Kritik zum Text "Das Kind" von Marie
Die Textbesprechung fand während der Schreibzeit Hard am 18. Mai 2002 statt.
Regina:
Ich weiß auch nicht, was ich dazu sagen soll. Ich finde, es passt manches einfach nicht so gut zusammen. Gut, das ist zwar auch irgendwo der Sinn, die Gegensätze, aber "ausgetrocknet vom Glanz der heilen Welt" ... Ich weiß nicht, sagt mir einfach nicht so viel.
Ruth:
Mir geht es eigentlich genauso. Ich weiß nicht, ich komm nicht sehr gut zurecht mit diesem Gedicht. Auch irgendwie der Sinn, oder... Was sie damit genau ausdrücken will, das kommt meiner Meinung nach nicht heraus.
Marlene:
Ich finde die Sprache irgendwie so oberflächlich. Es hat irgendwie keine Poesie, dass man da irgendwie reinkommen würde. Und ja, das ist irgendwie nur so aneinandergereiht und vermittelt keine Bilder.
Klara:
Erst mal, ich finde das Gedicht für eine 13-Jährige gar nicht mal so schlecht. Aber einfach nur: "Hast du ein Kind gesehen" und der letzte Satz: "Wie es lächelt, wenn es vom Tod spricht", das ist für mich einfach nur wie schon wer gesagt hat, das hat irgendwie keinen Sinn, oder man weiß nicht, was du da jetzt damit sagen willst. Ansonsten, so schlecht wie die anderen bis jetzt gesagt haben, finde ich es eigentlich gar nicht, nur müsste es jetzt schon irgendwie ein Schema oder einen Sinn haben, was du damit aussagen willst.
Janine:
Ja, eigentlich habe ich das Gleiche zu sagen wie die anderen. Ich finde es eigentlich auch gut für eine Dreizehnjährige. Aber, ja, es könnte mehr Zusammenhang da sein.
Barbara:
Ich finde, für eine Dreizehnjährige schreibt sie eigentlich gut. Was ich ein bisschen holprig finde, war "Hasst du ein Kind gesehen?" Das würde ich irgendwie anders schreiben. Und was mir ein bisschen fehlt an diesem Gedicht, das sind die Bilder. Also, ich finde, sie sollte irgendwie Bilder beschreiben, dass es da noch irgendwie mehr Substanz bekommt.
Thera:
Ich wollte auch sagen, dass es für eine Dreizehnjährige ziemlich gut ist. Also, annähernd. Aber ich weiß nicht, es ist irgendwie, es hat keinen wirklichen Sinn, weil die Augen, die ausgetrocknet sind "vom Glanz der heilen Welt", das ist irgendwie komisch. Weil, das zweite Mal ist es dann "der lachende Schrei der Ironie" und irgendwie sehe ich da keinen Zusammenhang.
Nadja:
Ich kann mich nur an das anschließen, was die anderen schon gesagt haben. Für eine Dreizehnjährige finde ich, das Gedicht ist sehr gut, aber ich kann einfach den Sinn darin nicht finden.
Alexander:
Es fällt mir eigentlich ziemlich schwer zu sagen, ob ein Gedicht gut oder weniger gut ist. Aber wenigstens glaube ich, dass die Bilder mit Sonne und Nacht, Schatten des Mondes und der Tod eigentlich recht gut getroffen sind. Ja, das, was ich jetzt gerade gesagt habe, kann man wieder löschen. Ja, das mit dem Tod ist auch nicht ganz klar zum Schluss und der "Schrei der Ironie" auch nicht. Was ist da eigentlich gemeint damit? Ich habe den Sinn nicht ganz verstanden.
Julia:
Ja, ich kann mich eigentlich auch nur den anderen anschließen. Ich finde das Gedicht eigentlich gar nicht so schlecht, wenn man bedenkt, dass sie erst dreizehn ist. Ich denke, ein bisschen ausbauen sollte man es vielleicht, einfach damit es mehr Bilder zeigt, beim Lesen.
Tanja:
Ich finde das Gedicht auch nicht so schlecht für ihr Alter. Ich glaube, sie hätte sich auch ein bisschen mehr damit beschäftigen können, dann wäre es vielleicht besser geworden. Ganz verstehe ich es nicht.
Malte:
Ich denke, sie schreibt da zu lange Sätze, in Gedichten müssen eigentlich keine Sätze stehen. Zudem fehlt mir ein bisschen, dass sie in meinen Augen sich nicht wirklich überlegt, was sie genau damit aussagen will. Wenn, dann verstehe ich nicht, was die Aussage ist.
