Kritik zum Text "Materialfrage" von Konstanze Killith
Die Textbesprechung fand während der Schreibzeit Hard am 18. Mai 2002 statt.
Thomas:
Ja, ich möchte jetzt wirklich nicht viel dazu sagen. "Schönheit" und "Herz" und "Schmetterlinge", das klingt ja schon ziemlich malerisch und ein bisschen überzogen, und dann eben "Fieber" und dann wieder "Herz" und "Flammen", das hört sich nach einem Versuch der Umschreibung von Leidenschaft an, obwohl ich das nicht wirklich schön finde. Mir gefällt es nicht wirklich gut.
Regina:
So schlicht finde ich das Gedicht jetzt auch wieder nicht. Es sind schon ein paar Sachen dabei, die sind schon oft so ähnlich gesagt worden, und was mich auch stört, ist dieses "Nüchtern". Also "Nüchtern", das ist für eigentlich gar kein richtiges Substantiv, ich weiß nur, es passt da irgendwie nicht. Da würde ich ein anderes Wort nehmen. Und wie er gesagt hat, "Fieber" und "Unlöschbare Flammen". Naja. Man kann schon noch was draus machen, so ist es nicht. Aber ich wollte nur noch mal sagen, bei den Bildern würde ich noch einmal genau nachdenken, ob man das noch mal ein bisschen anders sagen könnte. Weil sonst wirkt es auch so ein bisschen gewöhnlich.
Ruth:
Es ist eben auch das, was die Regina schon gesagt hat mit dem "Nüchtern". Wo sie zuerst "Schönheit" und "Zartheit" sagt und dann "Nüchtern" statt "Nüchternheit", das ist, kommt etwas seltsam. Ich weiß nicht, es spricht mich nicht so sehr an.
Marlene:
Mir gefällt in den Grundzügen die Geschichte dieser Liebe, scheint es, eigentlich schon. Ja, eben dieses "Nüchtern" und dieses "Herz aus Zucker", das macht es irgendwie, das verdirbt es dann ein bisschen. Ich habe das noch nie gehört, ein "Herz aus Zucker", und ich weiß auch nicht, was das jetzt bedeuten soll. Aber ich finde es grundsätzlich nicht schlecht.
Klara:
Die Idee gefällt mir eigentlich auch ganz gut, aber... "Fieber", "Unlöschbare Flammen" und dann "Zartheit" mit "Zucker"; das kann ich irgendwie nicht wirklich verbinden, da gefällt mir das mit "Schönheit" und "Schmetterling" schon besser, ist irgendwie einfacher. Und auch mit "Nüchtern" komme ich auch nicht wirklich zurecht. Ich meine, man könnte das schon verbessern, aber man könnte auch einfach was daraus machen, wie die Regina gesagt hat. Aber es klingt eben ein bisschen abgedroschen und kitschig, und das ist eben auch nicht ganz meines.
Barbara:
Ich finde einfach, das ist so blumig geschrieben und fast kitschig. Und die Wortstruktur, das ist eben alles schon so viel gebraucht, ja, ein "flammendes Herz" und "ein Herz aus Zucker" und so, das ist irgendwie schon verbraucht. Und dann das "Nüchtern", also ich weiß nicht, bei uns in der Schweiz heißt "Nüchtern", dass man keinen Hunger mehr hat. Also ich verbinde das jetzt mit Essen und da passt das meiner Meinung nach überhaupt nicht. (Lachen in der Runde.)
Thera:
Ich finde das Gedicht echt nicht schlecht. Es klingt so gut, wenn man es hört. Wenn man es dann näher betrachtet weiß nicht. Mir gefällt das "Nüchtern" ziemlich gut. Es müsste dann schon "Nüchternheit" heißen, aber das ist einmal etwas Anderes. Aber wenn man die anderen drei anschaut, "Schönheit", "Fieber" und "Zartheit" Fieber, wenn man Fieber hat, dann ist man nicht nüchtern. Also, mit dem "Nüchtern" meint sie vielleicht das Pure, dass überhaupt nichts da ist, irgendein Rauschgefühl oder ich weiß nicht. Und das Herz aus Zucker gefällt mir eigentlich auch gut. Das ist mal etwas Ungewöhnliches. Und "Schönheit", "Herz" und "Schmetterlinge", das ist ein bisschen abgegriffen, wahrscheinlich. Und den letzten Satz verstehe ich nicht.
Alexander:
Das Gedicht ist ziemlich konventionell. Das heißt, ich will nicht böse sein, aber eine Anhäufung an Klischees machen einfach kein Gedicht aus. Und Klischees sind hier einige drinnen. "Herz aus Zucker" und "Unlöschbare Flammen" usw. Ich kann mit dem Gedicht eigentlich nicht viel anfangen.
