Kritik zum Text von Marlene Kelnreiter "Das Schöne und das Bier"

(Auszug)

Die Textbesprechung fand am 1. Juli 2001 während der Schreibzeit Leoben statt.

 

Susanne H.:

Also, insgesamt hat mir die Geschichte eigentlich gut gefallen. Sie war vom Ausdruck gut und, trotz manchmal einfacher Worte ... also, gerade das Schlichte war manchmal richtig gut. Was mir nicht so besonders gefallen hat war ... die Szene am Ende ... Mir waren das zu viele Bilder auf einmal, da war das dann zu chaotisch, und da konnte man auch nicht mehr klar zwischen Fiktion und Wirklichkeit unterscheiden. Das war nicht mehr so ganz klar trennbar. Der Schluss war dann schon wieder besser, aber kurz davor war einfach irgendwie Chaos. Manche Ausdrücke fand ich auch nicht so gut wie: Schweiß kommt unter den Achseln hervor; oder bald würde er auch so stinken; oder Ich habe mich geschnitten, bestimmt viermal oder Er hat sich geschnitten, bestimmt viermal. Also, einige Ausdrücke waren nicht so okay. Aber man kann es überarbeiten.

Susanne M.:

Der Text hat mir insofern schon gefallen, als er wesentlich kreativer war als alle anderen. Seltsame Idee – der Stil hat mir eigentlich auch recht gut gefallen. Dieses Chaotische – wie du gesagt hast – irgendwo zwischen fiktiv und real, mir hat das gar nicht so schlecht gefallen, dass man sich da nicht so ganz ausgekannt hat. Es ist vielleicht nicht so eine klare Geschichte, wo man sich auskennen muss, denke ich mir. Dieses "Sie", das steht ja jedem frei, zu interpretieren, was das ist. Gleich ein Kühlschrank oder so ... Der Schluss war ein bisschen unerwartet aber nicht so schlecht, finde ich.

Svetlin:

Dieser Text ist sehr gut aufgebaut. Es gibt viele Gedanken und Gefühle, die sehr tief und rein sind. Was mir nicht gefallen hat, ist die Eintönigkeit und das offene Ende. Es geschieht fast nichts. Da sind nur Gedanken.

Rossen:

Ich bin im Großen und Ganzen der Meinung von Svetlin. Mir gefallen diese Dialoge nicht, sie passen nicht zu diesem Text, sie sind ein bisschen komisch. Der Text ... diese tiefen Gedanken ... irgendwie geht das nicht.

Sevdalina:

Ich finden den Text ironisch und voll mit Humor. Der Text gefällt mir nicht.

Zhivko:

Ich finde den Text ganz gut. Ich finde, der Text ist eine ironische Beschreibung des Alltags.

Katja:

Mir gefällt der Text ziemlich gut, vor allem gefällt mir, dass nichts direkt ausgesprochen wird, dass man eher selbst herausfinden muss, was da wirklich geschehen ist.

Lisa:

Mir hat der Text eigentlich sehr gut gefallen, weil er schön geschildert ist und ... Was mir weniger gut gefallen hat ist, dass es eigentlich wie ein innerer Monolog geschrieben ist, aber nicht in der Ich-Form.

Anita:

Es war zügig geschrieben und witzig. Es waren schöne Schilderungen, aber es waren schnelle Gedankensprünge dabei, wo man sich dann nicht mehr so gut ausgekannt hat.

Judith:

Also, mir hat der Text gut gefallen – vor allem der Anfang. Auch da, wo es sich manchmal wiederholt hat, das hat mir recht gut gefallen.

Katharina H.:

Ich habe den Ausdruck gut gefunden, aber der Dialog, der war ein bisschen mehr als komisch.

Elisabeth:

Also, mir hat gerade der Dialog irrsinnig gut gefallen, und überhaupt der ganze Stil. Mir hat auch gut gefallen, dass es so chaotisch war, weil, es war immer noch ein Faden durch. Man hat sich doch ein bisschen noch ausgekannt. Man darf jetzt eben darüber munkeln, wer "Sie" eigentlich ist. Aber ich fand den Text eigentlich sehr gut.

Daniela:

Mir hat der Text irgendwie gefallen, weil er es geschafft hat, dass kurze und dann wieder total lange Sätze auch zusammengepasst haben. Die kurzen Dialoge in der Bäckerei haben mir allerdings nicht so gut gefallen, obwohl es ziemlich witzig war. Der Text war ziemlich chaotisch aufgebaut und lässt auch einige Fragen offen.

Conny:

Ich finde, man muss sehr viel nachdenken dabei. Einige Stellen und Sätze haben mir eigentlich vom Ausdruck her recht gut gefallen. Dann wieder waren zwei, drei ziemlich seltsame dabei. Das in der Bäckerei hat mir auch nicht sehr gut gefallen, aber ich finde, alles in allem, war es ein ganz guter Text.

