Kritik zum Text "der verlust des körpers" von Eva Grassl

(Auszug)

Die Textbesprechung fand am 1. Juli 2001 während der Schreibzeit Leoben statt.

 

Maria:

Ich kann mir schon vorstellen, dass der Text anderen gefällt, aber mich persönlich hat er nicht angesprochen. Vor allem ab dem fünften Satz ist es für mich irgendwie komisch geworden. Viel zu viel ins Schwarz-Weiß gefallen.

Kathi:

Der Text hat mich schon angesprochen, aber ich habe nicht wirklich einen Zugang dazu gefunden, er ist für mich auch teilweise recht unverständlich geblieben. Dieses Hin und Her zwischen philosophischen Überlegungen und einer Geschichte, die nur teilweise vorhanden ist, über die man wahrscheinlich extrem viel nachdenken muss. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll.

Nane:

Ich habe den Text sehr gut gefunden. Ich habe den Aufbau super gefunden, ich habe ... Ich muss das erst verarbeiten, aber ich habe es super gefunden.

Susanne H.:

Was ich wirklich interessant fand, war die Verschmelzung von Geschichte und von Philosophie. Obwohl einige Wahrheiten, die am Anfang genannt worden sind, wahnsinnig komplex geklungen haben, nicht so ganz richtig waren. Aber die Anmaßungen haben es auch irgendwie wieder interessant gemacht. Am Ende kann man das nur mehr vom eigenen Empfinden her sagen, wie man die Geschichte findet, denn ich denke, vom Aufbau her war sie richtig gut. Sie hat auch schon so eine eigene Welt aufgebaut, ich denke, da kommt es nur mehr darauf an, wie man das selber verarbeitet.

Susanne M.:

Ich finde auch, dass das ein Text ist, der relativ schwer zu verarbeiten ist – zumindest für mich. Was ich vor allem sagen muss, bei dem Anfang habe ich das Ende nicht erwartet. Der Aufbau ist irgendwie eigenartig, so von Anfang an so distanziert bis zum Schluss hin, doch irgendwie auf eine bestimme Art so intim. Schlecht habe ich sie nicht gefunden, aber ich glaube, dass ich mich länger damit auseinandersetzen müsste, bevor ich mehr dazu sagen kann. Obwohl diese Beziehungsbeschreibung, die irgendwo zwischendurch war, die hat mir irgendwie recht gut gefallen. Genauer kann ich sie jetzt, glaube ich, nicht beurteilen.

Svetlin:

Diese Geschichte ist zu philosophisch für mich. Sie hat mich nachdenklich gemacht, das ist alles.

Rossen:

Die Geschichte ist ein bisschen schwer zu verstehen, man muss sie sehr aufmerksam hören oder lesen. Wenn man einen Moment verpasst, versteht man die ganze Sache nicht, aber die Geschichte ist gut geschrieben.

Sevdalina:

Ich finde den Text sehr philosophisch und für mich ein bisschen langweilig.

Zhivko:

Der Text ist ein bisschen unverständlich. Es ist etwas Neues und Frisches.

Katja:

Mir hat der Text ziemlich gut gefallen. Aber um mir wirklich ein Urteil zu bilden, muss ich ihn mir noch einmal durchlesen.

Lisa:

Ich habe die Geschichte eigentlich schon interessant gefunden, aber teilweise etwas zu absurd.

Anita:

Also, sie schreibt am Anfang sehr kühl. Aber nachher wird sie wirklich sehr intim. Ich finde, sie hat die Sätze auch schön geschrieben und die Wörter gut verwendet. Mir gefällt die Geschichte.

Judith:

Ich kann leider nicht viel zu dem Text sagen, weil ich ihn unbedingt noch einmal lesen müsste. Ich habe zwischendurch den Faden verloren.

Katharina H.:

Ich finde, es sind super Überlegungen.

Elisabeth:

Ich finde, diese Geschichte ist wirklich sehr schwer zu verdauen. Vielleicht wäre es besser, wenn ich den Text noch einmal lesen würde, aber jetzt kann ich irgendwie nur sagen: Er ist sehr intim, und er hat auch sehr interessante Gedanken drinnen. Aber von den Gedanken her, da möchte ich es mir noch einmal durchlesen.

