Kritik zum Text "Xedra" von Alexander Klempel

(Auszug)

Die Textbesprechung fand während des Werkstatt-Treffens in Graz am 24. 9. 1999 statt.

 

Der Text ist sehr motiviert geschrieben. Aber furchtbar langweilig. Wo hapert’s? Die Handlung ist so, daß man da nichts Neues findet. Ein bißchen Möchtegern-Philosophie steckt da drinnen. Vielleicht will er uns mit dem Text etwas sagen. Aber das ist irgendwie schlecht angekommen. Ich habe schon viele schlechte Abenteuergeschichten gelesen. Aber das war mit Abstand die langweiligste, weil hier so lange nichts passiert, zumindest in der ersten Hälfte des Textes. Und die Namen der Personen wirken irgendwie komisch. Was mich auch noch stört: Daß hier zwischenmenschliche Dinge total fehlen, in dem Text. Es wird nur das Notwendigste gesagt, aber dessen bedarf es nicht. Und plötzlich ist da ein gewisser Russell, und dann ist der auf einmal ihr Liebhaber ...

Anselm

Dem muß ich widersprechen. Ich habe den Text zwar langatmig gefunden, aber schon interessant. Vielleicht liegt es auch daran, daß ich mich sehr für Mythologie interessiere und für Philosophie. Einzelne Abschnitte habe ich gut gefunden, teilweise gab es Wiederholungen, war er langweilig. Aber alles in allem habe ich ihn interessant gefunden. Ich finde, die Hauptperson sollte man mehr charakterisieren.

Teresa

An Anfang hat mich der Text an "Indiana Jones" erinnert, mit der Suche nach Xedra, dann hat er gewechselt zu "Star Gate", mit dem Portal, wobei das gar nicht so schlecht war, diese Art Abenteuerroman. Die Stelle, wo Nadine im weißen Licht war, das hätte er vielleicht klarer schreiben sollen, den da ist der Schlüssel zum ganzen Text. Ich schätze, er wollte ihn auf dem letzten Satz (Wenn sich jeder in eine vermeintlich schönere besser Welt flüchtet und sie dem Leben vorzieht, wie lange wird die Menschheit dann wohl noch existieren?) aufbauen, hat das aber nicht ganz geschafft. Er hätte sich vielleicht mehr daran halten sollen. So wirkt das ganze verflossen.

Christine

Es ist ja gut möglich, das das alles nur so ein Suchgiftdrama ist. Und daß das mit "besserer Welt" gemeint ist. Aber der letzte Satz ist wirklich abscheulich.

Anselm

Ich finde, der letzte Satz war der beste.

Christine

Der letzte Satz ist so geschwollen, so falsch, so lächerlich. Grauenvoll.

Anselm

Es war harte Arbeit, sich durch den Text durchzukämpfen, vor allem am Anfang. Für mich zerfällt der Text in mehrere Teile. Es sind hier sehr viele Ortswechsel, Sprünge drinnen, die vielleicht ein bißchen irritierend wirken, vor allem, wenn man den Text zum ersten Mal liest oder hört. Die erste Stelle, die Suche nach dieser geheimnisvollen Stadt, ist noch relativ geschlossen. Aber dann kommt auf einmal diese Szene mit der Seele, wo aus der Perspektive der Seele geschildert wird, und das aber nur relativ kurz, dann, auf einmal, ist die Nadine im Krankenhaus, und dann sitzt jemand im Büro mit dem Arzt, und dann wechselt schon wieder die Szenerie. Ich glaube, diese vielen Ortswechsel, diese vielen Personen – das würde viel mehr Seiten brauchen, damit man auch mitkommt als Leser. In diese zwölf Seiten ist einfach zuviel hineingepackt. Ich würde dem Autor mehr Mut zu kürzeren Formen raten, denn offensichtlich hat er sich hier etwas zuviel vorgenommen. Was mir sehr positiv aufgefallen ist: Er kann wirklich sehr gut erzählen, es ist wirklich flüssig geschrieben. Ob langweilig oder nicht, ist vielleicht mehr eine Geschmacksfrage, die Frage, ob einen das Thema interessiert.
Ich würde auch überlegen, ob die Personen richtig eingeführt sind. Es fallen hier auf einmal Namen – zum Beispiel erfährt man erst auf der Seite acht, daß Nadine ein Kind hat. Und es ist etwas merkwürdig, daß es nirgendwo erwähnt wird, während sie in Höhlen herumirrt, daß sie an keiner einzigen Stelle auch nur mit einem einzigen Gedanken bei diesem Kind ist. Die Nadine kann man sich noch relativ gut vorstellen. Aber die anderen Personen kommen doch ein bißchen zu kurz. Die müßten noch genauer herausgearbeitet werden.

Martin

Ich möchte sagen: Auf jeden Fall sind hier gute Ansätze.

Christine

Ja, das stimmt.

Anselm