Kritk zum Text „Sonnenstrahl“ von Patrick Kappacher

Die Textbesprechung fand während der Schreibzeit Hard am 29. Mai 2004 statt.

 

Irene

Ok, also, nicht ich hab das … ich bin die Irene … ja, ich, ich glaub ich hab „das dunkle Glas“, hab ich irgendwie, ich weiß nicht genau, ob ich das schön finde oder ob es mich stört. Es ist mir einfach aufgefallen … ich weiß nicht, weil Glas ist ja irgendwie für mich nicht dunkel, aber OK, es kann schon sein …

Dann war da so was „strahlen“ und das „Glockenhallen“ und das „Licht“, nein, das „Licht und die Liebe“ meine ich … ich weiß nicht, das sind für mich irgendwie so, das sagt für mich irgendwie gar nichts. Vor allem auch die Liebe, das ist so ein großes Wort, nur schon total abgenützt … ja, ich würde wirklich vielleicht noch weniger Offensives nehmen … Liebe …

Selina

Ich weiß nicht, ich habe mich einfach gestört an dem „Glockenhallen deines Lachens“, ich weiß nicht, ich kann mir das nicht so wirklich vorstellen. Und irgendwie, „ein Sonnenstrahl reflektiert dunkles Glas“, muss das nicht umgekehrt sein? Ich bin mir nicht sicher. Dann kannst du mir erklären, es tut mir leid, was soll ich mir drunter vorstellen …

Also dann stören mich grundsätzlich Fremdwörter so wie „reflektiert“, das passt irgendwie nicht in ein Gedicht. Bei dem „Glockenhallen“ finde ich das umgekehrt, das war irgendwie das einzige, wo ich mir was darunter vorstellen konnte, dann das „Glockenhallen deines Lachens“, ich weiß nicht, da habe ich mich gefragt … ja, ob das „schöpferische Liebe“ sein soll oder …

Sidi

Ok, zu deinem Gedicht: Ich muss sagen, der Anfang gefällt mir, dass mit dem reflektierten dunklen Glas, das hat mich, das hat irgendwelche Bilder erzeugt bei mir und die haben mir gefallen. Dann am Ende das, wie eh schon ein paar gesagt haben, mit der Liebe und dass das Wort Liebe schon so abgegriffen ist in dem Sinne, da war mir unklar, was du damit meinst …

Ach … „durch dein strahlendes Glockenhallen“ … hat mich auch irgendwie ein wenig gestört, weil der Anfang hat mir eben gefallen, aber dann ist es eben immer ein wenig … na ja … ein wenig in eine andere Richtung gegangen als ich mir vorgestellt habe.

Flo

Wie schon gesagt worden ist, es stimmt wirklich, es waren einige Sachen drinnen, die noch nicht wirklich perfekt sind und die man verbessern könnte. Allerdings, wenn ich das jetzt nur von der Gesamtstimmung betrachte, hat es mir eigentlich extrem gut gefallen. Am Ende wird es ein bisschen wirr, das stimmt, aber am Anfang war es noch nicht so schlimm, also „reflektiert“, also „Sonnenstrahl reflektiert dunkles Glas“, das habe ich noch ziemlich gut gefunden und von der Stimmung her, ja, da auch.

Gollumb

Hallo. Ich bin der Gollumb und, auch bekannt als Elia und es hat mir eigentlich sehr gut gefallen. Obwohl ich schon noch anfügen muss, dass ich von der meisten Lyrik eigentlich gar nicht viel verstehe. So, mein Dasein beschränkt sich mehr auf Prosa und … nein, fast nur, aber da ich ja aus den unendlichen Landen der Phantasie entstamme, muss ich sagen, dass ich vor allem das „Glockenhallen“ und das „strahlen“ und das „dunkle Glas“, da habe ich sofort an „Tiefwasser“ gedacht, das ist eine riesige Stadt in einem Phantasy-Spiel. Und was mir sonst sehr gefällt ist vor allem das „dunkle Glas“, das „Glockenhallen“, das „Licht“, die „Finsternis“, aber woran ich mich stoße, ist die allerletzte Zeile, weil ich finde, „Dasein“ wird nicht wirklich gegeben. Aber sonst, würde ich sagen, finde ich es schön und gut, soweit ich das jetzt begriffen habe. Danke. Weiter.