Daniela:

Am Anfang hat es ziemlich viele lange Sätze gegeben, die wissenschaftlich aufgebaut waren. Es hat viele philosophische Überlegungen gegeben. Am besten hat mir die Sprache gefallen. Im Großen und Ganzen habe ich den Text ziemlich gut gefunden.

Conny:

Ich finde, es war ein sehr außergewöhnlicher Text, so etwas findet man sicher nicht alle Tage. Es war auch sehr lange, und der Aufbau war sehr gut, finde ich. Man muss viel mitdenken und um richtig Kritik zu üben, muss ich ihn, glaube ich, noch mindestens dreimal lesen.

Johannes:

Das Thema der Geschichte hat mir sehr gefallen. Der Verlust des Körpers – inwiefern das betrachtbar ist, darüber müsste ich noch nachdenken, aber das gehört nicht hierher. Vielleicht ist am Anfang dieser Teil aus dem Bio-Buch ein bisschen zu lang geraten, es hätte genügt, hier wenige Sätze einzufügen, die vielleicht in diesem Fotoalbum standen. Dann wird es eigentlich, sobald die Tamara die Szenarie betritt, für mich interessant, und ich habe da ein bisschen überlegt: Zum Schluss steht da: Das ist eine Erzählung für Tamara. Da gab es die also wirklich? Oder gab’s die nicht? Ich hätte es mir mehr vorgestellt, wenn das alles ein bisschen mehr miteinander verbunden wäre, als immer mit solchen kleinen Tricks die Spannung wieder zu erzeugen.

Irgendwie gehört natürlich schon dieser philosophische Absatz über die Sprache, in den Sprachkörper hinein ... vielleicht gehört auch Freud hinein mit dem Begehren, aber die Gedanken sind oft nicht zu Ende geführt. Ich finde es gut, dass dieser Text sieben Teile hat, die in einem Wechsel kommen, aber die Teile untereinander – da sind mir, glaube ich, doch recht wenig Bezüge – eher Bezüge, wo man sagt: Ja, o.k. "Begehren" gehört zu dem dazu, was sich in dem Text sonst noch abspielt. Aber in welcher Form oder wie genau? Vielleicht ist es beim Selbstlesen anders, aber da wird dem Leser bzw. Zuhörer ein bisschen sehr viel selbst überlassen. Es wird einfach zu hingestreut und offen gelassen, aber vielleicht war das der Zweck des Textes.

Eine Sache habe ich noch gefunden, wo es sich lohnt, in die Geschichte noch weiter hineinzugehen: Als die Tamara vor dem Kind kniet, um diesem Kind die Hose wieder hochzuziehen nach der Toilette, da ist zum Bespiel eine Stelle, wo sie die Augen im Genick spürt, aber das Kind steht vor ihr. Das heißt, es müsste ein dritter im Raum sein, den es dann aber nicht mehr gibt. Vermutlich hat sie gemeint, dass das Kind sie anschaut, aber dann kann sie es nicht im Genick spüren.

Martin:

Ich habe den Text interessant gefunden, spannend gefunden, aber ich habe mich eben bei vielem nicht so ganz ausgekannt. Mir war am Anfang diese theoretische Abhandlung viel zu lang, die hätte ich eben kürzer gemacht, oder vielleicht in mehrere Teile aufgeteilt, ich hätte das vielleicht gemischt mit der Beschreibung der Tamara, wenn es da irgendwie einen Zusammenhang gibt. Wobei überhaupt für mich die Zusammenhänge das Problem waren. Also, im Sprachlichen fehlt es an dem Text eigentlich nirgendswo wirklich, das funktioniert eigentlich, aber das Problem ist, wie diese Teile zusammengehören: Ich finde das interessant von der Idee her, diesen Text eben so aufzugliedern, diese verschieden Episoden. Für mich wird eigentlich nicht klar, was diese Episoden miteinander zu tun haben: Erst kommt die Tamara, dann sind wir auf einmal in Troja, dann kommen wir zur Schrift. Gut, das hat vielleicht etwas mit diesen Grabsteinen zu tun, aber das ist halt auch irgendwie ein bisschen an den Haaren herbeigezogen. Dann ist eben auf einmal das Kind da, dann taucht dieser Julian noch auf, dann ist auf einmal diese Tamara eine 20-Jährige und der Julian – kurz und gut, die Zusammenhänge haben mir einfach irgendwo gefehlt. Und es sind halt auch einfach sehr viele Personen auf engstem Raum zusammengedrängt.