Kritik zum Text "Beobachtung" von
Sandra Folie
Die Textbesprechung fand während der Sommerschreibzeit
2006 statt.
Einzelmeinungen:
Dori:
Es ist extrem schwer, den Text überhaupt zu verstehen, da
sich schon der erste Satz unglaublich in die Länge zieht.
Sinnmäßig und grammatikalisch treten übermäßig
viele Fehler auf.
Mir scheint, du weißt nicht wirklich, was du willst - aus
dem Material dieser Geschichte könntest du ein halbes Dutzend
Seiten statt nur einer halben machen.
Corinna:
Ich finde die Ansätze ganz gut, nur die Umsetzung gefällt
mir nicht wirklich.
Die zu langen Sätze und die Nichtbeachtung der Syntax behindern
extrem den Lesefluss.
Vincent:
Ich kann leider keine Ansätze erkennen. Da sich der Text
in sich widerspricht. Zumindest das, was ich als Inhalt erkennen
konnte. Dieser Mangel an Inhalt würde vielleicht weniger
auffallen, wenn du wenigstens ein paar gute treffende Beschreibungen
hättest.
Gespräch
Vincent:
"Unser Blick" impliziert, dass der Leser vom Erzähler
in den Text einbezogen wird und mit beobachtet. Solche Leserlenkung
ist sowieso zu kritisieren. Und da es im Text nicht noch einmal
aufgegriffen ist, ist es besonders schlimm.
Dori:
Der Leser weiß nicht, wie alt du bist und daher macht "doppelt
so alt wie ich" keinen Sinn.
Vincent:
"Zweifellos verzweifelt" passt bestenfalls in einen
satirischen Text.
Corinna:
Außerdem müsste es "sie ist zweifellos eine Verzweifelte"
heißen.
Dori:
Es heißt "zwischen dem, was zuvor gewesen war, und
was danach sein würde."
Der Erzähler kann nicht gleichzeitig auktorial (allwissend)
sein und im Bus sitzen.
Corinna:
"Recherche nach dem Mehr am Leben" klingt
nach Lebenshilfebroschüre.
Vincent:
"Eine arbeitslos gewordene" was?
Dori und Corinna:
Reihe alles in einem endlos langen Satz ohne Punkt (dafür
mit umso mehr Beistrichen) aneinander - prinzipiell nicht.
Corinna:
Wo ist die Relevanz der "wässrig-roten Augen"?
"Abgemagerte verwelkte Schöne", klingt nach einer
magersüchtigen Seniorin.
Dori:
Wie schafft sie es, eingekauert Haltung zu bewahren? Beschreibung!
Vincent:
Wenn sie niemandem auffällt, warum beschreibt der Erzähler
sie dann eine halbe Seite?
Dori:
Wieso Zeitschleife? Fährt sie den ganzen Tag von A nach B?
Corinna:
Und warum tut sie das, wenn sie keinen Sinn darin sieht?
Dori:
Der Satz mit den Leuten, die im Bus sitzen, kann gestrichen werden.
Vincent:
Und überhaupt alterwürdiges Ehepaar. Sind das ein König
und eine Königin?
Dori:
Welcher Erfolg? Der Erfolg, nicht aufzufallen?
Corinna:
Warum ist es ein Erfolg, nicht aufzufallen?
Vincent:
Warum schreibst du, es wäre was zu zerstören, wenn nichts
zu zerstören ist?
Was war ihr ehemaliges Verhalten?
Corinna:
Der letzte Satz ist dir ganz gut gelungen, er lässt offen,
ob sie sich umbringt, oder ob sie ein neues Leben beginnt.
Vincent:
Finde ich nicht. Der Satz sagt genau so wenig aus wie alle anderen.
Dori:
Ich würde sagen: das Ende ihres Nichthandelns; das Ende allen
Nichthandelns lässt vermuten, dass auf einmal kein Mensch
mehr träge ist.
Abschließende Tipps:
Fasse dich kürzer, mache Punkte anstatt Beistrichen. Das
würde das Lesen wesentlich erleichtern.
Denke darüber nach, wie du dich einfacher ausdrücken
kannst.