Kritik zum Text "Liebe ist nicht mehr" von Matthias Böhm

(Auszug)

Die Textbesprechung fand am 1. Juli 2001 während der Schreibzeit Leoben statt.

 

Conny:

Ich finde, für 17 Jahre waren einige Formulierungen nicht sehr glücklich. Der Schluss war etwas abrupt und unerwartet, ein bisschen grausam, würde ich meinen.

Daniela:

Du ersten zwei, drei Sätze haben mir gefallen, die habe ich gut gefunden.

Maria:

Ich frage mich die ganze Zeit, was ein Fußgängerüberweg ist. Nach dem Anfang war es ziemlich billig. Es war eine Mischung aus Liebesgeschichte und total grausig. Es war eigenartig: Alles war gemischt, man hätte das, glaube ich, trennen können.

Kathi:

Für mich war der Anfang extrem schmalzig, also eher wie Rosamund Pilcher und das Ende dann mehr wie Steven King – das hat überhaupt nicht zusammengepasst. Die Formulierungen waren auch teilweise sehr unglücklich. Nicht nur wegen dem Fußgängerüberweg, was halt ein Germanismus ist, auch sonst ... komisch.

Nane:

Ich habe die ganze Geschichte irgendwie total witzig gefunden. Zuerst wird alles so detailliert beschrieben, dann der Schluss: Er fühlt nicht mehr ... blablabla ... er ist nicht mehr ... Punkt. Die Beschreibungen waren ein bisschen unglücklich, aber ich weiß nicht, ob er wollte, dass man lacht, wenn man’s liest und fertig ist. Aber wenn das eine tragische Beschreibung sein hätte sollen, dann ist sie nicht so gut. Wenn er es eher auf witzig machen wollte, dann ist es ihm recht gut gelungen.

Susanne H.:

Ich fand, der Anfang war ziemlich Klischee und dann wieder doch nicht, der Schluss passt irgendwie gar nicht zum Anfang. Vielleicht hatte der Schreiber am Schluss irgendwie aggressive Laune gehabt und wollte noch irgendetwas Böses mit dem Hauptdarsteller machen. Dann fand ich die Person am Anfang schon ziemlich uninteressant, so ein bisschen schwarz-weiß wie seine Kleidung – so Fußball-Schule-mäßig. Am Anfang war der Ausdruck ganz okay. Aber als ich dann gehört habe, dass er 17 ist, war das angemessen. Am Anfang war es eine typische Geschichte, einige Wendungen haben mir überhaupt nicht gefallen, so wie: Droge, von der man nicht mehr loskommt und so was. Am Anfang hatte das auch überhaupt keinen Reiz, es war alles irgendwie eindeutig, taugt höchstens so als Jugenderzählung für die fünfte Klasse. Das Ende fand ich echt niveaulos – nur noch eklig – ohne Zauber, ohne Sinn, ein bisschen ungekonnt.

Susanne M.:

Was mir als einziges gefallen hat, war gleich nach dem Anfang, dass man überhaupt nicht erwartet hat, dass jetzt irgendetwas mit Schule kommt. Das war seltsam. Was mir gefallen hat, war, dass das dann auf eine Person gelenkt wird, das war das einzige, was mir stilistisch wirklich gefallen hat. Sonst – der Stil war irgendwie langweilig, so eine schulische Beschreibung. Für mich ist das eigentlich nur ein Haufen von Klischees. Ich habe gedacht, der Text ist von einem 13-, 14-Jährigen, aber für einen 17-Jährigen ist das irgendwie na ja ... Den Unfall, den habe ich dann auch nicht mehr erwartet, aber ... das war dann doch ein bisschen tragisch dazu ...

Svetlin:

Die Beschreibungen am Anfang waren gut! Es gab viele Einzelheiten. Die Gedanken waren sehr tief, gut. Am Ende passiert jedoch etwas ganz Unerwartetes – so wirkt der Text ein bisschen chaotisch.

Rossen:

Der Text hat mir sehr gut gefallen. Er beginnt mit einer sehr guten Beschreibung, die auch tief sind, wie Svetlin gesagt hat. Aber das Ende kommt ein bisschen unerwartet, es ist traurig. Der andere Teil des Textes ist ein bisschen verschieden, aber der Text ist froh, es gibt Liebe und so. Das Ende ist traurig. Wenn man glücklich ist, das Leben bringt immer etwas Schlechtes. Die letzte Zeile im Text verstehe ich nicht.

Sevdalina:

Am Anfang war es eine normale Geschichte, aber am Ende war der Text sehr dynamisch, unerwartet und interessant.

Zhivko:

Ich finde den Text ein bisschen naiv für einen 17-Jährigen. Wirklich lustig, aber dieser Text sagt mir nichts.

Katja:

Die Beschreibung von dem Mädchen hat mir nicht so gut gefallen, sie war für mich absoluter Kitsch. Von einem 17-Jährigen hätte ich mir etwas Anderes erwartet. Das Ende hat mir ziemlich gut gefallen, vor allem, weil es sehr überraschend war.

