Kritik zum Text "Der Künstler" von Robert C. Jolly

(Auszug)

Die Textbesprechung fand während der Schreibzeit Hard am 10. 6. 2000 statt.

 

Sonja:

Es gefällt mir recht gut, es sind schöne Metaphern drinnen, teilweise ein bißchen klischeehaft, aber trotzdem schön formuliert. Was mir am Anfang nicht gefällt: "Voller Depression und Verzweiflung" – das sind zwei Worte, die passen nicht dazu, vor allem, weil er nachher so schöne Metaphern hineingebracht hat. Das Ende ist meiner Meinung nach ein bißchen überzogen, einfach zu dick aufgetragen. Vielleicht hätte man das irgendwie andeuten können, daß er stirbt. Aber "er fällt um, er ist tot" – das zerstört irgendwie das Gefühl des ganzen Textes.

Sebastian:

Neben den ganzen Klischees, die da drinnen sind, ist es recht nett. Das Ende hat man sich fast gedacht.

Sara:

Mir kommt vor, in diesen Text sind verschiedene Arten reingemischt. Einmal schreibt er mit Gefühl, auf der anderen Seite aber wie eine richtige Kurzgeschichte. Ich finde den Umfang gut. Mir gefällt nicht, daß auf einmal der Schlaf kommt – der Künstler ist voller Depressionen, und auf einmal kommt der sanfte Schlaf – ich kann mich da nicht so hineinfühlen.

Eva-Maria:

Ich finde, der ganze Text ist wie die Beschreibung eines Künstlerlebens, so eine Art Tagebuch. Wenn es in der Kürze bleiben soll, würde ich die Pointe – daß er tot umfällt – noch herausarbeiten.

Marlies:

Ich glaube nicht, daß einer nur umfällt, weil er sein Bild sieht. Wenn er einen Herzinfarkt hat, erschreckt er ja – aber er erblickt das Gemälde, und nachher ist er tot – ist ein bißchen ungewohnt, oder? Und zuerst ist er ganz frustriert und macht sich seine Arbeit von weiß Gott wie vielen Monaten hin, danach geht er schlafen und nachher wacht er ganz, ganz glücklich auf – und dann stirbt er…

Dani:

Mir gefällt der Text eigentlich sehr gut. Der Schluß paßt nicht wirklich dazu, finde ich.

Johannes:

Der Text ist auf jeden Fall besser als der vorhergehende. Aber zur "Depression" und "Verzweiflung" am Anfang: Es ist vielleicht gar nicht so gut, Dinge zu benennen. Vielleicht sollte man sie eher beschreiben. Das heißt, man sieht das dann schon in der Art, wie er sein Bild zerstört. Ich glaube, es ist besser, wenn man vorsichtiger in einen Text reingeht.

Und bei so einem Text halte ich die Pointe für das Wichtigste. Und wenn er dann einfach so tot umfällt – das erinnert mich an Tom-und-Jerry-Zeichentrickfilme oder sowas. Ich denke, da hätte man mehr machen können. Wenn der Tod etwas Erwartetes ist, dann muß man ihn als Konsequenz zeichnen. Ich glaube, daß es keine Konsequenz ist, daß einer vor seinem eigenen Gemälde tot umfällt. Vielleicht hätte es noch eine andere Sache gegeben, die man womöglich nicht erwartet hätte.

Für mich ist allerdings der Schlaf schon glaubhaft. Nachdem er seine Wut abreagiert hat mit der dicken Farbschicht – das sind so Stellen, die mir gefallen haben, so schön beschrieben. Danach kommt dann der Schlaf der Erschöpfung. Aber was dann am nächsten Morgen ist – das ist eben schade. Da kippt dann der Text so ein bißchen ins Lächerliche. Und ich habe ihn anfangs nicht als einen lächerlichen Text gedeutet. Vielleicht ist das das Problem. Aber vielleicht ist das auch Absicht, und soll das Ganze ironisch beleuchten, die Künstlerexistenz. Das ist mir nicht ganz klar geworden.

Marlies:

Vielleicht wollte er damit sagen, daß er nicht mehr gewußt hat, was er davor getan hat. Weil –warum erschrickt er sonst sosehr? Ich weiß ja am Abend, was ich gemalt habe. Ich, von mir aus gesehen, könnte da ja sowieso nicht schlafen. Aber vielleicht geht er in der Früh schon bedrückt hinein – aber dann ist es ja nicht mehr logisch, daß er erschrickt und tot umfällt.

Martin:

Aber wer weiß, was er geträumt hat.

Johannes:

Oder getrunken…

(Allgemeines Gelächter)

Anna:

Mir gefällt die Art, wie er den Malakt beschreibt.

Martin:

Es sind einige schöne Stellen drinnen, schöne Beschreibungen, Bilder. Mit dem Schluß tu ich mir schwer. Vielleicht sollte es auch ein bißchen etwas Rätselhaftes sein. Aber für mich funktioniert es auch als Rätsel nicht, auch nicht als Ironie, weil der Schluß im Text davor überhaupt nicht vorbereitet wird. Und ich glaube, es wäre besser, wenn der Text am Anfang schon "bildlicher" wäre.