Kritik zum Text von Joachim K. Feldner
(Auszug)
Die Textbesprechung fand während der Schreibzeit Bruck am 9. 7. 2000 statt.
Theresia:
Die Gefühle sind recht genau beschrieben und dazwischen aber so eigenartige Sätze, so völlig anders vom Stil her Ich finde es eigentlich nicht so schlecht.
Gabór:
Ich finde, es beginnt recht gut, aber dann wirds ziemlich skurril.
Eva:
Ich finde, der beste Satz der, der mir am besten gefallen hat ist, wo sie ihn küßt und er ist glücklich, daß er nicht betrunken ist. Das sagt am meisten über das Verhältnis zwischen den beiden aus: daß er alles total real erleben will. Das hat mir irrsinnig gut gefallen, dieser Satz. Aber am Ende dann mit den "Guatemala-Kindern" das ist zwar traurig, aber das paßt absolut nicht dazu.
Alexander:
Um 10:14 spricht Alex: Mir ist die Geschichte etwas beliebig vorgekommen. Es war irgendwie nichts da, was sie festgemacht hat. Es war irgendwie nichts Besonderes. Aber was mir gut gefallen hat, war das mit der Lerche. Den Satz hab ich irrsinnig lieb gefunden, der war super. Und sonst... Es war okay.
Anselm:
Es sind zwar gute Ansätze drinnen, aber das Ganze wirkt irgendwie so, als ob er sich hingesetzt hätte, das einfach runtergeschrieben hat und das nicht irgendwie konstruiert hätte. Es ist halt wirklich so: Es sind immer irgendwelche Brüche drin. Das Ganze fließt einerseits, und dann ist wieder so ein Stop. Ja, auch von der Handlung her ist es undurchdacht, es spitzt sich auf nichts zu oder sonst irgendwas. Aber, wie gesagt, gute Ansätze sind dabei.
Susanne:
Ich weiß nicht, mir kommt irgendwie vor, es schwankt
immer hin und her zwischen realistisch und unrealistisch und zwischen
Erleben und Erinnern. Es ist irgendwie nichts Durchgehendes da.
Vielleicht kommt es vor im Kopf, in den Gedanken, aber
im Text, für einen Leser ist es nicht so geeignet, weil der
kann sich da nicht auskennen. Ja, ich kann mir nicht vorstellen,
daß das noch weitergehen soll, daß das nur ein Stück
aus einem längeren Text ist. Was soll da noch dazu? Ich kann
mir das nicht vorstellen.
Es schwankt zwischen kitschig und dann ist da wieder die Uhrzeit
da. Persönliches Erleben kann es vielleicht sein, aber ich
glaube nicht, daß es so viele Leser wirklich anspricht.
Lydia:
Also ich finde, es war eigentlich am Anfang recht schön geschrieben, wobei ich es dann teilweise recht kitschig gefunden hab. Und auch vom Thema her ist es schon ziemlich abgedroschen. Es war nichts in dem Text, daß es jetzt neu bearbeitet wird oder wirklich Interesse geweckt hätte. Es ist nicht wirklich etwas Neues dabei. Und auch, dann teilweise diese Brüche, wo das erst so genau war und dann wirklich nur mehr ein Satz. Ich hab auch nicht ganz mitgekriegt, wie sie dann plötzlich in das Zimmer kommen.
Sarah:
Also, ich finde das Thema der Geschichte ganz nett, eigentlich. Er sagt doch im Begleittext: tagebuchartig hat er das geschrieben. Ich glaube, der hat das nie irgendwie in seinem Leben erlebt. Er hätte das wohl gern gehabt, und wenn er sich sowas dann schon wünscht, dann könnte er das doch mehr ausarbeiten, die Beschreibungen und so
Alexander:
Er hat nie irgendwie behauptet, daß es eine reale Grundlage hat, er sagt nur "tagebuchartig".
Sarah:
Ich behaupte mal, daß er das nie erlebt hat, weil das hört man irgendwie raus
Alexander:
Das tut aber nichts zur Sache.
Sarah:
Okay.