Helena

Das mit dem „Glockenhallen deines Lachens“, das klingt für mich total grotesk, das ist irgendwie überhaupt nicht positiv und „schöpferische Liebe“, das klingt so biblisch und für mich sind das irgendwie zwei Gedichte in einem, so am Anfang so wie, so das passt für mich nicht zusammen, das stößt sich so ab. Mir hat’s nicht gefallen.

Johannes

Jetzt vom Zuhören hat mir zumindest … hat mir die Sprache gefallen, der Sprachrhythmus des Gedichtes, die schönste Stelle beim Zuhören war das „und das ist nur ein Moment“, da hatte ich Zeit und es begann da nochmals was Neues. Aber ansonsten muss ich sagen, geht es mir so ähnlich wie der Helena, dass da zwei Gedichte in einem verschränkt sind. Ich wusste nicht so wirklich, geht’s jetzt um was Religiöses wenn da Wörter vorkommen wie „schöpferische Liebe“ und „Dasein“, die kommen für mich dann doch eher aus dem religiösen Kontext. Aber wenn das gemeint war, dann ist das Gedicht nicht deutlich genug, und sollte es ein Liebesgedicht gewesen sein, denn es ist ja irgendein Du angesprochen, wer auch immer das ist … dann gefällt mir diese religiöse Komponente nicht so ganz. Dann ist mir eines … ja, vieles ist gesagt worden, was das Wortgeläute betrifft … so „Liebe“ und „Finsternis“ und „strahlen“, damit habe ich eben Schwierigkeiten, das sind große Worte und ich kann mir da wenig drunter vorstellen, sehr wenig speziell. Es hilft mir auch nicht, den Du oder die Du kennen zu lernen, und was mich besonders irritiert hat, war „ein Sonnenstrahl reflektiert dunkles Glas“ und der Strahl selber reflektiert das ja nicht, wenn ist es das Glas. Und in der Reihung der Wörter, dadurch, dass das mit den Fällen nicht unterschieden wird, wenn man da am Anfang irritiert ist, dann ist man da eigentlich schon aus dem Gedicht draußen. Man denkt eigentlich über die Grammatik nach und das ist, glaube ich, nicht so richtig gut beim Gedicht.

Sollte das Absicht gewesen sein, dass der Strahl das Glas reflektiert, in der Phantasie ist ja vieles möglich, dann wird mir aber aus dem Text selber nicht so richtig klar, warum das nun anders sein soll als sonst.

Also an das Gedicht, da kann man sich schon noch mal ransetzen, an das Gedicht, und noch mal dran arbeiten. Das täte noch Not.

Anne

Ich finde, in dem Gedicht, da geht es ziemlich viel um hell und dunkel und das wird gar nicht so richtig miteinander verbunden. Es ist entweder das Licht oder die Finsternis, und das kam alles mir persönlich viel zu oft. Der „Strahl“ ist auch doppelt drin. Dann ist so oft „durch“, also „Durchgangsstrahlen“, „durch das Glockenhallen“, gefällt mir einfach nicht so mit den Artikeln. Ich finde, insgesamt ist es einfach ein bisschen komisch, das ist eben immer schwarz und weiß oder eben hell und dunkel, und dann auch noch dieses Religiöse eben. Das gefällt mir auch überhaupt nicht. Mit den Glocken, also ich finde, die gehören eben auch ein bisschen da dazu, die Liebe und das Dasein und „emporgehoben“, das klingt mir alles eben, ja so eher nach Predigt. Und, ja, das ist eben irgendwie nicht so mein Ding.

