Kritik zum Text "Der Regen" von Melanie Nowak

(Auszug)

Die Textbesprechung fand während des Werkstatt-Treffens in Graz am 31. 3. 2000 statt.

 

Steffi:

Das Einzige, woran ich was auszusetzen hab, ist, daß das kein Schlußsatz ist sondern der Anfang von einem Schluß und der Text ist einfach noch nicht zuende. Und außerdem frage ich mich, warum "Nichts" gerade weiß sein soll ... "Und hält mich für immer an diesem einsamen Ort fest" klingt viel zu endgültig, zu dramatisch. Sonst find‘ ich den Text gar nicht schlecht. Das sind gute Stimmungsbilder.

Oliver:

Das "Nichts" kann ja auch überhaupt keine Farbe haben, eine Un-Farbe.

Christine:

Es fängt am Anfang relativ gut an. Ich weiß zwar nicht, warum sie zu denken anfängt, wenn der Regen aufhört. Denn ich höre auf zu denken, wenn der Regen aufhört. "Der Himmel hat diese vestimmte Art von Blau, die einen weinen macht" würde ich vielleicht ein bißchen umformulieren. Aber wenn es ihr gefällt ...

Oliver:

Ich glaube, da gehört noch ein "d" hintendran: "die einen weinend macht".

Martin:

Nein, das ist deutsch. "Piefkisch".

Elisabeth (lachend):

Das erklärt einiges ... Okay. "Es riecht nach Erde und vielem mehr, für Menschen undefinierbar." Aber sie versucht, es zu definieren. Also ist es anscheinend doch definierbar. Und: Sie schreibt "Es riecht nach Erde" und dann kommt schon "nach vielem mehr". Wieso sagt sie nicht, wonach es sonst noch riecht?

Martin:

Es sind eben Sparstellen in dem Text.

Elisabeth:

Und der Schluß ist für mich eigentlich mehr Anfang als Ende. Da muß man noch dran arbeiten.

Martin:

Sie sollte zu uns kommen.

Elisabeth:

Ja.

Martin:

Es sind einige Stellen in dem Text, wo man durchaus noch mehr machen könnte. Z.B.: "und vielem mehr" oder "undefinierbar", "unzählige verschiedene Flächen" – wäre besser, wenn genau beschrieben würde, was das für Flächen sind, damit man sich ein besseres Bild machen kann. Der Schluß ist für mich schon zu sehr Erklärung dessen, was oben steht. Vor allem der letzte Satz: "Es ist auch mir nichts daran gelegen, ihn als bloßes Wetter abzuwerten ..." Das ist eigentlich jedem klar, der den Text bis dahin gelesen hat.