Julia:
Ich kann mich dem Alexander nur anschließen. Ich finde, das Gedicht ist jetzt ganz böse gesagt einfach nur Kitsch. Und die Bilder sind meiner Meinung nach schon so oft gebraucht worden, dass man das einfach nicht mehr unbedingt schreiben sollte.
Tanja:
Ich muss mich der Julia ganz anschließen. Ich finde auch, das ist alles schon so oft geschrieben worden, das ist einfach nur mehr so alt, das kennt schon jeder. Außerdem finde ich, das ist einfach so übertrieben geschrieben.
Malte:
Also ich denke mal, dass das ein Trugschluss ist, dass ein Gedicht unbedingt schön sein muss. Wenn man das meint, dann versucht man um jeden Preis, schöne Worte herbeizubringen. Nur sind diese schönen Worte dann auf die Dauer ein bisschen abgedroschen. "Schönheit", "Herz" und "Schmetterling", wenn mans ein Mal hört, ist es schön, beim zweiten Mal denkt man sich, ja, das geht noch und beim dritten Mal ist es dann schon ein bisschen zu hart, finde ich. Zudem komme ich mit der Aussage nicht ganz klar: Weil "Zartheit schließlich schenkte mir ein Herz aus Zucker" würde ja behaupten, dass man, wenn man jemand mit Zartheit belegt, dass der dann ganz weich wird und das ist ja irgendwie vollkommener Schwachsinn, weil das kann man ja... Ja.
Elisabeth:
Also ich habe das Problem, je öfter ich es lese, oder je öfter ich davon höre, desto weniger gefällt es mir. Es hat mir beim ersten Mal lesen wirklich noch besser gefallen. Da hat es mir noch wirklich gut gefallen. Naja, es stimmt schon, es sind irgendwie viele Klischees drinnen, das sehe ich jetzt auch, das habe ich vorher nicht so gesehen. Ich finde die Idee ganz nett, die Ausführung ist eben nicht so ganz toll geworden. Was mir sofort aufgefallen ist beim ersten Lesen, dieses "Nüchtern". Das Problem ist eben, es ist ein Adjektiv. Ich glaube, sie wollte mit diesem "Schönheit, Zartheit" auch brechen und dann ein Adjektiv hinschreiben. Aber das Problem ist eben, dass das dann eben nicht mehr zusammengeht.
Johannes:
Ja, das was zu Gedichten schon mal gesagt wurde, muss ich wieder sagen, es müssen also nicht unbedingt Sätze sein, um Gedichte zu verdichten. Das Problem mit dem Adjektiv "Nüchtern", worauf dann aber verwiesen wird mit dem "Ihres", das geht natürlich nur mit Substantiven. Das irritiert beim Lesen. Ich weiß nicht, ob das Absicht war. Alles, was nicht Absicht ist in einem Gedicht, ist nicht gut. Und das Spannende an dem Gedicht ist eigentlich das Ende, wo dann die Nüchternheit kommt und das Herz ein bisschen anders ist. Vielleicht ging es auch um die Beschreibung dieses Zustandes. Aber dann hätte man die ganzen ersten Zeilen um "Schönheit und Zartheit" mit diesen Bildern nicht gebraucht. Dann wäre eigentlich nur das Letzte spannend gewesen. Und wenn es dann mit etwas konkreteren Bildern ausgefüllt gewesen wäre, wäre es eine spannendere Geschichte gewesen, weil all diese anderen, wie das sonst ist, das muss man uns ja nicht erzählen, das kennen wir ja. Mich hätte ja interessiert, wie es wirklich ist, wenn man ein nüchternes Herz hat. Was hier der Endpunkt wäre, wäre vielleicht der Anfang für ein Gedicht. Aber so hört es an der Stelle auf, wo es vielleicht spannend wäre.
Martin:
Also mich hat vor allem irgendwo der Titel neugierig gemacht, weil er doch eigentlich sehr nüchtern ist für ein Gedicht, und habe mir dann eigentlich gedacht, nachdem da doch recht liebliche Bilder verwendet werden, also vielleicht sind die da doch irgendwie ironisch gemeint. Aber wenn das so gedacht war, dann ist das vielleicht doch nicht so ganz gelungen. Weil man das irgendwie nicht so richtig mitkriegt, dass das mit dem "Herz aus Zucker" eben so richtig ironisch gemeint ist. Es ist eben irgendwie so ein bisschen an der Kippe, und es müsste vielleicht noch mehr in die eine Richtung entwickelt werden, damit man weiß, wie das Gedicht genommen werden soll. Aber insgesamt ist es durchaus interessant, es müsste natürlich noch einiges daran gemacht werden, wovon ja einiges schon gesagt worden ist.