Kritk zum Text "Ballade" von Manuela Machner

(Auszug)

Die Textbesprechung fand während der Werkstattwoche "Grenzen los schreiben" in Brixen (1. bis 7. 9. 1999) statt.

 

Ich finde es ein bißchen langatmig. Die Grundgeschichte wäre vielleicht als Prosatext interessant gewesen: Wie der Vater sein eigenes Kind ermordet – das müßte man ausbauen. Das Ende habe ich ein bißchen belehrend gefunden.

Nina

Wie ich die ersten paar Zeilen gehört habe, dachte ich mir, jetzt kommt da so ein lustiges Gedicht, aber es fiel dann ins Schwermütige und hat am Schluß diese schreckliche Belehrung. Ich finde der ganze Aufbau des Gedichtes ist nicht klar.

Romana

Für ein Kinderbuch wäre es vielleicht ganz nett. Auf jeden Fall braucht es einen besseren Titel.

Andrea

Die Reime wirken manchmal zu gezwungen. Der Aufbau ist irgendwie unlogisch.

Christine

Die letzten drei Strophen würden eigentlich ein eigenes Gedicht bilden. Inhaltlich erinnert mich es an Erlkönig. Ich weiß nicht, ob man heute noch so etwas schreiben kann, ohne daß es lächerlich wirkt.

Elisabeth

Ich finde es ziemlich übertrieben, daß der Vater sein Kind umbringt, weil es über das Schwert lacht. Man sieht den Aufbau nicht so richtig, teilweise sind Stellen, wo man sich denkt, das würde eine eigenes Gedicht oder eine eigene Ballade bilden. Der Tod des Kindes wird nur ganz kurz beschrieben. Es wäre gut, wenn sich die Autorin ein Konzept überlegen würde, was sie zuerst bringt, was wichtig ist, ob es eher ein Rückblick werden soll, oder ob sie der Reihe nach erzählt.

Claudia

Für mich kommt das Eigentliche der Geschichte, der Mord, zu kurz. Das wird nur in einem Satz abgehandelt. Ansonsten sind sehr viele Nebensächlichkeiten sehr ausführlich beschrieben. Die Frage ist auch, ob dieses Gedicht sich unbedingt reimen muß. Aber Balladen klingen vermutlich besser, wenn sie gereimt sind. Auf jeden Fall sollte der Reim nicht zu krampfhaft sein. Dadurch ließen sich vielleicht auch "Leerstellen" vermeiden. Einen Versuch wäre es eventuell wert, die vorhandenen Ansätze an altertümlicher Sprache auszubauen, die der Form der Ballade vielleicht besser gerecht würden.

Martin

Ballade ist eine Gedichtform, die Handlung hat, also dramatisches Genre durchaus beeinhaltet. Wenn Dramaturgie, dann braucht es natürlich ein Handlungskonzept. Vielleicht sollte man auf den Reim eher verzichten. Ich würde darüber nachdenken, ob man die alte Form "Ballade" lieber nicht mit alten Inhalten (Schwerter etc.) füllt, sondern versucht zu modernisieren. Denn auch heute werden Kinder getötet – worüber man auch Balladen machen könnte. Prinizipiell würde ich mir aber für den Anfang eher kleinere literarische Formen vornehmen, das macht sich leichter.

Johannes