Maria:

Also, mir hat der Text eigentlich auch ganz gut gefallen – außer ...er war irgendwie total eigenartig. Stilistisch war es, finde ich, gut, weil ziemlich viele verschiedene Varianten eingebracht worden sind, und gerade der Dialog hat das Ganze ein bisschen gelockert, sodass man da dann wirklich abschalten konnte, weil sonst war schon ziemlich viel zum Mitdenken.

Kathi:

Mir hat der Text irrsinnig gut gefallen, von der Idee her, weil es total wahnsinnig ist. Das war wirklich total meins. Aber, was mir nicht so gut gefallen hat, war eben, obwohl es total dicht geschrieben war, immer wieder abgeschweift ist, wo man sich dann nicht mehr wirklich gut ausgekannt hat. Aber trotzdem, ein Wahnsinnstext.

Nane:

Ich habe den Text auch irrsinnig super gefunden. Gerade das Chaotische in dem Text ... also, ich möchte gar nicht wissen, in welchem Zustand er war, als er den Text geschrieben hat. Auch die Mischung zwischen Fiktion und Realität war super. Das einzige, was mich ein bisschen gestört hat, war die Ironie in dem Text. Ich denke mir, es hätte entweder witziger gemacht gehört, also der Spaßfaktor hätte höher sein können, oder sonst eben ganz weglassen, weil es eben die Ernsthaftigkeit vom Text auch weggenommen hat.

Martin:

Mir hat der Text sehr gefallen: Viele Übertreibungen. Nah gut, ob man jetzt die "Sie" jetzt noch genauer beschreiben soll, darüber kann man wahrscheinlich wirklich streiten. In dem Fall stört es, glaube ich, auch nicht so, dass man über die jetzt nicht wirklich viel erfährt – außer, dass sie stinkt. Was mir nicht so gefallen hat war, wenn dann so Gedankensprünge waren, so "durch den Wasserfall nach Afrika". Da habe ich mir gedacht: Ja, was tun wir denn jetzt in Afrika? Das ist für mich irgendwie herausgefallen. Den Dialog in der Bäckerei habe ich ganz witzig gefunden. Auch, wenn er vielleicht stilistisch ein bisschen herausfällt. Ja und dann am Schluss: Das Anzünden mit dem Zündholz, das war mir dann doch irgendwie zu sanft. Ich hätte mir da wieder irgendetwas Übertriebenes gewünscht, das hätte, glaube ich, etwas besser zum Text gepasst, weil so ein Zündholz ist halt doch ein bisschen wenig – für das Ende, kommt mir vor.

Johannes:

Mir hat der Text gefallen, ziemlich, durch den Titel "Die Schöne und das Bier" – da wird zumindest klar, dass es hier um etwas Ironisches geht. Mir war das eigentlich Beschreibung genug für die "Sie", weil sie ist halt die Schöne, und mehr braucht es in dem Fall nicht. Er ist ja offensichtlich recht hässlich, wenn er sich da zerschneidet. Am Anfang hat mich die Formulierung ein wenig gestört, wenn der Staub so ordentlich aufwärts steigt. Aber mit dem letzten Rest passt es dann schon wieder zusammen, weil viele von den etwas übertriebenen Formulierungen drinnen sind. Ganz am Anfang gibt es dann immer so: Er macht dies, Er macht das, der Satzaufbau ist ziemlich konstant. Das ist schwierig, es anders zu machen, weil man eben nur den "Er" hat. Es gibt keine andere Beschreibung für "ihn". Am Anfang habe ich gedacht: Vielleicht müsste man etwas finden, was "ihn" näher beschreibt, da könnte man mehr machen. Aber auch er bleibt ja eigentlich bis auf Äußerlichkeiten unbeschrieben und man muss in der ganzen Geschichte – und das ist vielleicht das Spannende daran – herausfinden, worum es geht. Darum hat es mir eigentlich gefallen, wenn es so langsam anfängt, dass sie zu riechen beginnt, und dass man ahnt, wer es ist, und das steigert sich halt. Es kommt immer häufiger und ich denke, das ist zumindest ein Element in der Geschichte, das die Marlene wirklich sehr gut im Griff hat und das wirklich sehr gut gelungen ist. Mich haben die Dialoge gar nicht so gestört, ganz im Gegenteil, haben mir auch die Assoziationen, die zu den Wasserfällen, zu den Äpfeln der Bauern usw. – also im alltäglichen Leben aus diesem Zimmer heraus – die haben mir eigentlich gefallen. Das fand ich eine gute Auflockerung dazwischen. Es bleibt natürlich, dass man schon überarbeiten kann, solche Stellen wie: bestimmt mehr als viermal hat er sich geschnitten. Solche Zahlennennungen sind in solchen Dingen immer unglücklich. Auch an der einen Stelle, wo das Orchester ein Adagio spielt. Vielleicht sollte man das Ganze noch einmal auf Kleinigkeiten hin in Ruhe durchgehen, weil hier würde sich das schon lohnen. Die Geschichte gefällt mir eigentlich so, dass sie einige Arbeit noch wert ist.