Kritik zum Gedicht "Ich sitze in meinem Zimmer hier…" von Lars Liedtke

(Auszug)

Die Textbesprechung fand während der Schreibzeit Hard am 10. 6. 2000 statt.

 

Sonja:

Was mir auffällt: Hier folgen am Ende der Zeile immer vier Wörter, die sich reimen, das ist ungewöhnlich. Vom Rhythmus her paßt es leider nicht immer. Es klingt irgendwie erzwungen. Die Reime sind auch nicht immer ganz klar, z. B. "wirr" und "hier". Es ist vielleicht mehr eine Liebeserklärung; ein großes literarisches Werk ist es nicht.

Sebastian:

Ich glaube, das Gedicht spricht für sich. Es ist schön, wie es sich reimt, das paßt vielleicht für ein Volkslied. Aber es kommt mir krampfhaft vor.

Sara:

Wenn man es vorliest, hat derjenige sicher eine Freude, weil es von Herzen kommt. Aber wenn derjenige sich nicht persönlich angesprochen fühlt, dann ist es vielleicht weniger… also, es ist nicht so mein Geschmack. Aber da kann ja jeder nachher selber seine Meinung dazu sagen.

Eva-Maria:

Ich finde, das Gedicht ist erzwungen und irgendwie klischeehaft. Man versucht, dem anderen mit aller Gewalt zu sagen, daß man ihn gern hat. Das läßt sehen, daß es nicht von Herzen kommt.

Marlies:

Mir kommt auch vor, daß, wenn es ein Mädchen betrifft, es diesem schmeichelt. Aber mir gefällt es nicht.

Dani:

Ich glaube, der, der das geschrieben hat, wollte irgend jemandem zum Ausdruck bringen, daß er ihn gern hat. Aber irgendwie ist es doch ein bißchen krampfhaft geworden.

Johannes:

So einfach ist es mit dem Gedicht nicht. Eigentlich ist es Gebrauchslyrik. Den Zweck erfüllt es vielleicht, jemand für sich zu gewinnen. Ich weiß nicht, wie anspruchsvoll diejenige oder derjenige ist. Es ist nicht bloß deshalb automatisch ein Gedicht, weil es sich reimt. Eine wichtige Eigenschaft eines Gedichtes ist auch noch, daß es "verdichtet" ist. Und ich finde, daß für diese vielen Zeilen sehr, sehr wenig drinnensteht.

Katrin:

An seiner Stelle würde ich es lieber mit Geschichten probieren.

Martin:

Diejenige, der es gewidmet ist, freut sich bestimmt darüber, aber ein Leser, den es nicht betrifft, tut sich schwer mit dem Text. Es ist auch vieles doppelt: Ich mag dich, ich liebe dich; das Warten kommt auch öfters vor. Und die Reime funktionieren auch nicht immer. Es wäre vielleicht auch besser, wenn ein Rhythmus konsequent durchgehalten würde.