Kritik zum Text "Angst" von Marion Brugger
Die Textbesprechung fand während der Schreibzeit Graz II am 8. Juli 2002 statt.
Vera:
Die Angst kann man vielleicht ein bisschen besser beschreiben. Meiner Meinung nach ist das ziemlich oberflächlich.
Susanne:
Ich kann irgendwie nicht soviel dazu sagen. Für mich sind sehr wenige Bilder drinnen. Es ist immer nur Angst, Angst und wieder Angst. Das Monster ist irgendwie so ein Klischeemonster. Es ist vielleicht noch ein bisschen kindlich. Das Bild mit dem Sand habe ich ganz nett gefunden, aber leider war es auch das einzige Bild. Ich denke, Angst kann man noch viel schillernder beschreiben.
Elisabeth:
In allen Beschreibungen der Angst kommt das Wort Angst vor. Das Monster ist auch nicht wirklich beschrieben, außer durch die Zangen und die weit aufgerissenen Augen, und selbst diese beiden Sachen sind nicht sonderlich außergewöhnlich. Sie sollte versuchen, das Gefühl Angst zu beschreiben, ohne das Wort zu verwenden, dann fällt es einem auch leichter, sich in die Beschreibung zu vertiefen.
Cordula:
Ich glaube, es gibt sehr viele Texte mit einem Monster, dem Laufen, dem Davonrennen.
Susanne:
Nicht sehr originell.
Conny:
Es hat von Anfang eher wie ein Albtraum geklungen, nur die Angst war nicht wirklich beschrieben. Ich dachte, das will zum Nachdenken vielleicht anregen, nur, dann würde ich das Monster nicht so beschreiben. Also, dass man nachdenkt, wovor sie davonrennt. Sie kann zwar sagen, dass da irgendein Monster ist, dann würde ich es jedoch nicht mit klappernd drohenden Zangen beschreiben. Dann stellt sich nämlich jeder das Monster vor und keiner denkt mehr nach, was das für eine Angst jetzt wirklich war. Der Schlusssatz deutet ja auch eigentlich an, das es nicht so um das Monster, sondern eigentlich um die eigene Angst geht.
Es ist zwar in Lyrikform geschrieben, aber eigentlich ist es doch Prosa.
Chrissi:
Ich finde den Anfang sehr schön beschrieben, mit dem Sand und dem Meer. Dann kommt aber aus dem nichts ein Monster und klappert mit seinen Zangen.
Nach dem "Ein Schatten beugte sich über mich" kommt dann gleich dieses "gefangen" und "Gefangen in meiner eigenen Angst", das hört sich fast so an, als ob man selbst das Monster ist.
Christin:
Ich finde, wie sie das beschrieben hat, mit dem Sand, da musste ich nicht an Angst, sondern an einen schönen Morgen am Strand denken. Das passt irgendwie nicht, obwohl es schön beschrieben ist mit "Sand klebte zwischen meinen Zehen".
Danach baut sie Spannung auf, aber mit dem "Verdammt! Was nun?!" fällt die Spannung wieder ab, obwohl ich mir denken kann, dass sie da die Spannung aufrecht erhalten wollte.
Vielleicht verliert es auch an Spannung, da sie immer mit dem Subjekt beginnt.
Lisa:
Die Frage ist eigentlich, wie sie die Angst erlebt, oder wovor sie Angst hat. Ob das jetzt das Monster ist, oder ob es der letzte Satz "Gefangen in meiner eigenen Angst" zum Ausdruck bringt. Dass sie im eigenen Gefängnis mit ihrer Angst ist.
Johannes:
Die Überschrift "Angst" ist vielleicht nicht so gut gewählt. Man könnte es ja so schreiben, dass man es im Text mitbekommt. Am Anfang wurde für mich auch Spannung aufgebaut, aber mit "Sand zwischen den Zehen", da presst sich der sozusagen zwischen die Zehen, und ich sehe mich dann eigentlich auch am Strand sitzen. Aber dann sticht er ja, der Sand.
An der Stelle, wo es eigentlich los geht, kommt dann das Monster. Ich weiß auch nicht, ob es unbedingt nötig ist, zu sagen, wovor man sich fürchtet, in diesem Text. Das würde dem Text vielleicht auch die Spannung zurückgeben.
Aber wenn das Monster dann schon da ist, da "klappert das Monster mit seinen Zangen" und dann "beugte sich der Schatten über mich", und das ist dann für mich ein Fehler. Die Angst wird vorher immer sehr aus dem Ich geschildert, und dann ist es plötzlich wie aus dem Film. Dann schwenkt die Kamera hoch, und man sieht das Monster, wie es sich hinüberbeugt, und von hinten ist es dann schwarz, sozusagen in diesem Lichtkegel. Ich glaube, diesen Perspektivensprung an der Stelle, den würde ich mir gut überlegen.
Durch das "über die Schulter schauen" hat sie auch sehr schön Spannung erzeugt, aber durch das Monster war die Spannung dann für mich weg. Das ist auch, weil das Monster ein bisschen niedlich für mich ist.
Martin:
Für mich fängt der Text ziemlich spannend an, er hat eben auch Tempo. An der Stelle, wo das Monster kommt, wird es irgendwie seltsam, vielleicht, weil das Monster am Anfang eben auch nur benannt und nicht beschrieben wird. Die einzige Beschreibung, die dann noch folgt, das sind dann die Zangen. Für mich ist das zu wenig.
Ich habe mir auch überlegt, dass das Monster eine Methaper ist und eben als Bild für etwas anderes steht. Das wäre auch eine Variante, aber dann müsste es auch herauskommen, wofür es steht. Insgesamt habe ich es interessant gefunden, da der Text ziemlich dicht ist. Also, es steht kaum etwas, wo man sagen könnte, das müsste weggestrichen werden. Es ist ja oft so, dass die Texte eher auswuchernd sind als knapp gehalten.
Ich denke mir, da könnte man durchaus noch eine schön spannende Geschichte aus dem Text machen.