Kritik zum Text "Die Bewährung" (Teil 1) von Simon Horvath

(Auszug)

Die Textbesprechung fand während des Werkstatt-Treffens in Graz am 14. 4. 2000 statt.

 

Anselm:

Für mich hat der Text nichts als drei Kübel voller Langeweile. Die Sprache ist schlecht. Wie kann sich jemand hinstellen und zehn Sätze hintereinander sagen: "Heute ist mein Tag ..." Wieso? Zu wem? Oder redet er mit sich selber? Für mich ist der Text sehr oberflächlich. Ermüdend. Und es ist ermüdend, ihn zu kritisieren. Er sollte lieber aufhören, sich Gedanken über Gott und die Welt zu machen und sich lieber über sein eigenes Dasein Gedanken machen.

Sonja:

Wenn es ein Zehnjähriger geschrieben hätte, wäre es vielleicht nicht so schlecht. Sprachlich ist es sehr unausgereift. Vielleicht hat er sich die Latte einfach zu hoch gelegt. Vielleicht ist das Thema nichts für ihn. Er sollte vielleicht mit kürzeren Texten anfangen, wo er eher auf die Sprache schaut und weniger auf die Sinnhaftigkeit. Der Aufbau ist viel zu konfus. Man kennt sich überhaupt nicht aus.

Christine:

Man kann zwar viel über Selbstmord schreiben. Aber es geht auch sehr leicht daneben. Am Anfang, daß da alles in direkter Rede steht – ich glaube, das denkt er sich und hat es nicht so in den Raum gesagt. Da hat er sich vielleicht vertippt. Und dann fängt das Ganze an, satirisch zu werden, der Dialog mit Gott bzw. Petrus usw.
Wobei: Was er jetzt damit erreichen will, kommt nicht heraus. Außer, daß er sich Gedanken gemacht hat über das Thema. Vielleicht hat er ja andere Texte geschrieben, die könnte er uns schicken. Und was mich interessieren würde: Ob es sein erstes literarisches Werk ist, oder ob er anderes auch schon geschrieben hat.

Martin:

Es ist schwierig, weil wir nur den ersten Teil gehört haben. Denn den ganzen Text hier zu besprechen, hätte sicher den Rahmen gesprengt. Was man an diesem ersten Teil schon gemerkt hat, ist, daß die einzelnen Situationen nicht klar genug herausgearbeitet sind, daß man einfach zu wenig weiß, was ist das eigentlich für eine Situation, die da erzählt wird. Man erfährt auch zu wenig Hintergründe, warum es dazu kommt. Auch sprachlich ist manches nicht gelungen, z.B: "... keine Empfindung durchzuckte meinen Körper". Manchmal ist es an der Grenze zur Satire oder sollte vielleicht auch satirisch sein. Aber dann ist es wieder todernst. Für mich ist da noch nicht die Entscheidung gefallen, wie soll die Geschichte überhaupt erzählt werden. Und der Plot ist nicht ganz klar. Vielleicht ist der Autor auch überfordert gewesen, 15 Seiten in einem durch zu konstruieren. Ich würde vielleicht empfehlen, doch an kürzeren Geschichten zu arbeiten, die sich leichter überblicken lassen.

Christine:

Aber er hat sich sicher angestrengt. 15 Seiten ...

Martin:

Interessant wäre es, ob es auch kürzere Texte gibt von ihm. Und es wäre schön, wenn er uns welche schicken könnte, bei Gelegenheit.

Christine:

Auf jeden Fall. – Noch etwas: Er schreibt "... die Pistole, die vor mir blank geputzt auf dem Tisch lag ..." Und dann: "Diese schmeckte noch immer nach purer Kotze." Das ist eigentlich ein Widerspruch. Da sollte er etwas ändern oder etwas anmerken. Denn entweder ist sie rein, oder sie schmeckt nach Kotze.