Kritik zum Text "Mirmilith" von Benjamin Bläsi (15)

Die Textbesprechung fand während der Schreibzeit Hard im Mai 2005 statt. Abweichend zur bisherigen Vorgangsweise bekam jeder in der Kleingruppe vor der Diskussion den Text in Kopie zum Lesen und konnte sich folglich auch vorneweg schon Notizen machen.


Selina:

Sand kann nicht glänzen, nur glitzern in der Sonne.
Ich stelle mir das Mirmilith wie ein ganz kleines Tier vor, in der Geschichte verhält es sich jedoch wie ein Mensch. (Es wird auch nicht klar, ob es kriecht oder geht)
Im Text bleiben einige Fragen offen: Wo kommt es her? Warum kommt es vom Himmel runter? Wie kann es mit seinen dünnen Ärmchen den großen Stein hochheben? Woher weiß es, wo seine Heimat liegt, wie weit es dorthin ist und wie er hinkommt? Die sollten noch geklärt werden.
Ich fand die Idee dieses kleinen Tieres Mirmilith sehr gut, auch wie es beschrieben ist. (Ich mag die Vorstellung, wie es aus dem Wasser kriecht mit ganz nassem Fell.) Mir fehlt ein Höhepunkt, auf den die Geschichte hinarbeitet, sonst bleiben die Handlungen so sinnlos.
War er wirklich begeistert, nachdem er gerade aus dem Himmel fiel? (10. Absatz)
Im 11.Absatz ist das „vor Ekel“ nicht nötig.
Ich glaube nicht, dass man sanft in eine Muschel beißen kann, das muss doch ziemlich wehtun.
Schnabelklappern von Möwen ist ein bisschen problematisch, da Möwen nicht so einen großen Schnabel haben.
„Beseelt von der Hoffnung“ tönt total komisch. Auch „zerbrach in tausend Stücke“ würde ich noch einmal überdenken.
Der letzte Absatz lässt stark nach in der Formulierung.

Elisabeth:

Es gibt ein paar Wortwiederholungen (1. Absatz: umher, 2. Absatz: fiel,…). Ein Näschen, das ununterbrochen zuckt, ist etwas überbeschäftigt. Es ist komisch, dass er erst auf den Boden sieht, als die Begeisterung verklingt, wo hat er denn bis dahin gesehen? Den Begriff „Ding“ in einer Geschichte zu verwenden, ist echt nicht gut, weil es einfach nichts sagt und noch dazu kein sehr schönes Wort ist. Das Tier könnte den Stein stattdessen als „Schatten“ oder so etwas sehen. Ganz allgemein stellt sich für mich bei diesem Text die Frage, was der Gedanke/Sinn dahinter ist. Wieso ist dieses kleine Tier auf dieser Südseeinsel? Was macht es dort? Warum geht es am Ende zurück? Das einzige, was passiert, ist, dass es etwas zu fressen sucht. Mir fehlt hier eine Wende, ein Konflikt, irgendetwas, was Spannung ausmacht. Gut gefallen hat mir zum Beispiel im 4. Absatz der Satz: Und es hatte eine lange Reise hinter sich. Es passt hier sehr gut hin. Ausserdem gefällt mir die Beschreibung: „In seiner Heimat gab es so etwas nicht. Nur nasse Erde, saftige Grashalme und Bäume mit breiten Kronen.“ (guter Satzaufbau) und die Stelle, wo er das Schneckenhaus beschreibt.

Caroline:

Ich habe auch einige Wortwiederholungen entdeckt.
Ein paar Fragen:
Können Krebse umherLAUFEN?
Kann sich ein Wesen ausschütteln? Ich glaube, es ist besser wenn es sich nur schüttelt. Dann ist es nämlich nicht mehr da.
Warum kommt es eigentlich auf vom Himmel?
Und wie kann es mit seinen dünnen Armen und seinem kleinen Körper so stark sein?
Warum weiss Mirmilith nicht genau, von wo es kommt?
Es klingt wie eine Einleitung zu einer größeren Geschichte. Man will dann noch wissen, was es auf seiner Heimreise alles erlebt. Und warum will es dann doch wieder heim?

Patrizia:

Auch mir geht es so, dass mir die Geschichte in vielen Punkten unklar erscheint und Fragen aufwirft. Zum Bespiel hatte ich das Gefühl, dass sich das Mirmilith auf einer Insel befindet und es deshalb schwierig ist, zurück nach Hause zu wandern. Auch, dass das Wesen weiß, wo es hin muss, erscheint mir nicht ganz logisch. Und: wenn es aus dem Norden kommt, wieso fällt es dann aus dem Himmel? Auch die Stelle, an der es das Schneckenhaus zerbricht, ist für mich aus zwei Gründen relativ schwach: zum ersten dürfte das Schneckenhaus beinahe so groß sein wie Mirmilith, das heißt, es ist schwierig für ihn, es zufällig zu zerbrechen; und zum zweiten, weil ein fehlendes Schneckenhaus für mich als Begründung nicht ausreichend ist, dieses schöne Fleckchen Erde zu verlassen. Auch dass dieses „Tier“ komplexe Zusammenhänge (wie zum Beispiel das Öffnen einer Muschel) so schnell begreift, erscheint mir nicht ganz nachvollziehbar. Ansonsten kann ich mich den Kritiken der anderen größtenteils anschließen, auch was den öfters wechselnden Stil und die Wortwiederholungen betrifft; du solltest da vielleicht auf etwas mehr Konsequenz achten. Jedoch fand auch ich die Beschreibung von Mirmilith und gewisse Landschaftsschilderungen und Beschreibungen schön formuliert und plastisch dargestellt.