Kritik zum Text "Schlafwandler" von Nora Rzadkowski
(Auszug)
Die Textbesprechung fand während des Werkstatt-Treffens in Graz am 14. 4. 2000 statt.
Anselm:
Ich kann dazu nicht viel sagen. Es ist abgehackt. Es fließt nicht. Es sind einzelne Teile. Die Verbindung fehlt mir.
Christine:
Du mußt da was reininterpretieren, dann hast du Verbindungen.
Anselm:
Ich red jetzt nur vom Sprachlichen. Vom Geistigen fehlt mir der Bezug völlig.
Martin:
Und von den Bildern her?
Christine:
Ich find die Bilder schön.
Martin:
Ist keine literarische Kategorie, "schön".
Christine:
Ausdrucksvoll.
Anselm:
Die Bilder sind in Ordnung. Was mir nicht gefällt sind "honigtau der lilien" und "aufwacht im seichten moos". Das ist mir zu abgedroschen. Der Rest ist in Ordnung.
Sonja:
Ich war mir auch nicht ganz klar über die Bilder, die mir das vermitteln soll. Es ist abgehackt. Es fehlt einem vielleicht der Bezug. Ich kann wenig dazu sagen. Vielleicht ist auch das Format schuld, weil es so eingerückt ist. Es wäre interessant, mit ihr darüber zu reden.
Christine:
Ich kann was reininterpretieren, was einmal die Hauptsache ist bei einem Gedicht. Es gibt eben Gedichte, die sind abgehackt. Und es gibt Gedichte, die sind fließend. Ich finde es nicht schlimm, daß es so abgehackt ist, solange der Leser eine Verbindung dazu hat. Sie sollte auf jeden Fall mehr schicken, damit wir uns ein besseres Bild machen können. Es ist einfach zu kurz, um etwas über ihre Schreibweise sagen zu können.
Martin:
Es ist wirklich schwierig, wenn nur so ein einzelnes, kurzes Gedicht kommt, sich dazu zu äußern. es wäre besser, sie hätte uns mehr geschickt, und wir hätten uns dann eines aussuchen können. Abgehackt find ich kein Problem bei dem Gedicht. Ein Gedicht soll ja eigentlich auch prägnant sein, nicht in ganzen Sätzen geschrieben. Aber wenn man dieses Gedicht in einem durchliest, hört es sich beim Vorlesen wie Prosa an. Es müßte wahrscheinlich doch noch einiges weggestrichen werden, damit es dichter wird. Schwierigkeiten habe ich auch, die einzelnen Bilder in Gedanken zusammenzubringen. Aber das kann auch ein Problem sein, das bei mir liegt und nicht bei der Autorin. Ich weiß nicht, ob man die Bilder so miteinander kombinieren kann. Zu den Bildern: "honigtau der lilien" ist mir ein bißchen zu barock. Da würde ich drüber nachdenken. Mit dem "seichten moos" da bin ich verhandlungsbereit. "der herbe nachgeschmack der fremde" find ich nicht schlecht. Der Aufbau, die Reihenfolge ist vielleicht nicht so schlecht. aber ob die Bilder letztlich alle so zusammenstimmen, ist eben die Frage. Denn von der "bordsteinkante" die doch etwas Urbanes (Städtisches) hat, auf einmal mitten in den Lilien zu sein und im seichten Moos, ist vielleicht doch ein großer Sprung. Aber vielleicht wird das beim mehrmaligen Lesen klar.