Elisabeth:
Ja, beim ersten Zuhören hatte ich überhaupt kein Problem mit diesem Gedicht, es hat mir ganz gut gefallen. Jetzt ist natürlich, okay, "Augen ausgetrocknet vom Glanz der heilen Welt", das ist irgendwie ungewöhnlich, man muss darüber nachdenken. Ich denke, dass ist einfach ein Bild, worüber man nachdenken könnte. Ob sie weiß, was sie damit gemeint hat, ist eben die Frage. (lacht)
Malte:
Es ist irgendwie so eine Übersättigung der Wohlstandsgesellschaft...
Elisabeth:
Ja, irgendwie habe ich auch das Gefühl. Das klingt jetzt einfach, das Beeindrucktsein davon, dass man ein Kind sieht, das schon alles gesehen hat und das eben nichts will, und das eigentlich nur mehr tot sein will. Wenn es lächelt, wenn es vom Tod spricht, heißt es eigentlich, dass es den Tod noch angenehmer empfindet. Und dass es schon ganz zynisch ist, und alles. "Hast Du ein Kind gesehen?" als Anfang, das gefällt mir nicht wirklich.
Thomas:
Es ist eigentlich ohnehin schon alles gesagt worden. Der Text lässt eigentlich viel Raum für Interpretation, und was ich mir denke, ist, warum sollte ein Kind vom Tod reden oder darüber lächeln, ich meine, wie alt ist dieses Kind, ich denke nicht, dass man in so jungen Jahren über den Tod lächelt und überhaupt mal spricht oder so, wenn es nicht wirklich ein extremes Erlebnis in der Vergangenheit von dem Kind gegeben hat oder so.
Johannes:
Mir hat das Gedicht eigentlich auch gefallen. Vor allem, weil es kurz ist. Gedichte sind oft zu lang. Das, was der Malte gesagt hat, da geht es mir auch so, mit den Sätzen, also wenn man Gedichte dichter machen will, also enger, dann kann man eigentlich eine Menge Sachen weglassen. Was mir auch nicht gefällt, ist die erste Zeile, "Hast Du ein Kind gesehen?" Ein Gedicht ist immer etwas sehr Spezielles, da muss also die Frage und danach geht es um ein spezielles Kind da müsste es schon heißen, "Hast Du das Kind gesehen?", weil eines, dann kann ich sagen: "So ein Kind habe ich nie gesehen" und damit ist das Gedicht erledigt. Und was mir trotz der Kürze nicht gefällt ist, dass man eigentlich dann auf diesen wenigen Zeilen prägnant sein hätte können, und dann kommen doch wieder diese Gegensätze wie "Der lachende Schrei" und dann so ganz allgemeine Wörter wie "Ironie". Ironie wovon? Wozu? Da hätte ich mir sehr gewünscht... Und das mit den "ausgetrockneten Augen vom Glanz der heilen Welt", ich hätte es immerhin nicht in Anführungszeichen gesetzt in einem Gedicht. Ich sehe es jetzt vor mir. Das ist eine Sache, die kann man sich vielleicht sparen. Und das Letzte: Es ist eben auch immer so eine Sache, "Der lachende Tod", "Das Lächeln des Todes", aber ich nehme das jetzt einfach mal so, wie es da steht. Vielleicht lächelt es ja auch, weil für Kinder ja der Tod auch oft noch sehr fern ist. Und deswegen hat es vielleicht ja auch einen positiven Schluss, das Gedicht.
Martin:
Ja, es ist ja wirklich schon vieles gesagt worden. Ich finde ja auch, für dreizehn Jahre ist das Gedicht eigentlich nicht so schlecht. Ist eigentlich ungewöhnlich, dass jemand mit dreizehn schon ein Gedicht schreibt, das sich nicht reimt. (Die anderen lachen) Ja, was mich eben so ein bisschen gestört hat, ist, dass es einfach hier eben ganze Sätze sind. Also, für mich hat sich das erst einmal nach Prosa angehört. Beim Gedicht ist es meistens besser, wenn keine vollständigen Sätze dastehen, sondern einfach die Wörter dastehen, die eben auch wirklich wichtig sind. Und dann habe ich eben auch wirklich ein Problem mit so "großen Wörtern", wie ich das immer nenne, Wörter, die eben etwas sehr Allgemeines sagen, so wie "Heile Welt" zum Beispiel, weil "Heile Welt", da versteht eigentlich jeder etwas Anderes darunter, oder "Ironie" ist eben einfach ein sehr abstrakter Begriff, unter dem man sich dann eigentlich konkret nichts vorstellen kann. Denn ein Gedicht lebt eben doch sehr stark von den Bildern, die verwendet werden. Und da hätte ich mir dann schon einfach ein Mehr an Bildern gewünscht in diesem Text.