Gloria
Ich finde, dem Text muß zugute gehalten werden, daß er recht ehrlich geschrieben ist oder daß man den Eindruck hat, daß er es echt versucht, seine Gefühle zu beschreiben. Aber daß dazwischen dann doch der Vorgang des Schreibens dann für mich umgedreht worden ist, indem er einfach versucht, etwas herzunehmen was gut klingt was dann klischeeartig geworden ist. Anstatt, daß er bei dem geblieben ist, was er empfunden hat. Und das mit dem Schwanken zwischen Traum und Wirklichkeit oder Zeitverhältnissen, das finde ich wirklich nicht so schlecht. Das ist so eine Freiheit, die man sich nehmen darf, finde ich. Dazwischen waren eben solche Stellen, wo er, wie schon gesagt, ein bißchen zu genau beschrieben hat. Er hat irgendwie etwas von dieser Realität gemeint, die er in dem Moment so stark spürt. Das hätte er aber mit ein, zwei Sätzen eher poetisch im Raum stehen lassen können, das hätte man dann schon irgendwie aufgenommen. Das hat es irgendwie ein bißchen schlecht gemacht, daß er das so erklärt hat.
Anselm:
Es kommt mir so vor, als wenn er irgendwelche guten Ideen, irgendwelche Ausdrücke, die ihm eingefallen sind daß er die irgendwie hat einbauen wollen in den Text, obwohl sie gar nicht dazu passen.
Eva:
Zum Beispiel?
Anselm:
Das kann ich jetzt nicht so sagen, aber es war einige Male so, vor allen Dingen bei den ganzen Beschreibungen und so weiter.
Verena:
Was ich gut an dieser Erzählung finde, sind die Übergänge von den Orten. Man weiß immer genau, wo er sich gerade befindet, wo eben diese Handlung abläuft. Allerdings, finde ich, fehlt irgendwie der Kern der Geschichte. Eine durchgehende Handlung fehlt, es ist irgendwie mehr ein Fließen Lassen von Gedanken, Wunschvorstellungen. Das bringt eben auch diese manchmal unpassenden Sätze ein, die gar nichts zu tun haben, gerade in diesem Moment. Ja, ich finde, das macht die Erzählung ziemlich uninteressant.
Michaela:
Ja, es waren einfach Sachen, die mir ganz gut gefallen haben. Das mit dem Platz "er nennt ihn Hauptplatz", und wenn er schreibt, daß die Menschen austauschbar seien. Ich glaube, das Kitschige kommt vielleicht auch ein bißchen von den Worten, die er benutzt. Es gibt unglaublich viele schöne Wörter, die total ausgelaugt sind, weil sie so oft mißbraucht werden. Zum Beispiel: "verliert sich in ihren Augen, läßt sich im Ozean ihrer Augen treiben." Das gefällt mir überhaupt nicht
Gloria:
Auch wenns das trifft.
Michaela:
Ja eben, weil die Wörter so oft gebraucht werden, haben sie irgendwie keinen Zusammenhang mehr.
Johannes:
Mir ging es auch so: Am Anfang hat es mir gefallen. Mir gefiel
dann auch, daß es diese Rahmen gibt. Der macht es auch möglich,
daß der Text Teil aus einem größeren sein kann.
Es könnte eben sein, daß er vorher oder nachher in
einer völlig anderen Situation ist, und das das Stück
ist, in dem er sich erinnert. Es geht dann allerdings sehr schnell,
daß sprachlich Dinge passieren, wie die "obsolet
gewordene Weihnachtsbeleuchtung" das ist an sich
schön, aber wenn sonst niemals solche Wörter vorkommen,
dann fällt das heraus, und man könnte genauso gut "überflüssig"
für "obsolet" verwenden. Dann würde das nicht
passieren, was Anselm vorgeworfen hat, daß es so aussieht,
als wären dem Verfasser Wörter eingefallen und die Handlung
ringsherum gestrickt.
Die Bemerkung in den eckigen Klammern würde ich als Einleitung
nehmen, ohne Klammern. Dazwischen wirkt sie irritierend.
