Mörder. Ich würde mir mal wünschen, dass das mal umgekehrt wird. Das Gedicht ist eigentlich trotzdem gut.
Martin S.:
Es gefällt mir eigentlich recht gut, auch von den Bildern her, z.B. die Giganten des Himmels. Aber es geht mir ein bisschen zu stark hin und her, Mond Sonne, Nacht und dann noch am Schluss die Lieder des Todes, aber mir gefällt es recht gut.
Elisabeth:
Das Gedicht gefällt mir wirklich gut. Natürlich ist es vom Inhalt nur schwarz-weiß, und so, was man sich eh denkt. Es kommen auch ein paar Dinge vor, z.B. die Träne des Glückes, dann die Hoffnung, der Tod. Es ist ein bisschen schwierig, denn wenn man so schwarz-weiß-Dinge macht, muss man eben mit den Bildern aufpassen, weil sonst wird es so "Herr der Ringe"-mäßig. Grundsätzlich, für 13 ja, das ist schon okay.
Johanna:
An den "Herr der Ringe" kann ich mich jetzt nicht anschließen, aber sonst an vieles, was bereits gesagt worden ist. Es ist wirklich eine wunderschöne Sprache, die verwendet wird. Viele Metaphern, auch Surrealismus, aber sehr dosiert eingesetzt. Ich finde es sind wirklich klare, schöne Bilder, mit denen jeder etwas anfangen kann. Im Alter von 13 Jahren ist es eine ziemlich beachtliche Leistung, so ein recht mitnehmendes, also nicht allzu tiefgehendes, aber trotzdem schönes Gedicht.
Constanze:
Für mich hat das Gedicht eine sehr starke Atmosphäre, also, ich sehe da ein ganzes Himmelstheater. Wie die anderen schon gesagt haben, sehr viel schwarz-weiß, und die beiden Gegenparteien kämpfen miteinander. Das ist sehr ausdrucksstark. Was mir auch noch gut gefällt, dass ist der Rhythmus, also es ist ein sehr musikalisches Gedicht für mich. Und ich denke, es ist jetzt wichtig für die Autorin, nachdem sie eben gezeigt hat, dass sie sich ausdrücken kann, sich auf die Suche nach eigenen Bildern zu begeben.
Martin:
Ich finde auch, dass es für 13 ein sehr gelungenes Gedicht ist. Wenn man bedenkt, dass in dem Alter noch viele Reimgedichte schreiben. Ich finde es mutig, was sie da ausprobiert hat. Ein bisschen hätte ich bei den Bildern vielleicht noch weitergesucht. Also, das erste Bild, das einem einfällt, ist vielleicht nicht unbedingt das Beste. Hier hätte ich eben, wie gesagt, noch mehr Zeit investiert, obwohl, die Bilder, so gängig sie sind, auch wieder nicht so schlecht sind.
Am Ende gerade hat für mich das Gedicht, dann doch etwas Eigenes gefunden. Eben einfach von der Kombination her, also "Schatten des Mondes" ist vielleicht jetzt nicht unbedingt so ungewöhnlich, aber dann auch in Beziehung gesetzt zu den "Liedern des Todes", die dann von ihnen gesungen werden, das hat mir dann doch irgendwie gefallen. Es hat einfach etwas Atmosphärisches. Was für mich schon ein bisschen zu allgemein war, waren eben die Giganten, "Giganten" ist eben etwas sehr Abstraktes. Also, bei Giganten habe ich nicht wirklich ein Bild vor Augen, wenn ich so etwas lese oder höre. Und die "Träne des Glücks" ist eben auch etwas Gängiges, aber zumindest wird mit dieser Träne dann auch das Weinen der Nacht noch fortgesetzt. Also, insofern hat es mich wiederum nicht so sehr gestört.
Ich denke mir, das Gedicht würde eben noch mehr gewinnen, wenn bei den Bildern noch etwas sorgfältiger ausgewählt würde, zum Beispiel könnte man in der Zeile "verdrängt die tiefe Schwärze der Nacht", indem man vielleicht einfach nur "die Schwärze" weglässt und "verdrängt die Tiefe der Nacht", das klingt schon ganz anders und einfach auch schon besser. Vielleicht gibt es ja auch noch andere Stellen, wo man so probieren könnte, dass man da dann noch was besseres findet.