Die Textbesprechung fand während des Werkstatttreffens am 5. April 2002 in Graz statt.
Christof:
Zuerst würde ich mich halt einmal fragen, ob sozusagen diese altertümelnde Form angebracht ist, die ja dann auch nicht zumindest, was den Reim betrifft bis zum Schluss durchgehalten wird und die großen Wörter stören mich teilweise auch. Beziehungsweise so oft verwendete Kombinationen wie "süßer glockenklang". Und ich glaube, das "süß" kommt dann sogar noch irgendwo wieder, und ich würde mir halt von einem Gedicht neuere oder unbekanntere Wortkombinationen erwarten, also etwas, das mich auch erstaunt, vielleicht. Viele Bilder in dem Gedicht sind halt schon sehr abgenutzt.
Martin:Mir ist es mit dem Text irgendwie ähnlich gegangen. Vor allem stört es mich, dass er von der Form her so inkonsequent ist. Eben die Zeilenlängen sind höchst unterschiedlich.
Christof:Es geht sich auch teilweise mit dem Rhythmus nicht aus.
Martin:Genau. Es wird eigentlich kein Rhythmus durchgehalten. Die Sprache das ist irgendwie schwierig, das ist halt auch Geschmacksfrage. Mich spricht sowas eher wenig an. Und wenn ich ein Gedicht höre in dieser Sprache, dann denke ich eher, das wird vielleicht irgend etwas Parodistisches, und tue mir daher etwas schwer, den Text als ernstes Gedicht zu sehen. Und das wird dann vielleicht auch verstärkt dadurch, dass halt einfach Bilder drinnen sind, die doch sehr, sehr lieblich sind, die man, glaube ich, doch entschärfen sollte. Einfach teilweise ziemlich gewaltige Bilder wie "selbstzerstörend einschloss" das "selbstzerstörend", das ist dann eigentlich auch unpoetisch im Vergleich zu den anderen, das ist eigentlich auch ein Stilbruch. Und "zerschmettert mit seiner macht" klingt eben auch sehr gewaltig oder "liebe in des hasses fluten". Und da haben wir auch das Problem mit den großen Wörtern wie "Liebe" und "Hass" Die besten Liebes- oder Hassgedichte sind eigentlich diejenigen, wo diese Wörter gar nicht vorkommen, sondern wo das Gefühl durch Bilder umschrieben wird.
Also, einerseits müsste hier, glaube ich, noch am Rhythmus gearbeitet werden. Es müsste auch entschieden werden, ob das Gedicht sich reimen soll oder doch nicht an manchen Stellen reimt es sich, an anderen nicht, was unmotiviert wirkt, weil es sich aus dem Text heraus nicht erklärt. Und dann würde ich auch die Bilder sorgfältiger auswählen. Also nicht das, was vielleicht das Naheliegendste ist vielleicht ist nämlich das Übernächste oder Überübernächste, das einem einfällt, doch die bessere Idee.
Malte (per E-Mail):das gedicht "bittersüß des hasses trank" zeigt ein starkes lyrisches können. ich frage mich nur, ob der/die autor/in bewusst mit einem reimgedicht begann, um diesen reim im späteren verlauf aufzugeben. ich denke, man sollte eine einheitliche struktur trotz allem beibehalten. die reime sind gut, doch muss man gedichte nicht reimen, wenn einem nicht danach ist. in der vorletzten strophe müsste man, glaube ich, anstatt "hasses bittersüßen..." "hasses bittersüßem..." sagen es ist ja "der trank".