Andere Sachen haben mir wieder gefallen, da, wo er ihr begegnet,
und es sagen will aber es geht dann ziemlich schnell, da
kommen solche Wörter wie "real, real, real" oder
dann ganz viel "glücklich", "selig."
Also, an dem entscheidenden Punkt, als er glücklich ist,
da gibt es dann nur das Wort "glücklich" oder "selig."
Das ist eben nur benannt. Er ist verliebt, aber wie ist er, wenn
er verliebt ist? An der Stelle schweigt eigentlich der Autor.
Da hätte ich mir mehr erwartet. Oder es wird gar nicht beschrieben
und nur reflektiert. Aber mir hat das eigentlich gefallen, diese
Stelle: "Sie ist nackt, er auch, es kann also nicht mehr
lang dauern
" das wirkt so ein bißchen
mit Abstand, aber man muß sich natürlich entscheiden,
soll das eine romantische Liebesgeschichte werden, oder soll es
eine Geschichte werden, die jemand beim durch die Stadt Schlendern
in Erinnerungen denkt und deswegen schon selbst anfängt,
die Geschichte ironisch zu machen, weil sie ihn schon verlassen
hat oder er sie. Deshalb hat mir eigentlich gefallen, wie er am
Ende darüber nachdenkt, wie sie die Geschichte erzählen
würde.
Wenn die Geschichte so wird, daß sie die Haltung desjenigen,
der sich erinnert, ausdrückt, dann ist "3:58" nicht
unbedingt ein Stilbruch.
Antonia:
Ich finde, der erste Teil ist ihm recht gut gelungen, aber im zweiten Teil kommt er davon ab, was er im ersten schreiben wollte. Der erste Teil ist eher flüssig und genau, im zweiten Teil kommen dann Dinge, die nicht hineinpassen. Bis zur Mitte hat es mir eigentlich recht gut gefallen.
Elisabeth:
Eigentlich denke ich das gleiche wie die Antonia: Der Anfang ist sehr gut, aber ich glaube, beim Mittelteil steigt dann jeder aus. Mir kommt auch vor, er denkt zu starr von der männlichen Person aus und denkt sich nicht, was das Mädchen denkt.
Karoline:
Mir gefällt der Rahmen irrsinnig gut, dass er durch die Stadt geht, und irgendein Gebäude so eine Erinnerung in ihm auslöst, und wie er sich daran erinnert, dass er etwas dazudichtet, dass ihm das aber bewusst ist, dass er es vielleicht nicht ganz so erlebt hat, wie er es jetzt empfindet. Das gefällt mir irrsinnig gut, der Anfang und der Schluß auch, weil er da überlegt, dass er das gerne noch einmal erleben würde, alleine deshalb, weil er neugierig ist, ob die Erinnerung mit dem wirklich Erlebten noch übereinstimmt. Das gefällt mir gut, nur der Mittelteil gefällt mir nicht, das ist so mühsam irgendwie es fehlt ein Höhepunkt; es ist nur Erinnerung, und die Erinnerung passt nicht richtig. Es gefällt mir gut, wie er am Anfang beschreibt, wie er auf dem Ball ist und sie sucht, sie unbedingt finden will. Und dann verliert das alles irgendwie
Martin:
Mir hat das in eckiger Klammer eigentlich sehr gut gefallen, so von der Idee her, diese Austauschbarkeit. Ich war dann eigentlich enttäuscht, dass in dieser Richtung nicht mehr viel gekommen ist. Dann etwa Dinge, wie 3:58, die ich, an der Stelle, wo sie gestanden sind, mehr als Ausrutscher gesehen habe. Denn die Geschichte ist doch mehr in Richtung Romantik gegangen. Deshalb glaube ich, dass es gut wäre, wenn die Entscheidung fallen würde, wie die Geschichte erzählt werden soll. Soll es wirklich aus diesem Abstand heraus mit Ironie gemacht werden, oder soll es wirklich die romantische Geschichte sein?
Mir ist auch zu vieles ausgespart von den Momenten, wo noch viel sein könnte. Da ist diese Begegnung, die eine der ersten war, und dann sind sie schon nackt im Zimmer, und dann ist es schon 3:58 da geht es mir irgendwie zu schnell.