Lisa:

Mir hat der Text weniger gut gefallen, da er ziemlich oberflächlich ist. Es sind sehr einfache Sätze für einen 17-Jährigen.

Anita:

Der Text war ziemlich seicht und unglaubwürdig. Es war einfach formuliert, und am Anfang war es gleich wie viele andere Geschichten. Aber das Ende ist dann so überraschend gekommen, also mir gefällt der Text nicht.

Judith:

Ich habe nicht ganz verstanden, ob man über den Text lachen soll, ob er das beabsichtigt hat, vor allem diese Beschreibungen von dem Mädchen. Also ich weiß nicht, das war unglaublich übertrieben, auch das mit dem Knochenbruch ... Es war mir zu übertrieben.

Katharina H.:

Der Anfang hat mir gefallen, aber der Schluss, der war dann ein bisschen komisch, und irgendwie hab ich es uninteressant gefunden.

Elisabeth:

Also ich fand, er könnte seine Sätze noch sehr viel verbessern. Die Geschichte ist irgendwie sehr stark auf den Schluss aufgebaut. Das heißt, ich finde, er sollte es auch mehr daraufhin führen. Ansonsten: Ohne den Schluss war das absoluter Kitsch – und so hatte es doch irgendwie eine Pointe.

Daniela:

Mir ist irgendwie vorgekommen, dass quasi die Frau schuld daran war, weil sie schön ausgeschaut hat, dass er seinen Blick nicht mehr abwenden konnte und nicht mehr auf die Straße geschaut hat. Also, dass sie quasi schuld daran war, dass er vom Bus erfasst worden ist. Das habe ich ein bisschen komisch gefunden.

Johannes:

Mir ging es auch ein bisschen so. Es war mir nicht so richtig klar, wie ernst dieser Text gemeint war: Sollte man darüber lachen, sollte man nicht? Also, ich gehe jetzt einmal davon aus, dass er ironisch gemeint ist. Das heißt: Am Anfang eine übertrieben kitschige Beschreibung, die von dem Busunglück unterbrochen wird ... und dann zu einer übertrieben ekelhaften Beschreibung. Das ist dann so wie eine Art Spiegelung. Also, die Idee hatte mir gefallen und trotzdem ... Da müsste dann die Beschreibung gut sein, und da waren viele Sachen nicht gefallen, wie zum Beispiel die schon genannte "Droge", die sie plötzlich ist. Was mir gefallen hat, war vielleicht der Exzess, mit dem das dann im zweiten Teil betrieben wird, der auch dann nicht so lang ist. Was mir nicht so gefallen hat, war im ersten Teil: So die Art, wie das beschrieben ist, hat es mich einfach nicht so gefesselt. Dass man so viel Zeit mit der Beschreibung von Fahrrädern mit dieser Frau verbringt – auch wenn es kürzer wäre, wäre es noch lustig genug oder amüsant genug. Was mir allerdings wirklich gefallen hat, ist: Nach diesem Exzess – nach dem Busunglück – passiert eigentlich das Ende ziemlich konsequent. Der letzte Satz ist eigentlich auch mein Lieblingssatz.

Martin:

Mir war es eigentlich auch nicht klar: Ist dieser Text ironisch gemeint oder eher ernst? Also, am Anfang hat es für mich so ausgeschaut, als ob er eher ernst gemeint wäre. Da waren dann eben auch so Formulierungen, die mich dann in dem Zusammenhang irritiert haben. Zum Beispiel: Wo sie mit den Händen den Stahl bei der Lenkstange vom Fahrrad massiert. Was mich dann eben auch gestört hat, war, wie er da beschreibt, nein, wie er eigentlich nicht beschreibt, sondern nur nennt, und zwar "solche Gefühle der Verwirrung und des Glücks". Ich hätte mir an der Stelle vielleicht gewünscht, dass er halt einfach beschreibt, wie diese Gefühle sind und nicht einfach hinschreibt: Gefühle der Verwirrung und des Glücks – und fertig. Oder eben auch diese "endlosen was-wäre-wenn-Variationen" ... Ich hätte das irgendwie besser gefunden, wenn er diese Formulierung ein bisschen mit Inhalt gefüllt hätte. Es war auch für mich ein bisschen zu viel auf einmal: Zuerst diese Liebesgeschichte, dann wird es auf einmal sehr tragisch wie in Hollywood – also mit Unfall – und am Schluss dann noch der Tod ... Das war dann schon wiederum so viel an Tragik, dass ich mir dann am Ende gedacht habe, na ja, vielleicht war die Geschichte dann doch nicht so ernst gemeint. Vor allem mit dem letzten Satz, der es dann für mich entgültig ins Ironische kippt. Der hat mir dann eigentlich wieder irgendwie gefallen.