Kritik zum Text Komm! von Marion Ziegler
Die Besprechung fand während der Schreibzeit Hard 2006 statt.
Selina:
Mir gefällt, dass das Ende offen gelassen ist, aber das Komm! passt nicht.
Benjamin:
In dem Text werden sehr viele abgedroschene Phrasen verwendet. Zum Beispiel: Zittern wie Espenlaub; Verzweiflung förmlich riechen; aus vollem Hals schreien; perlender Schweiß.
Marie:
Du solltest dich entscheiden, ob du im Präsens oder im Präteritum schreiben willst. Mir persönlich gefällt Präsens für deine Geschichte besser.
Selina:
Mir gefällt der Titel nicht besonders. Ausrufezeichen finde ich bei Titeln generell kritisch. Ich würde als Titel Kälte vorschlagen und dafür den ersten Abschnitt wegstreichen.
Benjamin:
Die Perspektive ist nicht immer ganz klar. (Soll sie von Günter ausgehen?)
Marie:
Mir wurde nie klar, was genau das etwas sein soll. Leser sind dumm, sie brauchen zumindest Andeutungen, um so was zu verstehen.
Selina:
Ich bin mir nicht sicher, ob eine Hinrichtung so abläuft, wie du sie beschrieben hast. (Ein Wärter trägt keine Gummistiefel!) Ausserdem wird mir nicht klar, in welcher Zeit oder in welchem Land diese Geschichte spielen soll. Wir schlagen vor, dass du über dieses Thema nochmals gründlich recherchierst (z. B. Gemütszustand vor der Hinrichtung).
Benjamin:
Pupillen können nicht auf Stecknadelgröße schrumpfen. Außerdem sind sie immer schwarz. (Du meinst wahrscheinlich die Iris, aber deren Größe verändert sich nicht wirklich.)
Marie:
Es wird nicht klar, was genau mit dem Mädchen passierte. Natürlich ist es schriftstellerische Freiheit, ob man so etwas ausformuliert oder in der Schwebe lässt. Allerdings würde ich es entweder ganz erklären oder ganz weglassen.
Selina:
Das Herz in einem Text sprechen zu lassen, ist extrem kitschig. Vielleicht wäre ein innerer Monolog dafür geeigneter.
Benjamin:
Eine Stimme kann nicht reden (nur der Mensch selbst), ein einzelner normaler Mensch trägt höchstens ein Paar Gummistiefel, und Gummistiefel erzeugen kein Donnergrollen.
Marie:
Die Uhr würde ich weglassen. Erstens gibt es in einer normalen Zelle keine. Zweitens trägt sie nicht wirklich zum Spannungsaufbau bei.
Benjamin:
Es ist sehr unwahrscheinlich, dass der Gefangene um Punkt 12 Uhr abgeholt wird.
Marie:
Es ist schwierig, zwei Sachen gleichzeitig zu machen, wenn sie zwei Hände brauchen. (an Gitterstäben rütteln und gegen Backsteine schlagen)
Selina:
Eine Pritsche kann nicht lieblos in der Ecke stehen.
Benjamin:
Es ist schwierig, sich zwei Quadratmeter Kälte vorzustellen. (Wenn du mir das Geschäft verrätst, kaufe ich mir dort gerne mal eine Portion Sonne.)