Martin

Ja, ich glaube auch, das ist schon ein Gedicht, an dem was dran ist, aber wo eben noch einiges an Arbeit nötig wäre. Vieles ist ja schon gesagt worden, also das sind vor allem einmal die großen Wörter, an denen ich mich gestoßen habe, eben, das war die „schöpferische Liebe“ und das „Dasein“, also da hätte ich mir einfach mehr Details, mehr Bilder gewünscht, an diesen Stellen. Ja, und auch mit den Bildern habe ich ein bisschen so ein Problem, eben mit diesem Sonnenstrahl, der da dunkles Glas reflektieren soll. Das war mir nicht ganz klar, wie das funktionieren soll. Und dann waren für mich eben auch noch die Bilder ein bisschen zu wenig aufeinander abgestimmt. Es ist eben sehr stark irgendwie im optischen Bereich erst einmal, und dann auf einmal kommt dann eben das „Glockenhallen“, also etwas Akustisches dazu, dann ist aber wieder das Licht, dann sind wir wieder beim Optischen. Also, ich weiß nicht, ob es dem Gedicht so gut tut, wenn da eben Bilder verwendet werden, die eben dann doch nicht so nahe beieinander liegen.

Mara

Ich fand das soweit von dem … es werden viele große Wörter verwendet, und Liebe und Licht, Dunkelheit und ich finde, für so ein kleines Gedicht sollte man sich lieber auf ein oder zwei solche großen Dinge beschränken.

Und mit dem reflektieren hat’s mich eigentlich ziemlich rausgenommen, das erste Mal aus dem Gedicht, da hab ich nur noch über diesen Satz nachgedacht und dann ist das irgendwie gleich erst so darin verschwunden und dann war das für mich eigentlich schon der letzte Satz und das war etwas ungeschickt, fand ich.

Klara

Ja, ich bin die Klara.

Die meisten sind mir mit ihrer Kritik jetzt eh schon zuvor gekommen. Mich hat auch der erste Satz, also der erste Teil aufgehalten mit dem „Sonnenstrahl reflektiert“. Das erste, was ich da gedacht habe war, so was hatten wir schon einmal. Ich habe das Gefühl, ich bekomme bei jeder Schreibwerkstatt, egal ob Netzwerkstatt oder von allen Teilnehmern ein Gedicht wo ein Sonnenstrahlen oder eine Reflexion vorkommt. Und das muss ja nichts Schlechtes sein, aber find ich jetzt auch schon so einen abgegriffenen Charakter in mir und ich habe eben auch Schwierigkeiten mit diesem Bild gehabt und habe eben auch vom Fühlen, oder vom Gefühl, das entstanden ist, waren es eben für mich, wie die Helena gesagt hat, zwei Teile, zwei Gedichte, und deshalb habe ich, glaube ich, Probleme damit gehabt.

Magdalena

Also mir persönlich hat der Anfang schon gut gefallen, dass also das dunkle Glas durch den Sonnenstrahl reflektiert wird … also es sind auch … also die Welt, die zu großen Wörter sind Haufen auf einmal, das „strahlend“, „Glockenhallen deines Lachen“ und so, das ist zu viel in einem Gedicht. Und das, also, die Stimmung wird dadurch ganz … kurz.

Thomas

Nachdem ja für mich schon alles gesagt wurde, möchte ich nichts weiteres mehr dranhängen und geb’s gleich weiter, also …

Tanja

Was einen beim Hören ziemlich an dem Gedicht stört ist dieses „Glockenhallen deines Lachens“. Damit kann ich überhaupt nichts anfangen also, weil „Glocken“ erinnert mich irgendwie an Kuhglocken oder so und ich weiß nicht, was das mit Lachen zu tun haben soll und ich finde „schöpferische Liebe“ so ja, ich weiß nicht, so, einfach komisch.