Kritik zum Text "Der liebestraurige Brotkrümel" von Barbara Ritter
Die Textbesprechung fand während des Werkstatttreffens am 5. April 2002 in Graz statt.
Christof:
Also, ich würde die Moral, die da explizit erklärt ist, streichen. Und ansonsten gefällt es mir ganz gut. Schöne Idee. Auch sprachlich eigentlich gut. Sonst keine Einwände.
Martin:Mir gefällts auch ganz gut. Es ist halt eher schlicht gemacht, von der Sprache her, so wie ein Märchen eigentlich. Aber als solches, glaube ich, funktioniert es auch. Ich meine, es ist halt ein bißchen kurz. Ausbaufähig wäre es vielleicht schon. Und was mich dann vielleicht doch ein bisschen gestört hat, ist diese Redewendung "auch andere Brosamen haben schöne Töchter." "Auch andere Mütter haben schöne Töchter" das ist halt so eine Phrase, die einfach oft verwendet wird im Alltag, in der Alltagssprache das würde ich einfach ersetzen durch etwas Anderes, Eigenes. Und besonders gestört hat mich die Moral am Schluss, weil die braucht es eigentlich überhaupt nicht, weil die Geschichte eh für sich spricht.
Christof:Und die Moral auch deutlich macht.
Martin:Auf jeden Fall. Es ist eigentlich witzig geschrieben, es ist auch irgendwie unterhaltsam. Ich war halt nur traurig, dass es so schnell zum Ende hin gegangen ist.
Christof:Ich versteh das ja teilweise, weiß aber auch nicht, ob sozusagen die Erlebnisse dieses Brotkrümels noch ausbaufähig sind.
Martin:Im Prinzip wärs dann eine andere Geschichte.
Christof:Ja, an welchen Umfang hättest du da so gedacht?
Martin:Naja, jetzt nicht in Seitenzahlen oder so. Ich hab mir nur gedacht, vielleicht würde die Idee noch ein bisschen mehr hergeben. Aber es funktioniert vielleicht auch in der Kürze.
Malte (per E-Mail):ich habe die geschichte "der liebestraurige brotkrümmel"
als sehr lustig empfunden und musste an vielen stellen lachen.
"rinde ringo mit der harley" ist zum beispiel eine sehr
gelungene idee.
am schluss ging es mir ein wenig zu schnell. es ist mir nicht
ganz klar, wie jemand nach dem weg fragen kann, und sofort in
ein tiefsinniges gespräch verwickelt ist. vielleicht kann
man das nach-dem-weg-fragen auch als suche nach dem lebensweg
interpretieren und später eleonora fragen lassen, ob er mit
ihr käme, um vor dem aufräumen des brotkastens zu fliehen.
ich würde vorschlagen, am ende den dialog zwischen alfred
und eleonora stärker auszubauen (zumal er ja für alfreds
schicksal entscheidender ist, als das gespräch mit dem kuchenkrümel).