Kritik zum Text "Trister Winter I" und "Trister Winter II" von Peter S.

(Auszug)

Die Textbesprechung fand während der Schreibzeit Hard am 10. 6. 2000 statt.

 

Sonja:

Ich finde die Gedichte total schön, total reif. Er hat schöne Bilder, er verwendet schöne Worte. Vielleicht klingt es ein bißchen nach Prosa. Es sind immer ganze Sätze. Man braucht sich wenig dazudenken, es schafft ein klares Bild. Und ich glaube, es ist auch nicht so schwer zu dechiffrieren. Meiner Meinung nach geht’s dabei um Sex; die eisigen Berge sind weibliche Brüste, die Unberechenbarkeit ist auch, meiner Meinung nach, sehr weiblich. Es geht einfach um eine Beziehung, die momentan in der Krise steckt. Und er erinnert sich an schöne Zeiten und hat verschiedene Phantasien, und verbindet diese Frau mit Leben, mit einem Neuanfang. Ich finde es total gut. Es erzeugt sehr viel Stimmung. Man braucht eigentlich überhaupt nichts mehr zu verändern, vielleicht ein paar Worte weglassen, um das alles ein bißchen abstrakter werden zu lassen, mehr zum Gedicht vielleicht.

Sebastian:

Ich habe in dem Gedicht nicht so viel zwischen den Zeilen gelesen. Das Gedicht an sich ist recht schön. Mir gefallen gewisse Bilder, z.B. die Blätter, die sterben. Anderes hingegen, z. B. das mit dem "ungeborenen Leben" und andere "starke Begriffe" – mir taugen sie nicht so sehr, vor allem bei Lyrik. Vielleicht wäre es besser, wenn man die Sprache komprimierter macht, für ein Gedicht eben. Aber so wirkt es ziemlich wie Prosa.

Sara:

Ich finde vor allem Dinge wie das "ungeborene Leben" schön und weniger die Blätter, die sterben. "Trister Winter I" hat mir besser gefallen. Beim zweiten passen mir ein paar Begriffe nicht. Der "frostige Rücken" sagt mir persönlich wenig. Aber ich finde es insgesamt sehr schön weil ganz subjektiv.

Eva-Maria:

Wie ich das Gedicht gehört habe, ist mir unweigerlich die 1924 gescheiterte Mount-Everest-Expedition eingefallen. Die Metaphern sind sehr gut angebracht. Für mich regt es zum Nachdenken an. Ich würde eigentlich nichts mehr verändern.

Marlies:

Mir hat es auch recht gut gefallen, obwohl ich gar nichts zum Entschlüsseln gefunden habe und es eigentlich so gesehen habe, wie es da ist. Ich hätte es gern selber gelesen, weil beim Zuhören nicht soviel rüberkommt. Es ist feiner, wenn man es selber liest. Mir hat es eigentlich sehr gut gefallen, die Metaphern sind schön.

Dani:

Mir hat das Gedicht auch gut gefallen, und ich würde überhaupt nichts dran verändern, denn es sind schöne Bilder.

Johannes:

Mir hat es erst einmal ziemlich gut gefallen, besonders der Titel. Sprachlich ist es eigentlich ziemlich gut. Das hat mich überrascht. Bei "Triste Winter I" stimmt vielleicht die Makrostruktur, also das große Ganze noch nicht. Weil z.B. "eisige Berge", die machen irgendetwas in "Zeiten der Unberechenbarkeit", Geheimnisse sind "verborgen zwischen kalten Steinen" – es bleibt eigentlich bis zu dem "Verzaubere mich durch deine Stärke" eine Art Aufzählung. Vielleicht ist es Prosa. Aber es ist keine Prosa, weil es fehlt am Ende immer noch etwas. Aber diese Aufzählung, dies ähnliche Struktur macht es ziemlich schwierig mitzubekommen, was da passiert. Ich muß zugeben, mich hat die Deutung [siehe oben!], daß es sich hier vielleicht um eine Frau handeln könnte, überrascht, aber es erscheint mir durchaus logisch. Dann wird "Trister Winter II" eigentlich verständlicher.

Katrin:

Ich habe da auch keinen Sex gesehen. Und ich habe da nichts mehr hinzuzufügen, es ist eigentlich ganz schön so.

Anna:

Auch ich habe nichts hinzuzufügen, mir gefallen die Gedichte sehr gut.

Martin:

Mich haben die Gedichte vor allem nach dem Begleitschreiben sehr überrascht, weil ja ausdrücklich keine Verbesserungsvorschläge gewünscht wurden. Die Stimmung kommt sehr gut rüber, die da beschrieben wird; allerdings: "einen unglaublichen Raubzug" – das klingt vielleicht doch ein bißchen umgangssprachlich.

Johannes:

Mir hat das wieder gefallen.

Martin:

Aber im Großen und Ganzen hat es mir eigentlich sehr gefallen.