Kritik zum Text "Das Ende" von Andreas Wuttei
Die Textbesprechung fand während der Schreibzeit Graz II am 8. Juli 2002 statt.
Elisabeth:
Ich weiß nicht, warum er es gereimt hat, vor allem, da es auch nicht durchgehend gereimt wurde. Es hat auch teilweise keinen Rhythmus. Ich frage mich, warum er so ein gutes Thema nicht in Prosa verarbeitet hat, weil in dem Fall ein Gedicht sehr schwierig ist. Es ist vom Stil auch eher Prosa als ein Gedicht.
Cordula:
Das Reimen ist wirklich unnötig. "Ein weiteres Schaf im gläubigen Glied", klingt sehr seltsam. Das Wort "vergoren" passt meiner Meinung nach auch nicht ganz. Es passt allgemein nicht alles so gut zusammen.
Conny:
Er nimmt da ziemlich viel aufs Korn. Zuerst die christliche und dann die islamische Kirche, dann den Antisemitismus und die Menschheit als Ganzes. Wenn er das nicht so gereimt hätte, könnte man es als Anklageschrift an alle verschicken, die jemals irgendetwas verbrochen haben. Der Schlusssatz ist nicht so schlecht, da er dort endlich einmal einen Rhythmus gefunden hat. Ich würde es auch wirklich als Prosatext schreiben. Er hat manchmal zwei Zeilen in eine gedrängt. Die "vergorenen Menschen" haben mir auch nicht so gut gefallen, denn wir sind keine Marmelade. Das Thema ist sehr schwierig.
Chrissi:
Ich weiß nicht, ob das wirklich so gemeint ist, wie er es geschrieben hat, oder ob da nicht etwas Ironie dahintersteckt. Ich finde, man sollte das Reimen durchziehen bis zum Ende. Es war bestimmt schwierig, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Es klingt so ein bisschen rachsüchtig, als ob ihn irgendwas erschüttert hat und er sich nun rächen will.
Christin:
Ich schließe mich der Meinung an, dass der Rhythmus fehlt. Ich habe bei zweimal vorlesen auch nicht alles verstanden. Ich will es auf jeden Fall noch öfters lesen. Mit der Überschrift kann ich mich nicht ganz anfreunden.
Lisa:
Es ist sicher schwer, da es ein sehr komplexes Thema ist. "Morgen Kinder wirds was geben", ist mir aufgefallen, da es meiner Meinung nach nicht so gut in den Text passt.
Vera:
Es ist sehr holprig zu lesen. In einem hat er recht, wenn man ein Christ ist, ist es egal, was man tut, denn die Kirche steht hinter einem.
Susanne:
Ich bin kein Freund von sich reimenden Gedichten. Der Rhythmus passt auch nicht. Ich habe dann lieber Gedichte, die sich nicht reimen, aber einen eigenen Rhythmus haben, und vor allem nicht immer diese Klischeephrasen haben. Wenn ich schon so etwas Kritisches schreibe, dann würde ich versuchen, es origineller zu machen. Die Idee ist gut, warum soll man darüber auch nicht schreiben, aber ich glaube, er hat sich da ein wenig zu viel vorgenommen.
Ich finde, es müsste im Ganzen ein wenig ironischer sein, dann könnte man auch leichter einen Zugang dazu finden. Ein bisschen mehr Biss von Anfang an, denn der Schluss ist nicht schlecht.
Johannes:
Die Reime, um deren Preis man dann so ein Wort wie "vergoren" auf "geboren" reimen muss, ob man will oder nicht, das halte ich für fragwürdig. Am Schluss kommt mit "Morgen Kinder wirds was geben", eine Ironie, die am Anfang nicht da ist. Eigentlich ist es schon ein philosophisches Gedicht, Philosophie beschäftigt sich ja mit Welt- und Lebensfragen, also mit sehr allgemeinen Dingen, ich mag dann jedoch nicht, dass man philosophische Fragen mit Allgemeinplätzen abhandeln muss.
Es sind sehr große Wörter, aber hinter denen erscheint kein Bild in meinem Kopf.
Martin:
Ich kann mir vorstellen, dass ein erwachender "Schläfer", ein Terrorist so denkt. Dafür sind aber wiederum zu viele Weltbilder mit hineingekommen, sodass diese Lesart von dem Text auch nicht funktioniert.
Mir war nicht ganz klar, wer da spricht und welchen Teil der Menschheit er da anspricht. Eigentlich alle und niemanden.
Manches ist auch mit Gewalt gereimt, so wie "vergoren" und "geboren", es klingt zwar witzig, ist jedoch unpassend an dieser Stelle. Diese Ironie mit dem "morgen Kinder wirds was geben" hat mir irgendwo gefallen, aber das hat es eben nur an dieser Stelle gegeben. Das hätte ich mir öfter gewünscht.
Insgesamt glaube ich auch, dass sich die Person, die das geschrieben hat, zuviel vorgenommen hat. Die Person hätte er sich konkreter vorstellen müssen, die dieses sagt, und mit mehr Details hätte es interessanter werden können.